CD der Woche

Die multicult.fm "CD der Woche" wird montags bis donnerstags im morgen:magazin zwischen 7 und 9 Uhr von unseren MusikredakteurInnen mit einzelnen ausgewählten Songs vorgestellt. Dazu gibt es regelmäßig Fragen, für deren richtige Beantwortung unsere Hörer die CD auch gewinnen können!
 

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CD der Woche vom 20. bis zum 26. Mai 2013 | (EAN 890846001251) 2013 Cumbancha / EXIL

Kobo Town - Jumbie In The Jukebox

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Drew Gonsalves sagt, die Töne verfolgten ihn. Meist kämen sie in den unpassendsten Augenblicken und wären so zahlreich, dass er jeden Mülleimer seines Hauses mit Liedtexten füllen könnte. Was das für eine Verschwendung wäre, beweist das neuste Album des Gründers und Masterminds der kanadischen Band Kobo Town, "Jumbie in the Jukebox". Dessen Klangfarbe ist geprägt vom multikulturellen Hintergrund des Musikers: Aufgewachsen in Diego Martin auf Trinidad, emigriert er mit 13 Jahren mit seiner Mutter nach Toronto. Hier wünscht sich der Multiinstrumentalist seine erste Gitarre, auch um den jugendlichen Frust musizierend verarbeiten zu können.

Die musikalischen Wurzeln seiner Heimat lassen ihn auch in der neuen Umgebung nicht los und so zeigt er sich tief bewegt, als sein Vater ihn mit 18 Jahren das erste Mal in ein Calypso-Zelt mitnimmt, wo die Calypsonians früher für den Karneval probten und sich vorbereiteten. Von da an beginnt Gonsalves, eigene Musik zu schreiben, die den klassischen Calypso mischt mit dem Vokabular seiner Zeit und Umgebung. Zusammen mit dem kongenialen Produzenten Ivan Duran ist dabei eine Platte entstanden, die zwar stark auf folkloristische Elemente setzt, diese aber mit Dancehall, Ska, Reggae und originellen Lyrics verwebt. So lässt Kobo Town den Calypso wiederauferstehen und definiert ihn gleichzeitig für das neue Jahrtausend neu.

Drew Gonsalves selbst sagt, dass er Schönes und Kraftvolles aufnehmen wolle, weil das etwas wäre, was über Grenzen hinweg Resonanz fände. Musik könne und solle Brücken schlagen. Genau das hat er zusammen mit einer stattlichen Musikercrew auf dem vorliegenden Album eindrucksvoll bewiesen. Und das ist noch dazu ein geradezu ideales, wohltuendes musikalisches Katerfrühstück für all diejenigen, die sich am vergangenen Wochenende beim Berliner Karneval der Kulturen vergnügt haben... Im Juni kommt Kobo Town für ein paar wenige Termine über den Großen Teich nach Europa, darunter auch für bislang ein einziges Deutschlandkonzert (14.6. Erlangen).

(Autor: Patrick Suhm)

Kobo Town im Internet: homepage | facebook

CD der Woche vom 13. bis zum 19. Mai 2013 | (EAN 4260085872077) 2013 Motor Entertainment / Edel

Dirty Honkers - Superskrunk

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Die Hauptstadt des Elektro swingt beherzt in den Sommer. Und wer beim Karneval der Kulturen einmal hinter dem Elektroswing-Wagen hinterhergetanzt ist, der weiß, dass die Symbiose aus Jazz und elektronischer Tanzmusik gerade zur warmen Jahreszeit besondere Glücksgefühle beschert. Das werden sich auch die Dirty Honkers gedacht haben, als sie kürzlich ihr neues Album, der insgesamt zweite Longplayer, "Superskrunk" veröffentlichten.

Schon die internationale Zusammenstellung der Berliner Band beweist, dass das Swing-Feeling in vielen Kulturen sein Zuhause hat: Gegründet von Hip-Hop-Produzenten Gad Hinkis aus Israel und den zwei Saxophonisten Andrea Roberts aus Kanada und Florent Mannant aus Frankreich, versammelt sie immer wieder Gastmusiker um sich herum. Die Trompete der aktuellen Platte etwa kommt aus Kuba, die Posaune aus England und einige Percussions aus Brasilien. Diese Vielfalt spiegelt sich denn auch in der Klangfarbe von Superskrunk aus, wo sich zwischen den klassischen Swing-Einflüssen auch Boogie, Afro und Latin wiederfinden lassen. Im Zusammenspiel mit Big-Band-Arrangements und dem charakteristisch dreckigen Sound entsteht so eine äußerst tanzbare Elektroswing-Platte, die einmal mehr beweist, wie fruchtbar und bereichernd das Zusammenspiel unterschiedlicher musikalischer Wurzeln sein kann.

In den kommenden Wochen ist die Band in verschiedenen Ecken Deutschlands sowie in Frankreich live zu erleben. Die nächsten Berliner Gelegenheiten sind ihr Auftritt beim Karneval der Kulturen, sowie ein Tag zuvor, am 19. Mai, im Club Kater Holzig.

(Autor: Patrick Suhm)

Dirty Honkers im Internet: homepage

CD der Woche vom 06. bis zum 12. Mai 2013 | (EAN 3700426918091) 2011 Diskograph / Harmonia Mundi

Flavia Coelho - Bossa Muffin

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Ja, langsam ist Musik wie diese fällig. Jetzt, wo wir aus einem großzügigen Winterschlaf just erwacht und fast direkt in den Sommer hineingeplumpst sind, kommt dieses Debütalbum der Brasilianerin Flavia Coelho gerade recht. Die aus Rio stammende, seit 2006 in Paris lebende, auf diese Stadt und ihre vitale Musikszene schwörende Sängerin liefert eine herzerfrischende, sehr organisch klingende Melange aus Reggae und Raggamuffin, Samba und Bossa - dieser allerdings in kleinerer Dosis, als es der CD-Titel nahelegt - eine Portion Afrobeat, Flamenco oder Rumba Catalana. Bisweilen blitzt der Esprit eines Manu Chao durch in den lässigeren, minimalistischer gestalteten Reggae-Nummern. Auch in den Texten und Botschaften scheint die junge Frau mit der üppigen Lockenmähne dem ebenfalls aus Paris stammenden Chao gar nicht so unähnlich. Nur eben aus weiblicher und brasilianischer Perspektive beschreibt die SingerSongwriterin mit ihrem warmherzigen, vielfarbigen und auch durchaus kecken Gesang auf Portugiesisch, Spanisch oder Französisch Selbsterlebtes, Gefühlvolles bzw. Sozialkritisches aus ihren beiden Lebenswelten - ihrer neuen und ihrer alten Heimat.

Ein "Reisetagebuch" nennt Coelho ihr Album selber, das sie mit Hilfe guter Pariser Musikerfreunde, vorneweg dem Produzenten und Musiker Victor Vagh austüftelte und aufnahm. Nach seinem Erscheinen in Frankreich landet es nun auf dem hiesigen Markt in einer um ein paar Bonustracks erweiterten Edition. Somit liegt uns eine üppige Sammlung von 18 zumeist beschwingteren, hier und da auch mal zurückgelehnteren Songs vor, mit der sich jede Tanzparty mühelos bestreiten lässt. Und selbst für die kleinen und großen Kinder unter uns hat die sympathische Brasilianerin ein Lied parat: "Decide" kommt, abgesehen von seiner expliziten Botschaft, dass jedes Kind auf der Welt ein unbedingtes Recht aufs Glücklichsein hat, wie ein kleiner heiterer intonierter Abzählreim daher.

Wer Flavia Coelho live erleben möchte, kann dies derzeit nur während eines Frankreichurlaubs tun. Im Juli gibt es dann ein paar Termine in Süddeutschland.

(Autorin: Katrin Wilke)

Flavia Coelho im Internet: facebook | myspace

CD der Woche vom 29. April bis zum 05. Mai 2013 | (EAN 4260126060937) 2013 Analog Africa

Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou Vol. 3

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Afrikas musikalische Großmächte, das sind Mali, Senegal, Nigeria, der Kongo und Südafrika. Darüber gerät viel zu leicht in Vergessenheit, dass auch andere Länder interessante Klänge hervorgebracht haben, die völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Zu den verdienstvollen Wiederentdeckern musikalischer Schätze Afrikas gehört Samy Ben Redjeb aus Frankfurt am Main, dessen Label Analog Africa sich der Wiederveröffentlichung afrikanischer Musik aus dem vordigitalen Zeitalter widmet. Schon zum dritten Mal hat Analog Africa jetzt eine CD mit Material vom Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou veröffentlicht, das von 1969 bis 1983 existierte, bevor es sich vor ein paar Jahren erneut gründete, und das die Musikszene der relativ kleinen Republik Benin prägte wie kaum eine andere Band.

Natürlich war das Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou von Highlife aus Afrobeat aus dem viel größeren Nachbarland Nigeria beeinflusst, aber die Musiker aus Benins Wirtschaftsmetropole Cotonou entwickelten schnell ihren eigenene Stil mit Elementen aus psychedelischer Rockmusik und der eigenen Tradition. Während der Jahre von 1969 bis 1983 produzierte die Band über 500 Songs, die auf diversen Vinyl-Scheiben und Kassetten veröffentlicht wurden. Die 14 Titel der neuen CD sind jetzt zum ersten Mal außerhalb Afrikas erschienen und wurden zumeist nicht im Studio aufgenommen, sondern mit einem eigentlich für Radio-Reporter entwickelten Tonbandgerät in privaten Häusern und Gärten, meistens nachts, um eventuelle Störgeräusche zum minmieren. Das gibt den Songs eine ganz eigene Akustik. Das Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou war Benins erfolgreichste Band - bis die Musiker 1982 an einem Festival in Tripolis teilnahmen. Die libyschen Zöllner, die den Künstlern unterstellt hatten Alkohol ins Land zu schmuggeln, aber keinen fanden, zerstörten aus Frust darüber fast das komplette Instrumentarium der Gruppe. Und zu Hause in Benin wurde nicht nur die wirtschaftliche Situation schwieriger, sondern auch die politische. Ausgangs-Sperren und die Vorschrift, dass Konzerte zweimal pro Abend für staatliche Nachrichten unterbrochen werden mussten, zerstörten das Nachtleben, so dass es für Musiker immer weniger zu tun gab.

Vor 6 Jahren gab es ein Revival der Band und 2011 sogar eine CD-Produktion. Aber im letzten Dezember starb der Gründer vom Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou, der Saxofonist Melome Clement. Ihm ist die neue Veröffentlichung von Analog Africa gewidmet.

