Kontrapunkt

Für die klassische europäische Musik bedeutet der Kontrapunkt die "Gegenstimme", oder "die Tonfolge, die gleichzeitig mit einer gegebenen Melodie erklingt" und wird als "punctus contra punctum ... ausdrücklich als Grundlage der Mehrstimmigkeit" gesehen (Wikipedia).

Der multicult.fm Radiotalk versucht sich am stetigen Wechsel von Harmonie und Streitkultur - auf hohem Niveau: im Kontrapunkt streiten ExpertInnen über vielfältige Themen des politischen, gesellschaftlichen und religiösen Zusammen-Lebens - oder eben auch Gegeneinander-Agierens.

letzte Folgen

Zuhause in mehreren Kulturen – Kosmopoliten oder gespaltene Persönlichkeiten?

Kontrapunkt | 17.09.2021

Ralph Stern und Simone Mahrenholz, mit Eike Gebhardt vor dem multicult.fm-Studio

v.l.n.r. Ralph Stern, Simone Mahrenholz und Eike Gebhardt

Zwei oder gar mehrere Pässe haben gar nicht Wenige heutzutage – aber zwei oder mehr Identitäten? Klingt verdächtig nach gespaltener Persönlichkeit, krank, jedenfalls konfliktträchtig. Und doch scheinen die Betroffenen nicht darunter zu leiden – außer womöglich in einer konkreten Konfliktlage: Krieg, Ethnie, Religion, Familientradition (s. die ehrlosen sog. 'Ehrenmorde' an Kindern, die es geschafft haben, in mehr als einer Kultur zu leben – und dafür als Ketzer hingerichtet werden).

Dagegen stehen einerseits sogenannte Kulturnomaden, die die Ressourcen möglichst vieler verschiedener Kultur anzapfen und leben möchten, ohne sich zwanghaft mit einer bestimmten identifizieren zu müssen. Andererseits gibt es Menschen, die in einer Kultur sozialisiert wurden, aber in einer anderen leben und auch dort gut funktionieren, ja sich zuhause fühlen. Die große Chance dieser Gruppen ist, jeweils eine Kultur aus der Perspektive einer anderen zu sehen – und womöglich gar die Hintergründe, die zu oft zwanghaften Identifikationen führen.

Zwei von ihnen, die solche Probleme – wenn und wo es denn solche sind – im Alltag und sogar von Berufs wegen mitdenken, stellen wir Euch heute vor.

Simone Mahrenholz, in Deutschland geboren, heute Professorin für Philosophie an der kanadischen Univ. of Manitoba
und
Ralph Stern, Architekt, geboren in den USA – nach Stationen in diversen Universitäten in Europa, u.a. der TUB und der UdK Berlin – heute ebenfalls an der Univ. of Manitoba.

Beide führen ein Doppelleben zwischen Kanada und Europa.

Moderation: Eike Gebhardt

 

Eine Wiederholung vom 10.9.21

Die Pandemie-Politik in der Kritik

Kontrapunkt | 30.07.2021

Grafik mit blauen und grünen Menschen und Text: „Covid-19 ins Verhältnis setzen“

©coronaaussoehnung.org

Zu Gast bei Wolfgang König sind in dieser Kontrapunkt-Ausgabe die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot und der Mediziner Ellis Huber. Beide gehören zu dem 16köpfigen deutsch-österreichischen Autor(inne)n-Team von „Covid-19 ins Verhältnis setzen - Alternativen zu Lockdown und Laufenlassen" (coronaaussoehnung.org). Dieses Thesenpapier plädiert für einen anderen Umgang mit der Pandemie, ohne die Krankheit und ihre Gefahren zu leugnen.

Die Liebe ist das Kind der Freiheit

Kontrapunkt | 21.05.2021

"Die Liebe ist das Kind der Freiheit" - "L'amour est enfant de Bohème"

"Er war ein sehr treuer Mann – leider zu zu vielen Frauen", soll Helene Weigel über B. Brecht geseufzt haben. Ihr Mann galt als sehr fürsorglich, beschränkte seine Zuwendung aber nicht auf eine einzige Partnerin. Er hätte auch fragen können: Was hat Treue zu einem Menschen damit zu tun, dass man sich auf ihn beschränkt?

