KULTour

KULTour : eine Sendung geschaffen für eine Stadt wie Berlin! Eine Stadt mit buntem und vielfältigen kulturellen Ambiente, in der Kultur gelebt wird - aber auch vieles unentdeckt bleibt. Wir wollen den Berlinern und Brandenburgern informativ und spannend das stetig wechselnde Berliner Kulturprogramm nahebringen und sie zu eigenen Touren in die kulturelle Vielfalt anregen. Seien es Theaterbesuche, Events, Konzerte, Festivals oder auch Museumsbesuche - eben all das, was im Zeichen von Kultur steht. In unserer einstündigen Sendung sollen auch spannende Bücher und/oder Filme aus der ganzen Welt vorgestellt werden. Alles umspielt von ausgewählter Weltmusik.

letzte Folgen

KULTour | 14.05.2021

Jacqueline Roussety & Franziska Schreiber im multicult.fm-Studio

In dieser Talkrunde geht es um ein brisantes Thema, das seit Jahren für Aufruhr, kontroverse Diskussionen und Demonstration sorgt - und eine große Spaltung innerhalb der deutschen Gesellschaft mit sich bringt. Es geht um die Partei AfD, die seit September 2017 mit 92 Abgeordneten im Bundestag vertreten ist, und mit ihren medienwirksamen Konfrontationen der etablierten Parteien für Aufsehen und Empörung sorgt. Zu Gast in der Talkrunde ist Franziska Schreiber, die 2013 in genau diese Partei eintrat und hier maßgeblich an deren Image und politischen Idealen mitwirkte. Innerhalb eines Jahres wurde sie Vorsitzende der Jungen Alternativen (JA) in Sachsen und stellvertretende Pressesprechern, ist 2017 dann auch noch im Bundesvorstand angekommen. Gegen den immer stärker werdenden rechten Flügel, insbesondere um Björn Höcke, versuchte sie sich an der Seite von Frauke Petry zu wehren, einen liberaleren Kus anzusteuern, bis sie letztendlich kurz vor der Bundestagswahl 2017 ausstieg. Ihre persönliche aber auch die Entwicklung der AfD versucht sie in ihrem jüngst erschienenen Buch Inside AfD zu erklären, und gibt einen erschreckenden Einblick in einer Parteistruktur wieder, die nur sehr wenig, bis gar nichts mit Demokratie tun hat.

Der Titel verlockt dazu zu glauben, einem Spionagethriller beizuwohnen, dem ist aber nicht so. Die hier beschriebene Entwicklung der AfD erinnern eher an das blutrünstige Drama Macbeth, mit all den Machtgelüsten, dem Wunsch nach Eroberung und Regieren wollen um jeden Preis, Intrigen, hysterisch gewordenen MitgliederInnen die sich nur noch um den einen Gedanken kreisen, sich bis an die Spitze zu katapultieren und dem hämischen Frohlocken der Gestürzten. Und nicht als Spionin oder Ermittlerin, sondern als mittreibende Kraft ist Franziska Schreiber daran beteiligt, die sehr genau über die Machtstrukturen wusste und auch daran mitarbeitete, diese zu perfektionieren, bis letztendlich die Selbsterkenntnis folgte, dass die dortigen Machenschaften nicht wirklich viel mit Demokratie haben.

Redaktion und Moderation: Jacqueline Roussety
Technik: Ringo Kliemann

Eine Wdh. v. 23.11.2018

Identität

KULTour | 07.05.2021

Claudia Gehrke bei einer Lesung, Buchmesse in Frankfurt 2009.

Foto () Martin Lindner, via Wikimedia Commons

Wozu eigentlich braucht man eine Identität? Gewiss, für die Steuer, die Krankenversicherung, den Führerschein und für das Bankkonto. Aber das sind alles Merkmale individueller Unverwechselbarkeit. Wozu aber braucht man eine kollektive Identität? Was nutzt es einem, Christ, Jude oder Moslem zu sein, oder einer bestimmten ethnischen Herkunft – und vor allem: Bin ich einem Menschen wirklich näher, nur weil er oder sie eine ähnliche Blutgruppe – zB als Familienmitglied – aufweist, wir sonst aber vielleicht einander absolut fremd sind, dh überhaupt nichts gemeinsam haben? Verstehe ich einen anderen Menschen besser, nur weil ich mit ihm oder ihr dieselben biologischen Marker teile? Oder weil wir derselben Ethnie mit ungezählten unterschiedlichen Untergruppen entstammen?

Fragen die unser Redakteuer Eike Gebhardt mit seinem Gast - pardon: seiner Gästin – diskutieren will. Vor allem beim Thema Sex hat sie Jahrzehnte Erfahrung als vielleicht bekannteste Verlegerin erotischer Jahrbücher und Literatur: das jährlich erscheinende Mein heimliches Auge kennt jeder, einschl. Varianten wie Mein schwules Auge oder Mein lesbisches Auge. Daneben veröffentlicht sie hochkarätige Literatur – die Trägerin des Kleistpreises Yoko Tawada z.B. ist Stammautorin bei ihr ... Wir freuen uns, die Chefin des legendären Konkursbuch Verlages (nach einem hochturbulenten halben Jahrhundert ist der Begriff ‚legendär' wahrlich nicht zu hoch gegriffen) begrüßen zu können: Willkommen Claudia Gehrke!