(Autor: Wolfgang König)

Orchester Poly-Rythmo de Cotonou im Internet: Label-Homepage

CD der Woche vom 22. bis zum 28. April 2013 | (EAN 8426946906275) 2012 Chesapik

Las Migas - Nosostras Somos

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Nicht alles, was aus der mythischen Musikmetropole Barcelona kommt, klingt nach Manu Chao und all diesen fröhlichen, stilmixenden Mestizo-Jungs und -Mädels. Nicht minder heiter, aber z.B. durch die Nähe zum Flamenco durchaus auch mit seelenvollem Tiefgang geht es bei Las Migas zu, einem 2004 gegründeten Frauenquartett, das nach einigem Umbesetzungen mittlerweile aus zwei Katalaninnen, einer Andalusierin und einer Französin besteht. Die so charmanten wie hübschen Musikerinnen - das sei an dieser Stelle mal freundlichst angemerkt - tranken auf ihrem Entwicklungsweg an den Quellen von Béla Bartók und anderer Klassik genauso wie an denen des Pop, Jazz, Tango oder der Bossa Nova. Entsprechend reichhaltig und atmosphärisch vielfarbig sind ihre teils selbst komponierten, teils entlehnten Lieder, die allesamt die gemeinsame Liebe der drei Instrumentalistinnen (zwei Gitarristinnen, eine Geigerin) und der einen Sängerin zum Flamenco verraten. Auf diese musikalische Verehrung spielt - wie sie selber sagen - unter anderem auch der Bandname an: "Wir sind 'die Krümel' (Las Migas) von dem Brot, welches der Flamenco ist. 'Migas' heißt auch ein in ganz Spanien verbreitetes Gericht, ursprünglich ein Armeleuteessen, das je nach Region ziemlich deftig ist."

Angenehm kalorienarm und überaus appetitlich ist die musikalische, stark mediterrane Rezeptur der Band. Nach dem für viel Begeisterung sorgenden Debütalbum "Reinas del Matute" (Nuevos Medios 2010) und allerlei Bewegung in der Band, z.B. dem Weggang der Sängerin Sílvia Pérez Cruz und dem mutigen Entschluss, mit einer anderen Sängerin weiterzumachen, der deutlich stärker dem Flamenco zugewandten Alba Carmona, liegt nun dieser nicht minder verheißungsvolle Nachfolger vor. Sein Titel "Wir sind" klingt zu Recht selbstbewusst, enthält mit dem "Nosotras" eine unübersetzbare weibliche "Wir"-Note. In gute männliche Hände begab man sich dafür mit der Aufnahme des zweiten Albums: in ein Madrider Studio mit dem musikalisch sehr versierten und sensiblen Multiinstrumentalisten und Musikforschers Raúl Rodríguez, der selber stark zwischen den Welten des Flamenco und z.B. der kubanischen Musik bewegt. Als Produzent und Arrangeur konnte er gemeinsam mit seinen Musikerfreundinnen entsprechend klingende Duftmarken setzen. Unter den behutsameren, getrageneren Liedern auf "Nosotras somos" ragt "Con toda palabra" heraus - eine sehr zu Herzen gehende Hommage an die Sängerin Lhasa de Sela, von der dieses Stück ursprünglich stammt.

Noch ist dieses Album nicht offiziell in Deutschland erschienen, auch genießen Las Migas als Liveband hierzulande leider bislang Seltenheitswert. Da die vier Musikerinnen jedoch nun bereits zum zweiten Mal dank des spanischen Instituto Cervantes Berlin und dessen Musikreihe "Sketches of Spain" unsere Stadt beehren, am 25. April im Jazzclub b-flat, kredenzen wir aus diesem Anlass ihr Album gerne auf dem Plattenteller unserer aktuellen CD der Woche.

(Autorin: Katrin Wilke)

CD der Woche vom 15. bis zum 21. April 2013 | (EAN 60253719025) 2013 Wrasse Records

Salif Keita - Talé

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Sollte dies wirklich das allerletzte Album sein, dass uns der malische SingerSongwriter da beschert, dann könnte es womöglich ein schwerer Abschied werden. Diesen möglichen Abschied hat der nunmehr 63-jährige zumindest in einem Interview angedeutet. Ein schwerer Abschied, weil Keïta hier nochmal zeigt, wie elegant und angenehm modern und dennoch traditionsverbunden Afropop klingen kann - selbst aus der Feder und der Kehle eines Mannes im Rentenalter, dem als Patriarch der Respekt sicher, aber auch nach wie vor der Esprit eines jungen Rebellen eigen ist.

Die musikalisch raffinierte, dabei doch klar und ganz und gar unforciert anmutende Einbeziehung elektronischer Spielarten oder etwa des Londoner Rappers Roots Manuva ("C'est bon, c'est bon") geht allerdings auch auf das Konto eines weltweit bekannten, alten Hasen dieser Materie. Als Gotan-Project-Ziehvater Philippe Cohen Solal, der sich selbst als eher Unkundiger der afrikanischen Musik beschreibt, den Kollegen 2011 kennenlernte, da beschwor der Westafrikaner ihn: "Ich will nur, dass es tanzt!".

Und das tut es ganz eindeutig im Gros der elf Songs. Selbst die zurückgelehnteren grooven, versprühen  ihre ganz gewisse, spirituelle Kraft. Futuristisch und gleichermaßen irdisch, erdverbunden klingt dieses von dem Franzosen produzierte Album, der auch Ko-Komponist der Songs ist. Zu einer starken Crew afrikanischer und französischer Musiker, die einen gut aberundeten, von der Mandinka-Tradition getränkten Sound schaffen, gesellten sich in einzelnen Tracks einige, teils illustre Gäste, wie der Saxofonist Manu Dibango hinzu.

Der Vokalakrobat Bobby McFerrin ("Simby") wie auch die Jazzbassistin und Sängerin Esperanza Spalding ("Chérie s'en va") teilen sich mit dem stets irgendwie wehmütig, rau klingenden Keïta das Gesangsmikro. Besonders berührend ist das vor zärtlicher Liebe nur so strotzende, gut dancefloor-taugliche Duett mit der jüngsten Tochter Natty ("Natty"), die wie ihr Vater an Albinismus erkrankt ist. Wenn der afrikanische Superstar, der es nicht zuletzt durch seine Krankheit oft nicht leicht hatte, also mit "Talé" seine um die 20 Alben umfassende Diskografie beschließen sollte, wird er damit in bester Erinnerung bleiben.

Mit den Live-Aktivitäten ist aber definitiv nicht Schluss, die Liste der Talé-Tourdaten ist lang und bislang ein Deutschlandtermin, am 30. Mai beim 25. Würzburger Africa Festival gewiss. Das Singen hätte sein Leben definitv geändert, gerade deshalb, dank der Musik sei er wohl auch noch am Leben, so bekundet der Musiker.

(Autorin: Katrin Wilke)

Salif Keita im Internet: homepage

CD der Woche vom 08. bis zum 14. April 2013 | (EAN 4047179747721 ) 2013 Asphalt Tango

Koby Israelite - Blues from Elsewhere

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Auf dem CD-Cover hängt an einem Baum eine Quetschkommode, eine Slidegitarre liegt ihm zu Füßen, an den Wurzeln. Eigentlich müssten sich die Äste nur so biegen unter weiteren Saiteninstrumenten wie E-Bass, Banjo , Mandoline und Bouzouki, unter Klarinette, Saxofonen und diversen Tasteninstrumenten - also all dem, was Koby Israelite sonst noch so spielt. Auch auf seinem ersten Album beim Berliner Label Asphalt Tango, dem insgesamt achten unter eigenem Namen. Und dieser weist zu Recht auf die Herkunft des seinem Heimatland durchaus kritisch gegenüberstehenden Multiinstrumentalisten und Gelegenheitssängers hin, ist sein wirklicher, nicht etwa ein Künstlername. In Tel-Aviv geboren, kam der ungestüme Wuschelkopf schon vor etlichen Jahren nach London - maßgeblicher Ausgangsort seiner musikalischen Karriere und Umtriebigkeit.

Und die lässt kaum die Vorstellung zu, das der Israeli als Kind eher unwillig loslegte, lieber Fußballspieler als Musiker werden wollte. Doch es sollte besser, ja ultimativ leidenschaftlich werden, als er vom frühen Klavierspiel mit 15 ans Schlagzeug geriet. Dies hätte sein Leben geändert, versicherte der heute 46-jährige in einem Interview. Doch es sollte, wie gesagt, längst nicht bei diesem Instrument bleiben. Die Liebe zur Musik zur rumänischen Band Taraf de Haïdouks etwa bewegte ihn zum Erlernen des Akkoredeons. So könnte Koby Israelite eigentlich seine sehr eigenwillig und sympathisch unberechenbar zwischen Rock, teils brachialem Hardrock, Bluegass, Jazz und Balkaneinflüssen treibenden, komplexen Klangwerke gut und gerne alleine einspielen. Doch umgibt sich der Wahl-Londoner stets und auch diesmal im Aufnahmestudio mit etlichen Musikerfreunden.

Für die Vokalstücke - die Minderheit innerhalb seines eher instrumental ausgerichteten Werkes - konnten zwei überaus interessante Sängerinnen gewonnen werden: Neben der Britin Annique, die mit ihren zwei Gastauftritten Lust auf mehr macht, auch Israelite's Landsfrau Mor Karbasi, die u.a. eine hervorragende Interpretin sephardischer Musik ist. Das von ihr intonierte, eher zurückgelehnte Stück veredelt der Armenier Tigran Aleksanyan mit seinem exzellenten Spiel der Duduk und der Klarinette. Der Mann, der vorne auf dem Cover neben dem Baum hockt, fliegt im CD-Inlet mit einem rotem Schirm hinauf in die Lüfte. Eine schöne Metapher für diesen kaum zu fassenden. atmosphärisch und stilistisch vielgestaltigen "Blues von anderswo", den Koby Israelite hier wie auch auf den vorigen Alben zelebriert.

Jene waren übrigens allesamt beim Label des New Yorker Enfant terrible und Klezmer-Jazz-Avantgardisten John Zorn erschienen: Israelite's wichtigster Mentor und großes Vorbild - nicht nur, was die musikalische Freiheit und Neugierde angeht, sondern auch eine ganz allgemeine Offenheit. Willkommen, Koby, nun also - zumindest label-technisch - in Berlin! Live werden wir hier dagegen noch etwas auf den Musiker warten müssen.

(Autorin: Katrin Wilke)

Koby Israelite im Internet: homepage

CD der Woche vom 02. bis zum 07. April 2013 | (EAN 804071009487) 2013 Do Fol / Galileo MC

Various - Cantigas De Mulleres

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Die musikalische Frauenpower Galiciens ist so stark, dass man ihr mit Fug und Recht ein ganzes Album widmet. Schon historisch machten dort, im nordwestlichen Zipfel Spaniens, die Damen lautstark von sich hören. Die sogenannten Pandeireteiras, die Tamburin spielenden Sängerinnen schufen eine bis heute ihresgleichen suchende Musiktradition, aus der auch viele der hier vorgestellten 17 Musikerinnen bzw. Ensembles auf ihre eigene, zeitgenössische Art schöpfen. Es sind Sängerinnen aber auch Instrumentalistinnen, Komponistinnen oder Bandleader, Feldforscherinnen und Musiklehrende, die in der aktuellen Neofolk-, Pop- und Jazzszene Galiciens oder gar Spaniens die Nase vorn haben: Neben der Schlüsselfigur Uxía, die auch überaus aktiv ist in der Vermittlung und Zusammenführung diverser lusophoner/-philer Musikkulturen, deren Kollegin Guadi Galego, die vor ihrer Solokarriere Musikgeschichte mit der auch hier bekannten Band Berrogüetto schrieb.