Es ist die Kernfrage aller, die zwei sich widersprechende Träume – Liebe und Partnerschaft – in ein und derselben Person vereinen wollen. Das in allen Pop-Medien posaunte Modell behauptet einfach: Ja, das geht zusammen, schon der Begriff der Liebesheirat suggeriert, Geschäftsvertrag (ein solcher ist die Eheschließung) und Gefühle schließen sich nicht aus, aller jahrtausendealten und anderslautenden Weisheit zu Trotz. Doch das Ideal, dass beides zusammengeht, Liebe und Geschäft, ist in fast allen Kulturen völlig fremd, und auch in Europa gerade einmal rund 200 Jahre alt. Mit einem Vertrag (also zB dem Ehevertrag) will ich sicherstellen, womit ich, im Wortsinn: "rechnen" kann. Rechnen mit Gefühlen? Was also tun, wenn man – oder frau – doch beides will?

Intensive Gefühle und Berechenbarkeit (im Volksmund: Verlässlichkeit) – ist das ein Widerspruch vielleicht nur, weil wir die Gefühle unseres Partners in Ketten legen wollen, d.h. wenn er oder sie Gefühle für andere hat, nimmt er uns vom Kuchen etwas weg? Bei materiellen Gütern mag das stimmen, aber Ideen zB werden mehr, je mehr man sie teilt – vielleicht auch Gefühle? Sterben Beziehungen an Überlastung – und lässt sich das Problem durch Lastenverteiulung auf mehrere Partner lösen?

Über Gründe und Abgründe von Mehrfachbeziehungen werden uns – hoffentlich – unsere heutigen Gäste aufklären:

  • Oliver Schott, Philosoph, Autor vieler Beiträge und Blogs zum Thema - und eines Buchs mit dem Titel Lob der offenen Beziehung
  • Franziska Brychcy, Volksvertreterin im Berliner Abgeordnetenhaus (und damit wohl mauch zuständig für die öff. Ordnung), mit dem Schwerpunkt Auslandsangelegenheiten sowie Jugend und Bildung.

Moderation: Eike Gebhardt

Eine Wiederholung vom 20.07.2018

Die Europäische Union in der Corona-Krise

Kontrapunkt | 01.01.2021

Ulrike Guérot bei multicult.fm - Kontrapunkt

Wolfgang König spricht mit der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Guérot, Leiterin des Departements für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems in Österreich und Gründerin des European Democracy Lab in Berlin.

Erstsendung 24.04.2020

Kontrapunkt Special – Heilige Rituale oder hohle Formalitäten?

Kontrapunkt | 25.12.2020

Zum christlichen Weihnachten und zum jüdischen Chanukkah (-Lichter-) Fest wollen wir über die Bedeutung von Ritualen und Symbolen für die (individuelle und kollektive) kulturelle Identität debattieren – in anderen Worten: Inwieweit sind Rituale wichtig oder überhaupt nötig? Sind sie willkürliche Festlegungen, beliebig austauschbar oder überhaupt verzichtbar für die Erfahrung der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft?

Wir haben Vertreter der drei monotheistischen Religionen eingeladen: Ein Christ, eine Jüdin und eine Muslima werden zu diesen Fragen Position beziehen ihre jeweiligen Erfahrungen vergleichen:

Gregor Hohberg, Pastor der Berliner St. Marien-Gemeinde und Gründungs-Direktor des House of One, einer Institution, die zu eben diesem Zweck ins Leben gerufen wurde: Verschiedene Kulturen mit einander ins Gespräch zu bringen.

Esther Hirsch, theologische Referentinnen in eben jenem House of One und Kantorin in der Synagoge Sukkat Schalom

und

Necla Kelek, Soziologin, vielfache Autorin und eine der bekanntesten, kritischsten und kontroversesten Stimmen der Muslime in Deutschland. Ihr jüngstes Buch „Die unheilige Familie“ wirft einen mehr als nur kritischen Blick auf das patriarchale Familien-Modell im Islam.