Weltmusik

Rainforest World Music Festival 2018

Eines der größten und wichtigsten Weltmusik-Festivals der Erde findet seit zwanzig Jahren immer im Juli in einem Land statt,  wo man so ein Ereignis nicht unbedingt vermuten würde: in Malaysia, genauer gesagt im Bundestaat Sarawak auf der Insel  Borneo zwischen Indonesien und dem Sultanat Brunei.
Veranstaltungsort ist das Museumsdorf Sarawak Cultural Village nahe der Hauptstadt Kuching, wo der Regenwald auf das  Ufer des Südchinesischen Meeres trifft. Über drei Tage hinweg präsentierten sich auch in diesem Jahr wieder über hundert Musiker von allen Kontinenten auf zahlreichen Bühnen einem ebenfalls internationalen Publikum. Unser Kollege Wolfgang König hat das Festival besucht und für multicult.fm die Highlights zusammengefasst!

Peter Subway

© Peter Subway

Peter Subway singt für den Erhalt der Meeresschildkröten

Der Sänger und Songwriter Peter Subway ist ein Kreuzberger Original. Allerdings nur bis zum kalten Winter. Dann zieht er nämlich der Sonne hinterher: nach Indonesien. Das aber nicht nur, um Urlaub zu machen. Er spielt dort Musik und setzt sich für den Erhalt der Meeresschildkröten ein. Die sind zwar gesetzlich vor der Jagd geschützt. Trotzdem gilt das Fleisch in Indonesien als Delikatesse. Der Sänger, der sich durch Konzerte in der Berliner U-Bahn einen (Künstler-)Namen gemacht hat, spricht in unserem Studio über seine Projekte mit Kindern und Erwachsenen, über seine Musik und über Indonesien.

Ein Interview mit Peter Subway konntet Ihr im morgen:magazin am 26.04.18 bei uns hören.

Nahko – sozialer und politischer Wandel aus Apache-Sicht

Morgenmagazin

Tim Snider, Nahko Bear und Tove Waldemarsson (v.l.n.r.)

© multicult.fm

Nahko Bear, der nordamerikanische Sänger mit puerto-ricanischen, philippinischen und Apache-Wurzeln, verfolgt mit seiner Musik eine klare Mission. In seinen Songs sind fast alle grundlegenden Themen des sozialen und politischen Wandels verwoben. Über die Grenzen der Musik hinaus kooperiert Nahko mit Projekten, die sich für die Rechte der indigener Völker, für soziale Gerechtigkeit und für eine umweltfreundliche Energiepolitik einsetzen.

Im Interview im morgen:magazin am 24.04.18 spricht er auch über ganz persönliche Themen, wie der Tatsache, dass seine Mutter zur Prostitution gezwungen worden war. In dem Lied „So thankful", singt er: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich für Vergewaltigung bedanken würde. Aber so bin ich auf die Welt gekommen." Das Zitat ist typisch für das tief menschliche Gefühl der Akzeptanz und Vergebung in Nahkos Musik und zeugt gleichzeitig von der Kraft und Anmut dieses Musikers.

OKO

OKO - die drei ehemaligen Sängerinnen der Band Tralalka sind seit 2018 eine reine Frauenband und multikulturell par excellence. Die gebürtige Wienerin Petra Nachtmanova hat deutsch-tschechisch-polnische Wurzeln und spricht türkisch und russisch, Emma Greenfield ist eine Britin mit deutschem Pass und Moss Beynon Juckes ist eine britisch-australische Engländerin. Aus ihrer Vokalpolyphonie hört man aber nicht nur die unterschiedlichen ethnischen Wurzeln heraus, sondern auch Klänge aus halb Osteuropa. Im Bandporträt erfahren wir, welchen Unterschied es macht, eine reine Mädelsband zu sein. Die drei Sängerinnen berichten über ihre musikalische Reise vom Schwarzen Meer bis nach Koprivshtitsa, wo sich ihre Wege zum ersten Mal kreuzten.

DJ Safi – Musik vom Roten Meer

Moderatorin Jule Wolf, Sänger Kawa, DJ Safi und Chefredakteurin Brigitta Gabrin (v.l.n.r.)

Seit dem Arabischen Frühling hat sich die Musiklandschaft in Ägypten drastisch gewandelt: Junge Menschen wollen Musiker, die sie und ihre Meinung vertreten. Sie wollen Musik, die neu klingt. Sie wollen Idole, die ihnen den Weg aus den Schwierigkeiten heraus zeigen. Und sie wollen der Welt zeigen, was in ihrer musikalischen Kultur steckt.