Leider hier so gut wie unbekannt - und dies völlig zu Unrecht - ist die sehr charmant Jazz und Folk kombinierende Band Marful und ihre charismatische Frontfrau Ugia Pedreira. Einen wichtigen Außenposten hat die galicische Musik in Belgien, mit dem Frauenquintett Ialma, welches die besagte Tradition der Pandeireteiras recht erfolgreich seit Jahren von Brüssel aus ins musikalische Hier und Heute übersetzt. Eine sehr eigenwillige, elektrifizierte Folk-Vision entwickelt seit etlichen Jahren die singende Multiinstrumentalistin Mercedes Péon, die natürlich auch nicht bei dieser stattlichen Frauenversammlung unserer CD der Woche fehlen darf. Und wer Lust auf mehr Musik der jeweiligen Musikerinnen bekommen hat, wird die einzelnen Alben der Künstlerinnen zumeist dank dem Label Galileo MC auch in den hiesigen Plattenläden finden können.

Viele der Galicierinnen werden auch bei der übernächsten WOMEX zugegen bzw. live zu erleben sein. Diese wichtigste Weltmusikmesse findet dann, 2014, nämlich in Santiago de Compostela statt.

(Autorin: Katrin Wilke)

CD der Woche vom 25. bis zum 31. März 2013 | (EAN 4047179729529) 2013 our here records

Bassekou Kouyate - Jama Ko

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"Jama Ko" bezeichnet in Bassékou Kouyátes Muttersprache Bámbara eine große Versammlung. Und als eine solche stellt sich Bassekou Kouyate seine Heimat Mali vor, ungeachtet der gegenwärtigen Probleme. Denn die Malier an sich sind ein freundliches und friedliebendes Volk, dass zwar in der großen Mehrheit muslimisch ist, aber bis auf wenige Ausnahmen mit den überwiegend ausländischen Islamisten nichts zu tun haben will. Schließlich ist gerade der westafrikanische Islam für seine Toleranz bekannt. In Jama Ko, dem Titelsong seiner neuen CD, und weiteren Liedern plädiert Bassekou Kouyate denn auch für das friedliche Zusammenleben von Moslems, Christen und allen anderen. Ansonsten beschäftigt er sich zum großen Teil mit heroischen Episoden aus der langen Geschichte seiner Heimat, die nachweislich bis ins frühe Mittelalter zurückreicht und immer wieder große Feldherren und berühmte Gelehrte hervorgebracht hat.

Bassékou Kouyátes spielt die Ngoni, ein uraltes Zupf-Instrument, das, ähnlich der Geige, in verschiedenen Größen vorkommt: von der kleinen Solo-Ngoni bis zum großen Bass-Instrument. Als erster hat Bassékou Kouyáte eine fast ausschließlich aus Ngonis bestehen Band (Ngoni Ba) zusammengestellt, deren Mitglieder alle zu seiner Familie gehören. Nicht zuletzt dadurch hat er sich eine respektierte Stellung in Malis Musikszene erarbeitet.

(Autor: Wolfgang König)

Bassekou Koujate im Internet: homepage

CD der Woche vom 18. bis zum 24. März 2013 | (EAN 4260130540296) 2013 Agogo Records

Mop Mop - Isle of Magic

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Hinter dem Künstlernamen Mop Mop verbirgt sich der aus dem für seinen Wein berühmten, unweit der italienischen Adriaküste gelegenen Cesena stammende und mittlerweile in Berlin lebende 36jährige Gitarrist, Schlagzeuger, Komponist, DJ und Produzent Andrea Benini. Mop Mops "Kiss of Cali", 2008 erschienen, war, 15 Jahre nach Jazzmatazz, kaum weniger als eine von der italienischen Postmoderne inspirierte Neuerfindung des Dancefloor-Jazz. Auf Mop Mops von klassischer italienischer Filmmusik inspiriertes Album "The 11th Pill" (2010) wurde sogar Woody Allen aufmerksam und verwendete einen Song ("Three Times Bossa") für den Soundtrack zu seinem neuesten Kinohit "To Rome With Love".

"Isle of Magic" widmet sich einmal mehr der Erschließung und Neuinterpretation klassischer musikalischer Genres. Dazu braucht es, neben dem gebotenen Respekt für die Urväter dieser Genres, viel Liebe zum Detail und dem ausgeprägten Sinn für einen frischen Sound, schon einen Produzenten vom Format eines der hellsten und kreativsten Köpfe der gegenwärtigen Szene. Über 13 Stücke hinweg werden Voodoo-Jazz mit Funk, Soul und Rhythmen aus Afrobeat, Latin und Exotika zu einem raffinierten Klangkosmos veredelt. Die "Insel der Magie" ist ein imaginärer Ort, dessen Lebensrhythmus tagsüber vom Fischen, dem Zubereiten und gemeinsamem Genuß kulinarischer Köstlichkeiten bestimmt wird. Nachts geben sich die Bewohner Voodoo-Ritualen hin.

Mehr als 15 Musikerinnen und Musiker waren an der Entstehung des Albums beteiligt, allen voran die lebende Legende Fred Wesley an der Posaune, die gemeinsam mit James Brown, Parliament, den JB Horns und Maceo Parker die Entwicklung des Funks seit Jahrzehnten prägt. Außerdem zu hören sind der in Trinidad geborene Londoner Sänger und Polit-Poet Anthony Joseph, die finnisch-ägyptische Sängerin Sara Sayed, der Berliner Jazzmusiker Johannes Schleiermacher am Bariton-Saxofon, Lorenzo Ternelli und Salvatore Lauriola am Bass und Mop Mops Stammkräfte: Alex Trebo als Pianist und Co-Arrangeur, Pasquale Mirra an Vibrafon und Marimba, Guglielmo Pagnozzi an Flöte und Klarinette und Danilo Mineo an der Perkussion.

Der fast physisch spürbare warme Klang entspringt der Tatsache, dass mit analoger Vintage-Ausrüstung aufgenommen wurde. Das Ergebnis ist ein eingängiger, hypnotischer Jazz, der uns auf denkbar schöpferischste Weise in ein exotisches Land entführt, irgendwo zwischen Westafrika, Südsee, Karibik und den Ufern des Mississippi, um dann unvermittelt an der Londoner East End oder am Kreuzberger Landwehrkanal aufzutauchen, die Energie urbaner Schmelztigel aufzusaugen und diese in einen unvergleichlich eigenständigen, zeitgemäßen Sound zu verwandeln.

(Autor: Clemens Grün)

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CD der Woche vom 11. bis zum 17. März 2013 | (EAN 0673790029096) 2012 Afrojam Music

Layori - Rebirth

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Layori ist eine junge nigerianische Sängerin, die mit vier versierten Jazzmusikern in München ihr Debutalbum aufgenommen hat. Die zwölf melancholischen, fast komplett akustisch vorgetragenen Songs des Albums sind ruhig, eingängig, vielschichtig und berührend. Der Song "Dada" ist bereits von einem 2010 veröffentlichten Video bekannt, das - spektakulär mit elegantem, wehendem roten Gewand an einem Flußlauf, einer Oase und im gleißenden Sonnenlicht der Sahara fotografiert - zu einem veritablen Youtube-Hit avancierte.

Ihren Künstlernamen leitet Layori aus einer leicht verkürzten Form ihres Nachnamens ab. Er bedeutet: "Gerettet durch Anmut", aber auch: "die eine, die es geschafft hat". Mit "Rebirth" durfte Layori die freudige Aufregung einer Geburt gleich im doppelten Sinne erleben, denn während der Aufnahmen zum Album war sie schwanger mit ihrer Tochter Mayowa, die nicht nur im gleichnamigen ersten Song des Albums gegenwärtig ist. Das ganze Album ist beseelt von der Intensität und Inspiration durch das werdende Leben und Texten, die unseren inneren Zusammenhalt mit der Welt ausloten.

"Pelu ayo la ma de ibi tan'lo" - "Freude" singt Layori in "Dada", wie die meisten Songs in ihrer Muttersprache Yoruba, "sollte uns auf all unseren Wegen begleiten". In "Owun Mi" dankt Layori ihrem Schöpfer für ihre besondere Gabe des Singens, in "Iwa Lewa" huldigt sie dem Schöpfer in uns selbst. "Igbagbe" ist ein Pladoyer dafür, nicht in Gedanken zu versinken und so "die wichtigen Momente in unserem Leben zu verpassen", und "Que vida" greift wieder das Motiv der Dankbarkeit auf, gesungen auf Portugiesisch, der Sprache von Layoris "zweiter Heimat ihres Herzens", weil sich dort "Europa und Afrika am nächsten kommen".

Musikalisch steht "Rebirth" in der Tradition von Cool und Vocal Jazz, Reggae, Soul, Blues, Bossa und Popballade. Die leichtfüßigen, minimalistischen Arrangements kommen ohne Schlagzeug aus, den Rhythmus bestimmen Gitarre, Kontrabass und Cajon, Saxophon und Querflöte umschmeicheln harmonisch die so sanfte wie eindringliche Altstimme der Sängerin, die als vollwertiges Instrument neben den anderen steht und Vergleiche mit Ikonen des Afro-Pop wie Tracy Chapman, Asa oder Sade nicht zu scheuen braucht.

Es ist dies eine zeitlose, universale Musik, die den Lebensweg einer Künstlerin widerspiegelt, die als Tochter einer Christin und eines muslimischen Geschäftsmannes in Lagos, New York und London aufgewachsen ist und später in Kanada, Portugal und Deutschland gelebt hat. Genauso kosmopolitisch wie die Künstlerin ist auch die Zusammensetzung ihrer Band: Cajonist Humphrey Cairo stammt aus Aruba, Saxophonist und Flötist Alberto Barreira aus Brasilien, Gitarrist Adrian Reiter, der die Songs mit Layori komponiert und arrangiert hat, aus Deutschland. Der deutsch-amerikanische Bassist Rocky Knauer wiederum hat jahrelang mit Chet Baker zusammengearbeitet und geht auch schon mal mit Helge Schneider auf Tour.

Mit kurzen Übersetzungen ihrer Texte im Begleitheft möchte Layori die Sprachbarriere überbrücken. Verständlichkeit ist ihr wichtig, auf allen Ebenen. Sie wünscht sich, dass die "Musik auf diesem Album für alle zugänglich ist. Ich habe die Worte meiner Sprache sehr sorgfältig ausgewählt, manche Worte habe ich bewusst immer wiederholt. Ich wollte, dass die Menschen - selbst wenn sie die Worte nicht verstehen - trotzdem mitsingen können."

Layori tritt am 20. März im Waschhaus Potsdam auf und am 21. März im Rahmen des Jazzfrühlings im Schauspielhaus Neubrandenburg.