 

Wdh. vom 30.4.21

Das Recht auf den eigenen - selbstgewählten - Tod

KULTour | 16.04.2021

Während alle Welt samt Medien nur noch ein Thema kannte, die Pandemie, vollzog sich still eine Revolution, die niemand so recht wahrzunehmen schien: Im Februar 2020 entschied das höchste deutsche Gericht – einstimmig! -, dass jeder Mensch das Recht auf einen selbstbetimmten Tod habe. Ohne Wenn und Aber. Das Grundgesetz habe als oberste Werte die Würde des einzelnen Menschen und, daraus abgeleitet seine bzw. ihre absolute Selbstbestimmung über das Leben, das er/sie führen wolle.

Absolut niemand habe das Recht, uns bei dieser Entscheidung zu bevormunden: Keine Religion, kein Arzt, keine Regierung, überhaupt niemand! Oder unsere Motive zu beurteilen oder gar zu verurteilen.

Galt also früher die Regel – in Deutschland wie in einer Reihe anderer Länder – das nur Schwerkranke ohne Hoffnung auf Heilung evtl. eine Sterbehilfe in Anspruch nehmen könnten, so wird dieses Recht nunmehr jedem zugestanden, unabhängig von den Gründen für den Sterbewunsch. Und es schließt das Recht ein, Sterbehilfe zu erhalten.

Wahrlich eine Revolution – zugunsten des Rechts auf ein selbstbestimmtes Leben. Natürlich laufen alle selbsternannten Vormünde Sturm dagegen, die Kirchen sowieso, die Konservativen aller Couleur, und selbst der deutsche Ethikrat. Obwohl mehr als 80% der deutschen Bevölkerung Sterbehilfe gutheißen.

Unser Redakteur Eike Gebhardt spricht mit der Fachanwältin für Medizinrecht, Katrin Helling-Plahr, die für die FDP im Bundestag sitzt.

Die unheilige Familie - Teil II

KULTour | 09.04.2021

Necla Kelek Portrait-Foto - von ihrem Buch-Cover „Die unheilige Familie“ / Droemer HC

© Droemer HC

Die meisten Menschen fühlen sich ihren Blutsverwandten näher und inniger verpflichtet als anderen Menschen - denen sie doch seelisch oft viel näher sind als der Blutsfamilie, die sie nicht selten entmündigt und tyrannisiert; das gilt besonders, aber nicht nur, für Mädchen/Frauen in „orientalischen" Familien".

So jedenfalls die These der (selbst einer orientalischen Familie entstammenden) weithin bekannten Soziologin Necla Kelek. Warum haben traditionelle Einwandererfamilien oft derart viele Probleme mit der - hierzulande üblichen - individuellen Freiheit ihrer Kinder, deren Menschenwürde, ihrer Selbstbestimmung und ihren Grundrechten. Wie rechtfertigt sie, dass die Familie und ihr Patriarch all diese Rechte einfach außer Kraft setzen kann, darf, ja soll und muss im Selbstverständnis dieser Kulturen?

Just dieser Frage widmet sich das jüngste, ungemein kluge Buch der Soziologin Necla Kelek. Es ist llers andere als eine abstrakte Frage: Sie betrifft Millionen von Einwanderern, die im Innern wie nach außen hin im Alltag einen Kampf der Kulturen führen. Ein Kampf, mit dem wir sie weithin allein lassen.

Unser Redakteur Eike Gebhardt diskutiert mit Necla Kelek.

Was heißt 'Inspiration' - Genie und Muse im Film

KULTour | 26.03.2021

Jacqueline Roussety und Eike Gebhardt bei multicult.fm
Jacqueline Roussety im Film-Studio mit ihrem Buch in der Hand

© Jacqueline Roussety

Woher kommen unsere Ideen, Vorstellungen, Wünsche und Ängste – wie individuell sind sie? Greifen wie sie nur ab aus dem großen Warenhaus, der Kultur, in der wir aufwachsen? Warum suchen wir uns bestimmte Rollenmodelle? Was z.B. bewirkt eine beflügelnde Frau, genannt „Muse“ im – geschichtlich meist eben männlichen - Künstler? Verleiht sie ihm wirklich nur Flügel, weil er – z.B. erotisch – angeregt oder erregt ist? Oder hat sie auch eine inhaltliche Rolle, d.h. was sie verkörpert, wird für den Künstler zur schöpferischen Vision – oder spielt sie gar eine Rolle als Mitschöpferin?

Diesen Fragen geht eine 500-seitige eindrucksvolle Studie über Genies und Musen im Film nach. Die Autorin, vielen unserer Hörer noch vertraut als einstige Moderatorin dieses Senders, haben wir zurück ins Studio geladen: Die Regisseurin, Schauspielerin und Autorin – von historischen Docu-Fiction und Romanen, davon gleich noch – Jacqueline Roussety.

 

Erstsendung 4.12.20