Sie wollen Menschen durch Musik zusammenbringen – und genau das ist auch DJ Safis Ziel. In seiner neuen Sendung bringt er 2018 diese Devise zu multicult.fm. In seinen Tracks mischt er Klänge der Kulturen  aus aller Welt und lässt sie in einen gemeinsamen Sound zusammenfliessen. Safis Vision ist es, dadurch ganz neue Musikstile zu kreieren – wie wäre es zum Beispiel mit arabischem Indierock oder Dubstep mit orientalischen Einflüssen? Wenn wir uns davon begeistern lassen, so Safi, dann können wir durch Musik erkennen, dass wir im Prinzip alle gleich sind.

Musik spielt Politik - Aeham Ahmad, der Pianist in den Trümmern

© Noras Saied, Clemens Grün

Der palästinensisch-syrische Pianist Aeham Ahmad, bekannt als „der Pianist in den Trümmern“, spricht über seine Zeit im Flüchtlingslager Jarmuk, über die Lage in Syrien und wie sich sein Leben hier in Deutschland verändert hat.

1988 in Syrien geboren wuchs er als palästinensischer Flüchtling im Flüchtlingslager Jarmuk bei Damaskus auf. Seit 2015 war das Lager unter Kontrolle des IS und somit von der Außenwelt abgeschlossen. Über 100 000 Einwohner flohen aus Jarmouk, die wenigen Verbleibenden lebten komplett ohne Strom!

Während dieser Zeit komponierte Aeham Ahmad 160 Songs die seinen “eigenen Kampf gegen den Krieg und den IS“ thematisieren. Um sich vom nagenden Hunger abzulenken und den Mitbewohnern ein wenig Hoffnung zu geben, stellte er sein Klavier inmitten von Bombenkrater und Ruinen auf und spielte. Die Videos dazu gingen um die Welt.

Aeham Ahmad und sein Klavier als Waffe im Kampf gegen den IS - ein Portrait von Daniela Wüstner

Tontechnik: Assaf Tuvia

Ton Steine Scherben in Dub

© N. Lopez

Ton Steine Scherben – obwohl schon 1985 aufgelöst – bleiben eine der einflussreichsten Rockbands Deutschlands. Die Texte des verstorbenen Sängers Rio Reiser setzten Standards, an denen sich noch Generationen später von der Neuen Deutschen Welle bis hin zu Punk und Indie-Pop abarbeiten.

Jetzt ist die Kultband zurück – und zumindest auf Platte gibt es den linke Protestrock seit kurzen wieder zu hören. Allerdings klingen die Punkhelden aus den 70er/80er Jahren auf dem gerade neu erschienenen Album Ton Steine Scherben in Dub ein wenig anders, denn sie haben so etwas wie einen Genrewechsel erlebt: Felix Wolter (Dubvisionist) und Alexander Hornbach (Aldubb) warfen über Hits wie Keine Macht für Niemand oder Lass uns ein Wunder sein einen wunderbaren Dubmantel. Und obwohl Dub bekanntlich aus Reggae produziert wird, mit Ton Steine Scherben aber nur Punkrock zu haben war – ist etwas ganz Einzigartiges entstanden.

Während ihrer Promotour im August haben uns die Macher des Albums und Original-Scherbengitarrist R.P.S. Lanrue hier im multicult.fm Studio besucht und mit Mira Possert über ihre Musik und die politischen Aspekte von Ton Steine Scherben gesprochen.

Portrait Inna Modja - Musik und Frauenrechte

© (Bild rechts:) Marco Conti

Die malische Sängerin Inna Modja , zu Gast im multicult.fm Studio, spricht über ihr aktuelles Album „Motel Bamako". Geboren und aufgewachsen in der malischen Hauptstadt, kam sie mit 19 nach Paris. Bevor sie aber mit ihrer Gesangskarriere durchstartete, hat sie erst einmal als Model gearbeitet und studiert. 2011 hielt sich Inna Modja dann mit ihrem Hit „French Cancan" für mehrere Wochen lang auf Platz 1 in den französischen Charts. Nach ihren ersten beiden Pop- und Soulalben überrascht die Sängerin mit „Motel Bamako" durch einen Mix aus traditionell malischer Musik, Hip Hop und Electronic. Hier bei uns im multicult.fm Studio präsentiert sich Inna Modja von ihrer sehr politischen Seite: Sie setzt sich nicht nur für Frauen ein, die – wie sie selbst – Gewalt erfahren haben, sondern bringt mit ihrer großartige Stimme auch die politische Situation in Mali zur Sprache: Terror, Flucht, sowie die immer noch vorhandene Wasserproblematik in Afrika.

Inna Modja und ihre Stimme als wichtige Waffe im Kampf für eine bessere Welt – ein Portrait von Clemens Grün und Mira Possert.