(Autor: Clemens Grün)

Layori im Internet: homepage

CD der Woche vom 18. bis zum 24. Februar 2013 | (EAN 4260130540272) 2013 Agogo

Savages y Suefo - Worldstyle

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Unmittelbar nach dem Drücken der Play-Taste schaltet dieses Debütalbum von Savages y Suefo die Synapsen auf Gleichstrom und es stellt sich ein lässiges Kopfnicken ein. Beim Suchen nach der richtigen Schublade für diese Musik greift man wild hin und her und weiß nicht, wo man es einordnen soll: Downtempo? Breaks? Jazz? Doch Hip-Hop? Oder Dub? Gar Electro Swing? Vielleicht sogar etwas Reggae? Plötzlich Tango? Doch bestimmt jede erdenkliche Art von Multikulti-Folk? Was das DJ-Duo da auf die Beine gestellt hat, lässt sich in der Tat schwer zuordnen. Eklektizismus als Kunstform ist eben auch in der tanzbaren Unterhaltungsmusik State of the Art und das zeigen die zwei Budapester Soundtüftler, indem sie funky Saxophon-Tunes mit Synthesizer-Gepiepe verknüpfen, Swing-Elemente hochpitchen und mit Run DMC's weltberühmten Vocal "Check this out" wild verknoten und indem sie osteuropäischen Zirkus mit südamerikanischen Karneval mischen ohne albern zu werden.

Diesen klangakustischen Spagat verdanken die zwei DJ's ihren Erfahrungen bei Auftritten in der Budapester Szene aber auch EP-Veröffentlichungen vorab. Außerdem verdanken namhafte Bands und Musiker wie Dela Dap, Dunkelbunt, Max Pashm, Rube, Kid Loco, re:jazz, Watcha Clan oder Danilo Venturi ihnen ausgeklügelte Remixarbeiten. Savages hat bereits im Jahre 2008 ein Solo-Album namens Five Finger Discount auf Chameleon Records veröffentlicht. Und noch im selben Jahr traf er auf Suefo, den Produzenten von Vono Box, der seinerseits auch schon verantwortlich für viele Remixaufträge bekannter Musiker war, darunter Erik Sumo, Flevans, Eastenders, Orient Expressions, Dusty, Jon Kennedy und The Qualitons.

Seither arbeiten die beiden zusammen, als DJ's und als Produzenten ihrer Projekte Savages y Suefo und Sannan. Für das Album Worldsyle bekamen die Beiden Hilfe von Musikern und Sängern wie dem fidelen und immer fröhlichen MC Guacho in den Songs "Our World Our Style" und "En La Orilla Del Danuvio" oder von Judy Jay, welche in "Ballroom Breakers" singt oder Maszkura aus Transsilvanien, welcher das Akkordeon in "Tequila Man" und "An-Nil Al-Azraq" spielt, sowie von Gábos Barna, der in den Stücken "Tequila Man" und "Barna" singt, sowie Kaval und Talking-Drums spielt.

(Autor: Nellski)

Savages y Suefo im Internet: homepage | myspace

Savages y Suefo feiern ihre Record Release in Berlin innerhalb der Electro-Swing-Revolution-Party am Donnerstag, den 21. Februar, im Frannz Club.

CD der Woche vom 11. bis zum 17. Februar 2013 | (EAN 3770003260011) 2013 Tam! Turn Again Music

Gnawa Diffusion - Shock El Hal

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Nachdem die Fans dieser franko-maghrebinischen, v.a. algerisch verwurzelten Band schon seit Jahren mit den Füßen gescharrt hatten, sendet diese nun neue Lebenszeichen in Form eines Albums und von Konzerten (z.B. im vergangenen Sommer beim "Wassermusik"-Festival im Berliner Haus der Kulturen der Welt). Mit "Shock El Hal" gedenken die Gnawa-Rebellen zum einen des Arabischen Frühlings und zum anderen ihres eigenen 20. Geburtstages. Sie machen sich allerdings etwas älter, bedenkt man die ca. fünfjährige Pause, aus der sie sich nun mit wahrlich frischen, energiegeladenen Sounds zurückmelden.

1992 trommelte der Sänger und Gimbri-Spieler Amazigh Kateb, Sohn des renommierten algerischen Autoren und Poeten Kateb Yacine, im südostfranzösischen Grenoble ein paar Musikfreunde zusammen. Man machte sich daran, die insbesondere in Marokko, aber auch in Algerien kultivierten Gnawa-Rhythmen und -Gesänge sowie weitere heimische Musiktraditionen, etwa Châabi und Raϊ, mit Reggae, Ragga und Rock raffiniert und peppig klingend zu verkuppeln.

Was ab einem gewissen Moment etwas eintönig und ausgereizt schien, hat in der neuerlichen Wiedervereinigung der aktuell acht bis zehn Musiker ganz offenkundig und gut hörbar zu neuen kreativen und spirituellen Kräften gefunden. Die 13, allesamt vom Master Mind Amazigh komponierten neuen Songs lassen musikalisch bisweilen an die Pariser Seelenverwandten vom Orchestre National de Barbès (unsere CD der Woche vom 20. bis 27. August 2012) denken. Mal neigen sich die Berber-Grooves stärker gen Funk, Jazz, HipHop und Scratching, erweisen sich als ideal für so ziemliche jede klangliche Liaison. Und während man zu einem der gut tanzbaren Lieder schwoft oder bei den vereinzelten zurückgelehnteren Balladen ins Schwelgen gerät, sinniert Amazigh singend über nichts Geringeres als die Konflikte und Seelennöte maghrebinischer Emigranten, die Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat.

(Autorin: Katrin Wilke)

Gnawa Diffusion im Internet: facebook | myspace

CD der Woche vom 04. bis zum 10. Februar 2013 | (EAN 5052442001911) 2012 The Nest Collective

Sam Lee - Ground Of Its Own

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Solange dieses 2013 noch blutjung ist, gilt es eine besondere CD-Veröffentlichung des gerade zu Ende gegangenen Jahres zu feiern. Zudem handelt es sich dabei um einen Musiker, der für das Gros der multicult.fm-Crew das absolute Highlight bei der letzten Weltmusikmesse WOMEX, im Oktober in Thessaloniki (wir berichteten) war und in den europäischen Weltmusik-Charts im Dezember aus dem Nichts auf Platz 1 schnellte.

Lassen wir also die Katze aus dem Sack oder passender: den Rattenfänger losziehen. Denn diesem buchstäblich sagenhaften Flötisten von Hameln ähnelt der Folksänger Sam Lee nämlich in der Tat ein wenig: Sowohl was sein Aussehen auf der Konzertbühne, als auch seine musikalische Suggestivkraft angeht. Der sympathische Londoner mit dem blonden Lockenkopf betreibt auf seinem Debütalbum eine sehr eigene und eigenwillige Wurzelpflege. Die dort versammelten acht Lieder, allesamt Traditionals, ziehen auch den weniger hartgesottenen Folk-Fan unversehens in den Bann. Luftige und dabei dank einer speziellen Gefühlsintensität und klug dosierten Klangfülle doch auch gewichtige Folksongs, welche gleichermaßen archaisch und zeitgenössisch anmuten. Überaus originell - raffiniert kammermusikalisch - arrangiert ist das von Lee's Mentor Stanley Robertson inspirierte und diesem schottischen Geschichtenerzähler und Sänger auch gewidmete Album. Erstere Qualität dieses Mannes, bei dem der junge Brite vier Jahre in die Lehre ging, scheint er selber direkt übernommen zu haben. Die uralten intonierten Geschichten vermag Sam Lee, der seine betörende, glasklare Baritonstimme u.a. auf Maultrommel und der Shrutibox (einem dem indischen Harmonium ähnelnden, aber tastenlosen Instrument) begleitet, wie spannendes Eigenerlebtes weiterzugeben.

Dass es gut 30 Jahre brauchte, bis das erste Album dieses naturbegabten Sängers und Folk-Visionärs das Licht der Welt erblickte, ist eigentlich verwunderlich. Doch standen die Zeichen dieses Mannes zunächst auf ganz andere mögliche Lebenswege: Der studierte Visual Artist und Überlebenstrainer betätigte sich desweiteren eine Zeit lang als Burlesque-Tänzer. Etwas davon lässt sich erahnen bei dem heiter auf der Bühne herumtänzelnden Sam Lee... Da man in diesen Live-Genuss in absehbarer Zeit hierzulande leider nicht kommen kann, drei Tipps:

  1. Unsere CD der Woche gewinnen bzw. käuflich erwerben (am besten direkt über unsere Seite, denn damit unterstützt ihr auch multicult.fm)
  2. In den Urlaub nach Großbritannien fahren und dort eins der vielen Konzerte besuchen
  3. Sich z.B. mit dem wunderschönen Videoclip zum Opener der CD vergnügen.

(Autorin: Katrin Wilke)

Sam Lee im Internet: homepage | myspace

CD der Woche vom 21. bis zum 27. Januar 2013 | (EAN 0200019015723) 2012 Tiger (Broken Silence)

Klezmofobia - Kartushnik

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Ein Kartushnik ist ein geschickter Kartenspieler, ein Risikospieler. Auf dem dritten Album spielen die sechs Klezmorim von Klezmofobia risikofreudiger als in ihren ersten zwei Alben "TANTZ!" von 2006 und "GANZE VELT" aus dem Jahre 2008. IHRE Klezmer-Musik ist wilder und feuriger als jemals zuvor, wobei ihre Spielweise mittlerweile viel geschickter ist. Dem bosnischen Produzenten Dragi ?estić (Produzent von Mostar Sevdah Reunion, Saban Bajramovich und Ljiljana Buttler), der erstmals die Band unterstützt hat, ist dieser gewagte Sprung wohl zu verdanken. Die tieftraurige Stärke der Klarinette wird in den wenigen melancholischen Stücken teilweise komplett weg gelassen. Dafür bedienen sich die Dänen anderer Erfolg versprechender Elemente, z.B. aus dem Jazz oder gar Blues. Klassiker, wie "Yiddishe Mame" bekommen dadurch ein ganz neues Gesicht. Im Gegensatz dazu bedient man sich für das Lied Verdamte "OY VEI" der Progressivität der Ska-Musik. Für Abwechslung ist also garantiert.

Die Musiker Bjarke Kolerus an der Klarinette, Ole Reimer an der Trompete, Andreas Ugorskij mit seiner Gitarre, Jesper Lund als Bass-Balalaikaspieler, Jonatan Aisen am Schlagzeug und Channe Nussbaum mit ihrer flehenden Stimme bezeichnen ihre Musik eben durch diese vielen modernen Einflüsse als New York Klezmer. Diese moderne Spielweise brachten ihnen bereits weltweit gemeinsame Auftritte mit anderen Klezmorim wie z.B. Szenegrößen wie Frank London ein. Skandinavien, Deutschland, Holland, Österreich, Ungarn, Spanien, Polen, China und Mexiko sind nur EINIGE der Länder, wo Dänemarks erfolgreichste Klezmer-Band tourt. Dieser Erfolg spiegelt sich auch in ihren Verkaufszahlen wider: 40.000 verkaufte Alben sind für diesen Musikstil schlichtweg überragend. Mit "Kartushnik" werden sie ihrem Erfolg garantiert nochmal einen Schub geben.

(Autor: Nellski)

Klezmofobia im Internet: homepage | facebook

CD der Woche vom 14. bis zum 20. Januar 2013 | (EAN 0887254196723) 2013 Smi Col / Sony

Tryo - Ladilafé

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"Ladilafé" - so lautet der Titel des neuen Albums der französischen Band Tryo, die zuhause bereits legendär ist. Es ist das fünfte Studioalbum der vier Musiker Guizmo, Manu, Mali und Daniel, die seit fünfzehn Jahren Frankreich musikalisch unsicher machen. So exotisch, leichtfüßig und einprägsam wie der Titel des Albums klingt, so klingen auch die sechzehn Tracks.

