Chadi Bahouth
Mit 12 bekam ich ihn. Endlich! Meinen ersten Radiorekorder. Das war so ein einfaches Gerät mit einem Lautsprecher und einem Tapedeck. In schwarz. Mit dezenten roten Streifen an den Kanten. Voll 80er.
Sofort musste da eine leere Kassette rein! Da saß ich dann also, als kleener Bursche am Drehknopf, mit dem Ziegefinger stets aufnahmebereit auf dem Record-Knopf. Schließlich wollte ich ja kein gutes Lied verpassen.
Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Aber das Radio hat seinen Reiz für mich immer behalten. Kaum ein anderes Medium ist so schnell, so flexibel, so nah, so echt. Du redest, interviewst, liest vor, spinnst Gedanken, spielst mit Deiner Stimme. Menschen öffnen sich in Gesprächen im Radio sehr schnell. Wenn Du gut bist, die Chemie stimmt, dann ist ein Interview im Radio faszinierend, weil es wie ein Gespräch unter zwei Unbeobachteten ist. Radio ist intensiv, es ist sehr persönlich, es lässt Raum für Phantasie, es schafft schnell Vertrauen und Nähe. Und vor allem, kaum einer hat gelernt, mit seiner Stimme zu lügen. Also musst Du nur genau hinhören und erkennst mehr als das, was offensichtlich gesagt wird. Radio ist einmalig.
Ich moderiere jeden Dienstag das morgen:magazin, die Sternstunde jeden ersten Freitag im Monat und alle vier Wochen das Politmagazin kontrapunkt.