Doch der erste Eindruck täuscht: denn wer genauer hinhört - falls man des Französischen mächtig ist - der wird erkennen, dass in den akustischen, v.a. von Reggae geprägten Stücken ernste Themen verpackt sind, die den Zuhörer dazu anhalten, kritisch über Themen aus Politik und Umwelt nachzudenken. Und das ist wohl auch das Erfolgsgsrezept von Tryo. Und die Franzosen lassen auch tatsächlich auf Worte Taten folgen, so engagieren sie sich u.a. seit Jahren gemeinsam mit Greenpeace in diversen Aktionen.

Das Album ist seit dem 18. Januar erhältlich. Und wer Tryo auch live erleben möchte, der hat Glück: denn die Jungs sind ab Mitte Januar auf Deutschland-Tour und machen am 23.01. auch hier in Berlin im Magnet Club Halt.

Tourinfos: 15.01.2013 Freiburg, Jazzhaus, 16.01.2013 Saarbrücken, Congresshalle, 17.01.2013 München, Ampere, 18.01.2013 Marburg, KFZ, 22.01.2013 Bochum, Bahnhof Langendreer 23.01.2013 Berlin, Magnet Club.

(Autorin: Sherin Daoud)

Tryo im Internet: homepage | clipfish

CD der Woche vom 07. bis zum 13. Januar 2013 | (EAN 3700409811302) 2012 Heavenly Sweetness (Broken Silence)

Jacaranda Muse - September Sun

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Musik aus Simbabwe erreicht uns selten seit Beginn der politischen und dann auch wirtschaftlichen Krise im Machtbereich von Robert Mugabe, die vor etwa 12 Jahren begann. In der letzten Zeit allerdings hat sich das Land wieder etwas erholt. Und musikalisch gibt es einiges zu entdecken. Dazu gehört auch das ungewöhnlich besetzte Quartett Jacaranda Muse (gespr. "Dschakaranda Mjuse" mit weichem sch und s).

Die 4 Musiker, die dem Volk der Shona angehören, singen und spielen Altsaxofon, Piano, Cello, Marimba, Congas und die Mbira, das afrikanische Daumen-Piano, das von der Spielweise her nirgendwo so hoch entwickelt ist wie in Simbabwe, wo es als National-Instrument gilt. Das musikalische Konzept von Jacaranda Muse ist eine ganz eigene Fusion von traditioneller Shona-Musik mit Afro-Jazz und europäischer Klassik.

Vor knapp zwei Jahren hatten die Musiker das Glück, bei einem Festival in Simbabwes Hauptstadt Harare zu spielen, bei dem ein französischer Produzent anwesend war, der für die Band sofort ein Studio buchte, wo innerhalb von drei Tagen das Album entstand, das anschließend in Paris abgemischt wurde. Die CD gibt einen interessanten Einblick in die aktuelle Musikszene eines Landes, das nach wie vor erhebliche wirtschaftliche Probleme hat, um dessen künstlerisches Potenzial man sich aber offensichtlich keine Sorgen machen muss.

(Autor: Wolfgang König)

Jacaranda Muse im Internet: facebook | auf der Seite des Labels

CD der Woche vom 17. bis zum 23. Dezember 2012 | (EAN 4260130540234) 2012 Agogo/Indigo

DJ Farrapo & Yanez - Alien na favela

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So kurz vor Weihnachten möchten wir den geneigten multicult.fm-Hörer noch mit einer Doppelladung guter Musik verwöhnen, zu der sich das eine oder andere Extra-Kilo gut wegtanzen lässt an den kommenden Festtagen. Spätestens zur Silvesterparty können die insgesamt 31 Tracks garantiert brillieren, ist das musikalische Werk der beiden "Quasi-Brasilianer" italienischer Herkunft doch geradezu gemacht zum Schwofen, zum Heben der Stimmung und der derzeitigen Temperaturen! Einige der aus Elektro, Samba und diversen, z.B. nordostbrasilianischen Traditionen, HipHop oder Funk u.v.a.m. raffiniert geköchelten Songs drehen sich schon seit längerem auf unserm Radio-Plattenteller, dürften also bereits Ohrwurm-Status haben: Das buchstäblich Appetit machende "Frango Assado" ("Brathähnchen") etwa, oder "Mojito com Cachaça" machten schon als Singles oder auf Compilations die weite Runde über die Dancefloors. Doch nun ist das gesamte Material der beiden Musikerfreunde erstmals auf zwei Silberscheiben versammelt: eine mit den Originalstücken, aufgenommen mit etlichen, musizierenden, singenden oder rappenden Gästen, und die zweite mit den Remixen der Songs, verfertigt u.a. von so namhaften Elektro-Tüftlern wie dem Franzosen DJ Click und dem Spanier DJ Panko, der einst bei der Band Ojos de Brujo mitwirkte.

Doch wer sind nun eigentlich die beiden "Favela-Aliens", die Drahtzieher des Ganzen? Der SingerSongwriter Yanez Servadei, Gitarre spielender Hauptsänger und -komponist des Projekts, verantwortet als Illustrator und Grafikdesigner auch die farbenfrohe Favela auf dem Cover dieser musikalisch nicht minder farbenprächtigen CD. Er wurde in Bologna geboren, wuchs jedoch in Salvador da Bahia auf und zog mit seinem eigenen Liedrepertoire durch die Lande, so auch durch Italien, wo er sich irgendwann mit DJ Farrapo aka Giorgio Cencetti zusammentat. Dieser, ebenfalls aus Bologna stammende Musiker verdingte sich als Keyboarder diverser Bands, schrieb seine Dissertation über die Hammondorgel und frönt in diesem Duo-Projekt seiner elektronischen Bastlerfreuden. Da haben sich ganz offen- und hörbar die Richtigen gefunden und wir dadurch unseren Spaß an einer betörenden Melange, die zumindest geografisch so weit weg vom Orignalort des musikalischen Geschehens, also in Italien entstand und die doch so stark brasilianisch, dabei aber auch genauso weltgewandt klingt.

(Autorin: Katrin Wilke)

DJ Farrapo & Yanez im Internet: facebook | myspace

CD der Woche vom 10. bis zum 16. Dezember 2012 | (EAN 4047179730327) 2012 East Blok Music

Skazka Orchestra - Kalamburage

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Wenn Skazka Orchestra zur Märchenstunde einlädt, fällt es schwer, die Glieder ruhig zu halten, denn Polka, Klezmer, Folk und Punk sind die Bestandteile der Tinte, womit sie ihre Märchen schreiben. Skazka ist die Transkription von Сказка, Märchen auf Russisch. Davon hat diese Berliner Combo gleich dreizehn an der Zahl auf ihr neues Album gepackt. Kalamburage heißt es, es klingt wie Karambolage, kommt aber von Kalambúr (каламбу́р) und bedeutet Wortwitz oder Kalauer.

Genauso einfallsreich und surreal wie dieser Wortwitz sind auch die Songtexte, mit denen das deutsch-russische Orchester seine russischsprachigen Lieder schmückt. Das Lied Yeti ist die eine deutschsprachige Ausnahme, geschrieben vom Berliner Autor Matthias Steinbart (linkes-auge-hinkt.de): das nicht weniger surreale Märchen vom Yeti, der gern ein Kofferfisch wäre. Unterlegt werden diese wirren Texte mit den Klängen von Valentin Butt's Bandoneon, Artur Gorlatschov's Gitarre, Elena Shams' Schlagzeug, Florian Metzger's Kontrabass, Andrej Ugoljew's Posaune und Johannes Böhmer's Trompete. Aufgenommen wurde dieses Album im P4-Studio, im alten Funkhausgebäude Nalepastraße, welches wegen seiner hervorragenden akustischen Eigenschaften weltweit einzigartig ist.

Hinzu kommt, dass die Musiker allesamt neben ihrem Herzblutprojekt Skazka Orchestra noch anderweitig als professionelle Musiker arbeiten, was man den Aufnahmen anmerkt: Sie spielen unter anderem mit den Berliner Philharmonikern, dem Jugendjazzorchester oder der WDR Big Band oder als Theatermusiker im Berliner Ensemble. Wer diese Märchenstunde in Berlin live erleben möchte, der sollte am 13. Dezember zur Record-Release-Party ins SO36 oder am 21. Dezember ins Szimpla Badehaus gehen. Man kann davon ausgehen, dass getanzt wird, bis es hell wird.

(Autor: Nellski)

Skazka Orchestra im Internet: homepage | facebook

CD der Woche vom 03. bis zum 09. Dezember 2012 | (EAN 5099963864021) 2012 Capitol / EMI

Carminho - Alma

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Alma, die zweite CD von Carminho, wurde in der Musikwelt mit großer Spannung erwartet. Denn schon das Debüt der jungen Portugiesin mit dem schlichten Titel Fado hatte Platin-Status erreicht und war vom britischen World Music Magazin Songlines zu einem der zehn besten Alben des Jahres erklärt worden. Ein solch massiver Einstiegserfolg kommt nicht von ungefähr. Carminho wurde gewissermaßen in den Fado hinein geboren, auch ihre Mutter Teresa Siqueira war eine Fadista (Fado-Sängerin) und die Tochter begleitete sie zu Fado-Abenden und stand bereits als Teenager selbst auf der Bühne. Schon früh war Carminho dann in Fachkreisen als Zukunft des Fado gehandelt worden und die Erwartungen hätten kaum größer sein können.

Carminho hat sie erfüllt. Alma - zu deutsch Seele - bestätigt ohne jeden Zweifel, dass wir es hier mit einer Naturgewalt zu tun haben. Fado ist ja nichts Neues, aber das Feuer und die Leidenschaft, die Carminhos Gesang ausstrahlen, sind einfach überwältigend, ihre Live-Performance wird mitunter als hypnotisch beschrieben. In 15 Liedern durchstreift Carminho die ganze Palette der Emotionen, selbstverständlich die Traurigkeit der Saudade (Sehnsucht), die das Fundament des Fado bildet, aber auch frohe Hoffnung, Zärtlichkeit, ja Heiterkeit - und all das mit einer Ausdrucksstärke, die kaum noch zu übertreffen scheint. Mit dieser Energie und Frische wirkt - obwohl in ganz klassischer Fado-Manier instrumentiert und arrangiert - die Musik auf Alma absolut modern. Hier wird der Fado, oft als Blues der Portugiesen bezeichnet, zum Soul.

(Autor: Jörg Podzuweit)

Carminho im Internet: homepage

CD der Woche vom 26. November bis zum 02. Dezember 2012 | (EAN 730003308628) 2012 Strut Records

The Souljazz Orchestra - Solidarity

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"Solidarity" ist bereits das fünfte Album der 2002 gegründeten multikulturellen Band aus Kanada, deren Mitglieder u.a. aus Brasilien und Senegal kommen. Nach der weitgehend akustischen Instrumental-CD "Rising Sun" hat die Band jetzt wieder eine Platte voller großartiger Songs mit verschiedenen Gast-Vokalisten vorgelegt. Viele der Musiker kommen vom Jazz, aber afrikanische und lateinamerikanische Einflüsse sind unüberhörbar und werden kreativ verarbeitet, sei es nun Afrobeat, Mbalax, Salsa, Cumbia oder Reggae. Dabei bleibt das Soul Jazz Orchestra stets innovativ und vermeidet musikalische Klischees. Der Retro-Sound des Albums entstand u.a. dadurch, dass die Tracks auf einem alten 8-Spur-Gerät aufgenommen wurden und auch die Keyboards und Effektgeräte schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Die Songs, gesungen in Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Wolof, drehen sich um soziale und politische Themen ebenso wie um folkloristische geschichten und zwischenmenschliche Beziehungen.

(Autor: Wolfgang König)

Das Souljazz Orchestra im Internet: homepage
 

CD der Woche vom 19. bis zum 25. November 2012 | (EAN 886116000178) 2012 Hazelwood Vinyl Plastics

Mardi Gras.BB - Crime Story Tapes

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Mardi Gras.bb sind zurück - mit einer neuen grandiosen CD. Wer die Band noch nicht kennt, sollte spätestens jetzt die Crime Story Tapes als Einstiegsdroge nutzen. Die neue CD wird von einigen bereits als ihre beste gehandelt.

Von Musik aus New Orleans beeinflusst und 1992 in Mannheim gegründet, formierten sich Mardi Gras zunächst als Brass Band. Der Name entstand in Anlehnung an die Karnevalstradition der Stadt am Mississippi. Der "mardi gras" (wörtlich: fetter Dienstag) ist der letzte Tag des Faschings. Aus dem BB für Brass Band wurde später bb für "boldbold", den Schriftstil "doppelt fett", was für Mardi Gras.bb dann soviel heißt wie: Fetter Dienstag - extra fett. Mittlerweile sind sie über ihre Anfänge hinausgewachsen und tummeln sich in den unterschiedlichsten Stilen.

Jetzt haben sie, wie schon mehrmals zuvor, erneut ein Konzeptalbum kreiert. Ihre zehnte Veröffentlichung, ist eine Hommage an die Popkultur Nordamerikas der 1940er Jahre, angefangen beim Cover über die Musik bis hin zu den Texten. Mardi Gras.bb stopfen jede Menge Swing und verwandte Genres wie Lindy Hop und Balboa in die neue CD und lassen außerdem Blues und Klezmeranklänge einfließen. Den thematischen Rahmen bilden die Erlebnisse eines New Yorker Privatdetektivs im Jahre 1947. Die Band erklärt selber: Crime Story Tapes is "not a record, it's a movie!!" Mit unzähligen Anspielungen auf den Film Noir werden die klassischen Themen des Genres verarbeitet: Verbrechen, Affären, Drogen, Korruption.

Sänger und Ur-Mardi-Grassist Doc Vance gibt den hartgesottenen zynischen Ermittler, der mit rauer Stimme aus dem privatdetektivischen Nähkästchen plaudert. Gleich zu Beginn erklärt er seine akuten Gedächtnisprobleme mit einem Berufsunfall - nach einem Kopfschuss ist ein Teil seines Gehirns an einer Straßenecke in Manhattan zurückgeblieben. Zwielichtige Gestalten und skurrile Situationen sind Themen der "Tapes" zwischen schwermütigen Balladen und rasantem Swing: ein Dealer, der alles besorgt, was der Kunde begehrt, eine Bar-Mitzwa-Feier in Brooklyn - inklusive vorausgehenden Kommentars des erzählenden Antihelden zum Thema Beschneidung - und schließlich eine vertonte Polizeirazzia, zusammengesetzt aus Sirenen, Dialogfetzen und dramatischer Musik im fulminanten letzten Track.

Alles zusammen ergibt einen spannenden Film mit einem tollen Soundtrack, abgerundet von Bandmitglied DJ Mahmut. Er sampelt und scratcht das Ganze geschmeidig ins aktuelle Jahrtausend.

Im Rahmen ihrer Tour zum neuen Album kommen Mardi Gras.bb auch nach Berlin. Die Band spielte zu anderer Gelegenheit bereits vor 60.000 Leuten und hatte schon so illustre Gäste wie Prince himself. Am 22.11.2012 im Lido wird es eine Winzigkeit kleiner zugehen, trotz dem kann man sich auf eine schicke, "mind-boggling" Show freuen.

(Autorin: Gabriele Schäfer)

Mardi Gras.BB im Internet: homepage | myspace
Am 22.11.12 live im Lido-Berlin.
 

CD der Woche vom 12. bis 18. November 2012 | (EAN 4005902514453) 2012 Skycap (Rough Trade)

Movits! - Out Of My Head / Ut Ur Min Skalle

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Genau rechtzeitig zur kalten Jahreszeit kommt ausgerechnet aus dem hohen Norden eine Band, die uns gewaltig einheizen wird - auch schon bald live in Berlin: Movits! (weg: eine Band) aus dem schwedischen Luleå, die mit "Out Of My Head / Ut Ur Min Skalle" gerade ihr zweites Album in Europa veröffentlicht haben. Das Besondere dieser Platte? Sie wurde in vier Monaten live im Studio eingespielt, unter Mitwirkung hochkarätiger Gäste, etwa den schwedischen Rappern Zacke, Timbuktu, Promoe und Olle Nyman. Die Aufnahme schlug derart heftig ein, dass die Schweden, deren Album zuhause schon 2011 erschien, die letzten Monate des vergangenen Jahres bereits ausgiebig tourten und mehr als 100 Konzerte auf vier Kontinenten absolvierten.

Schon ihr Debüt "Äppelknyckarjazz" ("Apfeldieb-Jazz") war so gut, dass die beiden Rensfeldt-Brüder, der Sänger Johan und der Multiinstrumentalist und DJ Anders, sowie ihr Freund, der Saxofonist Joakim Nilsson (die ganze Movits!-Besetzung!) 2009 damit sogar durch die USA tourten und die Bestseller-Listen von iTunes und amazon anführten. Das ist bemerkenswert, weil das Trio dies mit einem Genre schafft, welches trotz seines Alters und seiner Bekanntheit nach wie vor eine, wenngleich zusehends größer werdende Nische besetzt: Die drei Schweden haben sich nämlich dem Swing verschrieben und würzen den mit coolen, nicht etwa englisch- sondern durchweg schwedischsprachigen Raps. Bisweilen erinnert ihr treibender Sound ein wenig an unsere Berliner Lokalmatadoren Seeed. Die fetten Bläser-Arrangements lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass es sich um Swing handelt und laden mit jedem Track auf's Neue zum Tanzen ein. Doch nicht nur mit "move" hat ihr Bandname zu tun, sondern auch mit einem gewissen Fader Movitz, einer Figur aus einer schwedischen Gedichte- und Liedersammlung aus dem 18. Jahrhundert.

Nachdem Movits! ganz Europa, Übersee und Asien mit ihrer betörenden Neo-Swing-Hip Hop-Melange gerockt und so den zurückliegenden Festival-Sommer bereichert haben, spielen sie am 18. November in einer der schönsten Berliner Locations, im Heimathafen Neukölln. Ein Konzert, von dem noch spätere Generationen swingend und gut gelaunt berichten werden, da ist sich die Autorin sicher und fragt: Kann man es sich leisten, das zu verpassen? Ich denke, da sind wir uns einig: Astrid Lindgren würde ihrem Grab entsteigen und mithotten, wenn es denn möglich wäre.

(Autorin: Lena Speckmann)

Movits! im Internet: homepage
Am 18.11. live im Heimathafen Neukölln.
 

CD der Woche vom 05. bis 11. November 2012 | (EAN 826863264928) 2012 Piranha Records

Robert Šoko & Florian Mikuta - BalkanBeats SoundLab

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Wer kennt nicht die legendären Balkanbeats-Partys mit Robert Šoko, die in Berlin gestartet sind und mittlerweile sogar weltweit in den Metropolen stattfinden? 1989 hat der Bosnier Jugoslawien verlassen und kam nach Berlin. Hier vermisste er schnell seine heimatliche Musik und begann, als DJ in der Kreuzberger Kneipe Arcanoa, damals noch mit viel Yugo-Rock. Er feierte dort mit anderen Jugoslawen alte sozialistische Feiertage aus der Heimat, die es zu dem Zeitpunkt nach dem Fall des Kommunismus längst nicht mehr gab. Šoko nannte dies "Culture-Recycling". Der Einfluss der deutschen Musik wirkte sich ziemlich schnell auf seine Musik aus, die Balkan-Sounds klangen immer mehr nach Dancemusic, nicht zuletzt auch durch seinen Kollegen Shantel aus Frankfurt am Main. Damals überlegte Šoko noch, ob er seine Partys fortan "Balkanbeast" oder "Balkanbeat" nennen sollte. Zweiteres hat sich durchgesetzt und ist mittlerweile sogar zur Genrebezeichnung dieser damals neuartigen Musikrichtung geworden.

Nach vier Balkanbeats-Compilations und unzähligen Partys hat sich Robert Šoko mit einem DJ-Kollegen zusammen getan, Florian Mikuta, einem der wenigen Roma-Musiker, die es als DJ geschafft haben. Mikuta ist bereits geübt als Remixer und Producer, entwickelt sogar Filmmusik für die Firma 24plus1 Greece.

Die beiden DJs haben sich für die Soundlab-Remix-Compilation ins Studio begeben und vom Who-is-Who der Balkanbeats-Szene die neuesten Stücke mit einem Klang versehen, dass man beim Hören denkt, es handle sich um eine fein säuberlich selektierte Ansammlung von Balkan-Dancemusic-Klassikern. Remixed wurden Stücke von Genregrößen wie Watcha Clan, Slavic Soul Party, Besh O Drom, Kal, !DelaDap, Feel Good Productions und sogar Boban i Marko Marković Orkestar. Mit letztgenannten wird er die Releaseparty am Samstag, den 10. November im Lido feiern - ein Ereignis, welches mit Sicherheit die Herzen der Balkanbeat-Fans höher schlagen lässt. Außerdem ist die Soundlab-Compilation Anlass für eine neue vierwöchentliche Partyserie, die am 22. November im neuen Club Bi Nuu im U-Bahnhof am Schlesischen Tor in Berlin-Kreuzberg starten wird. Hier und da werden Stimmen laut, dass Balkanbeats ihre beste Zeit hinter sich hätten - Robert Šoko und Florian Mikuta beweisen und zelebrieren allerdings das Gegenteil.

(Autor: Nellski)

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CD der Woche vom 29. Oktober bis 04. November 2012 | (EAN 5060091552104) 2012 mais um discos / indigo

Lucas Santtana - The God Who Devastates Also Cures

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Nein, Brasilien muss man nicht immer bloß mit Alegria und Sonnenschein assoziieren. In der reichhaltigen, mannigfaltigen Musikkultur dieses halben Subkontinents kennt und zelebriert man von jeher auch Melancholie und Introvertiertheit. Heutzutage lehren uns dies Musiker wie die Paulista Céu oder Lucas Santtana, der zwar in Rio lebt, aber mit der Kollegin und weiteren Musikerfreunden der agilen Szene von São Paulo gut vernetzt ist. So wirkt man nicht selten auf den Alben des jeweils anderen mit, wie auch auf Santtanas neuestem, nunmehr fünftem eigenen Album (nebst einer Sammlung von Remixen anderer Kollegen) geschehen, dessen Musikergästeliste lang und erlesen ist.

Schon der Titel auf dem regenverhangenen CD-Cover (Der Gott, der zerstört, aber auch heilt) offenbart den Tiefgang und die Schwermut dieses 1970 in Salvador da Bahia geborenen Sängers und Klangtüftlers, der mit dieser atmosphärisch und stilistisch sehr abwechslungsreichen Liedersammlung das Ende seiner Ehe zu verarbeiten sucht. Und dies vollzieht sich musikalisch mal mit Schwergewichten, mal mit schwebender Leichtigkeit, gebettet auf majestätischem Orchesterklang, in Form eines luftigen Samba oder einer elektrifizierten Ballade, mal im Rhythmus von Afrobeat (Músico), Ska (Se Pá Ska S.P.) oder gar von Reggaeton (Ela É Belém). Doch klingen selbst solch populäre Stile bei diesem Soundvisionär mit der melancholisch-sanften Gesangsstimme und der Elvis-Costello-Brille stets irgendwie anders, eigenwillig und subtil.

Man hört dem Mann mit der langjährigen musikalischen Erfahrung, der sein Musikstudium abbrach, als ihn Gilberto Gil in seine Tourband lud, an, dass er von früh an aus diversen musikalischen Quellen trank: Seine Mutter versah ihn mit Alben von Beethoven, John Coltrane, Michael Jackson oder Tom Zé. Dank des Vaters, Mitarbeiter einer Plattenfirma, wurde er vom Zauber live gespielter Musik erfasst. Und so bekommen wir mit diesem Lieddutzend ein edles Stück Popmusik - im großzügig weitesten Sinne dieses Wortes, mit gleichermaßen lokalen wie globalen Bezügen - etwas, das besonders den Brasilianern liegt. Und wir bekommen dieses Album zur haargenau richtigen Jahreszeit. Im Sommersonnenlicht wäre es gnadenlos weggeschmolzen und so niemandem zu Ohren gekommen...

Innerhalb seiner ersten größeren Europatour beehrte Lucas Santtana auch Berlin und trat am 29. Oktober im Grünen Salon der Volksbühne auf.

(Autorin: Katrin Wilke)

Lucas Santtana im Internet: homepage | myspace | facebook

CD der Woche vom 22. bis 28. Oktober 2012 | (EAN 885150336434) 2012 Motéma

Ablaye Cissoko & Volker Goetze - Amanké Dionti

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Dieses Album schlägt Brücken zwischen drei Kontinenten. Der Kora-Spieler und Sänger Ablaye Cissoko ist ein Griot (Musiker und Geschichtenerzähler, ein Beruf, der normalerweise vererbt wird) aus Senegal, Volker Goetze ist ein deutscher Trompeter mit Wohnsitz in New York. Beide können auf eine bemerkenswerte Vita verweisen, denn Ablaye Cissoko hat den senegalesischen Superstar Omar Pene begleitet und mit dem US-amerikanischen Pianisten Randy Weston gearbeitet. Volker Goetze hat mit seinem Trompeter-Kollegen Markus Stockhausen gespielt (Sohn des großen Komponisten Karlheinz Stockhausen), mit Lenny Pickett von der Gruppe Tower of Power und mit dem brasilianischen Perkussionisten Nana Vasconselos.

Der Kora-Virtuose und der Trompeter lernten sich 2001 bei Proben des African-European Jazz Orchestra, zu dem sie beide gehörten, im senegalesischen Saint-Louis kennen, wo die Band dann im Vorprogramm von Youssou N?Dour auftrat. Sofort stellte sich heraus, dass die musikalische und persönliche Chemie zwischen den beiden stimmte. 2008 erschien ihr erstes gemeinsames Album "Sira", das von der Kritik geradezu bejubelt wurde und von dem Volker Goetze sagt, dass es weitgehend intuitiv entstand. Das Konzept für die Produktion ihrer neuen CD "Amanké Dionti" war demgegenüber schon sehr viel durchdachter. Die Musik ist ausgesprochen meditativ, dazu passt auch der Aufnahme-Ort: Das Album entstand nicht in einem sterilen Studio, sondern in der vor über hundert Jahren komplett aus Holz errichteten Kirche "Bon Secours" in Paris.

(Autor: Wolfgang König)

Internet: Volker Goetze
 

CD der Woche vom 15. bis zum 21. Oktober 2012 | (EAN 4047179659321) 2012 Asphalt Tango

Kottarashky & The Rain Dogs - Demoni

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Seit seinem ersten Album "Opa, Hey!"" ist der Bulgare Nicola Gruev in der Weltmusikszene bekannt als Soundtüftler mit Hang zum Perfektionismus. Damals hatte er noch tanzbare Klangcollagen gesammelter Soundschnipsel zusammen gestrickt. Für seine aktuelle Scheibe "Demoni" ist er allerdings einen Schritt weiter gegangen. Er lässt zu seinen Soundschnipseln Soundloops von seiner Band "The Rain Dogs" mit Klarinette, Gitarre, Bass und Darbuka, einer kelchförmigen orientalischen Trommel aus Blech, live einspielen. Daraus ist erneut etwas entstanden, was sich nur schwer einer Schublade zuordnen lässt. Ist es Balkanmusik? Ist es Trip Hop? Ist es Electro? Oder gar Funk? Er selbst nennt es Advanced Balkan Electronica Funk und genau diese Bezeichnung trifft es noch am ehesten.

Seine ätherische Elektronik verschmilzt mit groovenden Balkan Funk, lässigen Jazz und dem tragenden Blues seiner Mitmusiker. In Bulgarien zählen die fünf Jungs Aleksandar Dobrev , Hristo Hadzhiganchev, Yordan Geshakov, Atanas Popov und eben Nicola Gruev alias Kottarashky mit ihren funkigen Trance-Klangteppichen zu den nationalen Größen in der örtlichen Musikszene. Kein Wunder, dass sie es geschafft haben für das Album ein Lied "Pancho Says" mit Szenegröße Fanfare Ciocărlia aufzunehmen. Vor Tom Waits verneigen sich die Jungs aus Sofia, deshalb ihr identischer Bandname.

Derzeit tourt die Band, die bei Asphalt Tango, dem Label von Balkangrößen wie Mahala Raï Banda, Besh o droM oder die eben genannten Fanfare Ciocărlia, noch durch Europa um "Demoni" einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. In dieser Woche endet ihre Tour mit ihrem Höhepunkt in Griechenland. In Thessaloniki auf der diesjährigen World Music Expo, kurz WOMEX, sind sie mit ihrem neuen unverbrauchten Sound eine der meist erwarteten Bands. Unser Team von multicult.fm wird für Euch vor Ort sein.

(Autor: Nellski)

Kottarashky and the Rain Dogs im Internet: facebookmyspace
 

CD der Woche vom 08. bis zum 14. Oktober 2012 | (EAN 4250095800535) 2012 Galileo MC

Carmen Souza - Kachupada

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Die Künstlerin unserer CD der Woche wurde 1981 als Tochter von Kapverdianern in Lissabon geboren und lebt und arbeitet seit einigen Jahren in London. Die Gitarre und Piano spielende Sängerin, die als Kind begeistert im Kirchenchor sang, hat im Laufe von knapp zehn Jahren musikalisch Flügel bekommen. War ihr 2005 erschienenes Debütalbum "Ess ê nha cabo verde" (Das sind meine Kapverden) schon dem Titel nach noch ausdrücklicher ihrem Vater- und Mutterland zugeneigt, so mischt sich in ihre ganz eigene kapverdische Musikkultur etwa die des Jazz- und des SingerSongwriting.

Beim Herausarbeiten und Entfalten ihres besonderen Gesangsausdrucks, ihrer besonders facettenreichen, mal ganz irdisch und naturverbunden, mal spleenig wie ihre Landsfrau, Maria João, doch stets warm und soulig klingenden Stimme ist Souzas wichtigster Kreativpartner seit langem der ebenfalls an der Themse lebende, renommierte Lissaboner Bassist Theo Pas'cal. Gemeinsam mit einer kleinen, handverlesenen Schar von Musikern entstanden zwischen London und Lissabon 13 fein arrangierte und instrumentierte Songs, die eine feine Eleganz, aber auch den Duft von Holz und Sonne atmen. Das Gros von der Vokalistin selbst getextet und ihrem Kollegen vertont, desweiteren ein in Kreol vorgetragenes kapverdisches Traditional und - wie schon auf den Vorgängeralben geschehen - einige sehr originell abgewandelte Jazzstandards: Neben "My favourite things" auch Charlie Parker's "Donna Lee", das die Kapverd-Portugiesin mit einem eigenen Text versah. Spannend ist, wie Carmen Souza selbst ein solches Stück in lusophone, gar kapverdisch klingende Gefilde zu entführen vermag. Zwar vernimmt man ihrer Musik diesen kulturellen Background, doch hat diese nie jenen Wiedererkennungscharakter, der sich durch Cesaria Evora & Co. ein für alle Mal in unseren Ohren eingenistet haben dürfte.

Das Erbe der 2011 verstorbenen Kollegin führt die junge Künstlerin auf ganz eigene, stilistisch deutlich erweiterte, einfallsreiche Weise fort in ihrer Musik, welche diese famose Melancholie der Kapverden genauso spüren lässt wie eine unbändige Lebensfreude und Witzigkeit. Das einnehmende Lächeln bzw. Lachen der überaus sympathischen Frau überträgt sich nicht nur live, sondern auch so, ohne sie auf der Konzertbühne zu erleben, in ihren Liedern.

(Autorin: Katrin Wilke)

Carmen Souza im Internet: homepage | myspace | facebook 
 

CD der Woche vom 01. bis zum 07. Oktober 2012 | (EAN  4029759082286) 2012  Contemplate 360 / Edel

Samúel Jón Samuelsson Big Band - Helvítis Fokking Funk

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Dank des deutschen Nationalfeiertages am 3. Oktober liegt eine kurze Arbeitswoche vor uns, in der wir uns besonders lange Musik gönnen. Es geht nämlich u.a. um Afrobeat, und der ufert von jeher, also seit der Patentierung durch Fela Kuti gerne aus. Ein Song des Nigerianers konnte gut und gerne die komplette Seite einer Platte okkupieren. Nicht ganz so bei diesem Album, dessen Stücke, allerdings auch ihre sieben bis neun, einmal gar 12 Minuten dauern. Und sie entstanden auch nicht im hitzigen Lagos sondern im nordischen Reykjavik, wo das 17-köpfige Orchester seit nunmehr zwölf Jahren seinen allerfeinsten, druckvollen Afrofunk-Big-Band-Jazz köchelt.

Bei seinem allerersten Deutschlandkonzert im April bei der Bremer Jazzmesse Jazzahead kamen selbst die abgebrühtesten, alten Jazz-Hasen ins Schwitzen und Schwärmen. Erstaunlich, dass die Band des in der eng verstrickten heimischen Szene gefragten, renommierten Posaunisten Samúel Jón Samúelsson erst jetzt zum Sprung aufs europäische Festland ansetzt. Die vielen Köche, die in diesem Falle den Brei keineswegs verderben, bringen verschiedenste musikalische Erfahrungen und Vorlieben mit: Der Perkussionist war der Drummer der Sugarcubes, der Band, mit der Björk internationale Bekanntheit erlangte. Andere Orchestermitglieder betätigen sich im Avantgarde- oder Klassikbereich. Und sie alle eint die Liebe zu Jazz und Funk mit all ihren Spielarten. Zu ihren Einflüssen zählen die Isländer James Brown und Miles Davis genauso wie Ennio Morricone, Burt Bacharach oder Lalo Sciffrin. Diese stilistische Vielfalt wird auf diesem Album - der ersten internationalen Release, nach zwei zuhause veröffentlichten Arbeiten - in aller Ausführlichkeit und Bandbreite u.a. mittels einer großzügigen, sehr markig und pointiert klingenden Bläsersektion in sechs Instrumentaltracks zelebriert, denen nicht selten politische Belange zugrunde liegen. Selten waren wir in der Lage, unsere CD der Woche wirklich zur Hälfte vorstellen zu können.

In dieser Woche schaffen wir es, wenngleich wir wohl keinen der treibenden Tracks in seiner vollen, schönen Länge präsentieren können. Doch die nächste Party kommt bestimmt - die Lust, das Tanzbein zu schwingen, garantiert schon früher... Der Globalplayer Afrobeat, längst an unterschiedlichsten Orten dieser Welt kultiviert, hat dank der Samúel Jón Samúelsson Big Band also auch eine gute Heimstatt in Island gefunden.

(Autorin: Katrin Wilke)

Samúel Jón Samuelsson Big Band im Internet: myspace | facebook
 

CD der Woche vom 24. bis zum 30. September 2012 | (EAN  4006180430824) 2012 Jaro Medien

Warsaw Village Band - Nord

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Ta Kapela Ze Wsi Warszawa, zu Deutsch die Kapelle aus dem Dorfe Warschau, konnte diesen Sommer ihr fünfzehntes Bandjubiläum feiern - Zeit genug ausreichend musikalische Erfahrungen zu sammeln, um mit ihrem sechsten Album "Nord" prompt den zweiten Platz der World Music Charts einzuheimsen. Kein anderes polnisches Album erreichte bisher eine so hohe Platzierung. Direkt im ersten Lied "Hey You, Yokel's Son" zeigen sie aber stolz, dass es ihnen nicht darum geht mit ihrer Musik reich zu werden. Sie fordern ihre Verehrer auf, sich lieber jemand mit mehr Geld zu suchen, denn ihnen spiele nur die Musik. Statt dessen dürfen die Hochstapler und Reichen sie bloß betrachten. Dass sie eins mit der Musik sind, zeigen Magdalena Sobczak-Kotnarowska, Sylivia Swiatkowska und Ewa Welackea ganz eindeutig, indem sie demonstrieren, wozu ihre Stimmen in der Lage sind. Sie mischen die Kunst der Polyphonie und des Kanons zu einer epischen Gesangskunst, weißer Gesang genannt, wie man es nur noch selten zu hören bekommt. Und das nicht nur im ersten Lied. Doch wenn Milosz Gawrylkiewicz's majestätische Trompete, Pawel Mazurczak's interessant gekratzten Vorläufer der Violine, der Suka, Maciej Szajkowski's schammanisches Gewitter auf uralten Rahmentrommeln, dazu mal ein dezentes Drehleierschnarren oder ein meisterliches Zimbalspiel nicht fast durchgehend die Stücke in Trance voran treiben, könnte man fast traurig sein, dass in drei der insgesamt dreizehn Stücke die Mädels nicht im Chor trällern. Allerdings sei auch gesagt, dass sie im Stück "Hemp Lullaby" komplett acapella verschiedene polnische Schlaflieder mit ihren treibenden Folklorestimmen so kanonartig ineinander verstricken, dass man sich anschließend wundert, wie dehnbar Zeit sein kann. Jahrhunderte der Folkmusik werden mit Hilfe von vergessenen Instrumenten und Gesangstechniken von dem polnischen Sextett Warsaw Village Band fein aufpoliert und avantgardistisch modern getuned, sie werfen dabei stets den ein oder anderen Blick auf Folkmusik außerhalb Osteuropas. So fügt sich beispielsweise indianischer Kriegsgesang nahtlos ein in dem Stück "War's Coming", einem Abschiedslied eines Soldaten an seine Mutter. Globalisierte klassische moderne Folkmusik. Dzięki za wspaniałą muzykę, Kapela Ze Wsi Warszawa!

(Autor: Nellski)

Warsaw Village Band im Internet: homepage | wikipedia
 

CD der Woche vom 17. bis 23. September 2012 | (EAN  876623006565) 2012 Crammed Discs / Indigo

Staff Benda Bilili - Bouger Le Monde!

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Vor kurzem gingen in London die Paralympics zu Ende, und wer hätte da nicht besser die Abschlussfeier krönen können als Staff Benda Bilili?!! Eine Vorstellung sicher nicht nur den Autoren dieses Textes sondern auch vieler anderer Menschen, die acht Musikern der Band inklusive. Die sind im quirligen Zentrum der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa zuhause, und ihre Band entsprang einem Projekt polio-kranker oder querschnittsgelähmter Straßenmusiker, die auch tatsächlich auf der Straße lebten. Vier ältere Sänger/Gitarristen auf ihren spektakulären, selbstgebauten Dreirädern bzw. auf Krücken sind das Herz der Band und sorgen - ihrem Handicap zum Trotz - bei ihren Auftritten für eine unglaubliche Stimmung. Eine jüngere Rhythmusgruppe hämmert dazu dichte Beats. Über alledem erklingen strahlend hell die rasenden Soli, die Roger Landu auf seiner Satongé zaubert, einer selbstgemachten Blechbüchsen-Gitarre mit nur einer Saite.

Die afro-funkigen Songs ähneln sich, haben einen gewissen Wiedererkennungswert, funktionieren nach einer Systematik. Doch abgesehen von der ohnehin bestehenden "Suchtgefahr" betreffs der Musik der Kongolesen, sind die Kraft und gute Laune, die in den einzelnen Stücken steckt, in jedem Falle einnehmend und Tanzlaune hervorrufend. Betörend und in diesem konkreten Falle besonders beeindruckend, wie viel man mit relativ simplen Tönen vermitteln kann und wie wertvoll es ist, die Musik nicht für sich im stillen Kämmerchen zu kreieren, sondern damit an die Öffentlichkeit zu treten. Und die ist mittlerweile groß bei Staff Benda Bilili: Musizierte man zunächst für die Leute im Viertel und probte im fast vollständig stillgelegten Zoo der Heimatstadt, so treten diese acht respektablen und verehrten Herren mittlerweile auf den großen Bühnen in aller Welt auf. Entsprechend erfahrungsreich und musikalisch gereift, durchaus solider als der Vorgänger "Très Très Fort", klingt "Bouger le Monde", das zweite Album der Band. Und eben - der CD-Titel sagt es: "Die Welt verändert sich" - zumindest für die Musiker von Staff Benda Bilili derzeit zum Besseren, verdientermaßen.

(Autoren: Katrin Wilke und Gerhard Müller)

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CD der Woche vom 10. bis 16. September 2012 | (EAN  5060195513544) 2012 Alex Wilson Rec.

Wilber Calver - Diaspora

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Es soll ja immer noch Leute geben, die glauben, sie wüssten wie kubanische Musik klingt, weil sie die CD vom Buena Vista Social Club im Schrank haben. Dabei präsentierte diese Band Songs der 1930er und 40er Jahre. Zu den außergewöhnlichsten jungen kubanischen Musikern der Gegenwart gehört Wilber Calver, schon wegen seines Instrumentes, des Dudelsacks. Begonnen hatte der aus Holguín im Osten Kubas stammende Künstler, dessen Familie zum Teil aus Jamaica stammt, seine Laufbahn 1997 als Perkussionist in einem traditionellen Ensemble. Ein Jahr später nahm er ersten Dudelsack-Unterricht und beschloss, sich künftig ganz diesem Instrument zu widmen. Darunter sind allerdings nicht die bekannten schottischen Highland Bagpipes zu verstehen, sondern der etwas weniger martialisch klingenden galicische Dudelsack aus dem Nordwesten der iberischen Halbinsel, einer Region, die einen großen Teil der spanischen Auswanderer stellte, die sich in Kuba niederließen. Inzwischen geht der Migrantenstrom in die entgegengesetzte Richtung: Tausende von Kubanern leben heute in Spanien.

Auch Wilber Calver hielt sich dort eine Weile auf; eine echte neue Heimat fand er aber erst an seinem jetzigen Wohnort in den Schweizer Alpen im Kanton Schwyz. Seine Debüt-CD "Diaspora" produzierte Wilber Calver mit einem der umtriebigsten Musiker der europäischen Latin-Szene. Der Pianist Alex Wilson, der familiäre Wurzeln in Österreich und Sierra Leone hat und nach Jahren in London nun auch in der Schweiz lebt, ist ein Spezialist für kubanische Musik und ausgesprochen experimentierfreudig. Er kombinierte Salsa und Latin Jazz mit R&B, westafrikanischer Musik und sogar indischem Banghra-Pop. Und jetzt eben mit dem Sound des Dudelsacks. Die Stücke der CD "Diaspora" sind überwiegend kubanische und schottisch-irische Traditionals sowie Kompositionen von Wilber Calver und Alex Wilson, arrangiert als Rumba, Danzón, Charanga, Timba...

(Autor: Wolfgang König)

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CD der Woche vom 03. bis 09. September 2012 | (EAN  0609788880004) 2012 The Gift Of The Gab Records / Rough Trade

Gabby Young & Other Animals - The Band Called Out For More

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Willkommen im musikalisch kribbelbunten, turbulenten "Circus-Swing"-Zirkus von Gabby Young! In der Crew der 28-jährigen Britin scheint es auch an Tieren nicht zu mangeln, heißt doch ihre achtköpfige, 2008 in London formierte Band "Other Animals". Und die "will mehr", wie der Titel ihres (offiziell!) zweiten Albums unverhohlen ankündigt. Lust auf mehr bekommt man auch beim Hören der zwölf, stilistisch weitschweifigen, aus Swing, Jazz, Polka, Walzer oder Kunstlied schöpfenden Popsongs. Man möchte mehr von dieser Zirkusluft schnuppern, die Exzentrikerin mit Hang zum Theatralischen und zur Verwandlung und mit kunstvoll aufgetürmter, feuerroter Haarpracht live erleben (in unseren Breiten möglich am 20.10. im Potsdamer Nikolaisaal und am 19.01.13 im Berliner Postbahnhof).

Doch erst einmal gibt einem das Album genug zu tun für die Ohren und die Augen. Allein seine Gestaltung ist ein Kapitel für sich und lohnt allemal den Kauf der CD: Die in einer Künstlerkommune lebende, interdisziplinär arbeitende SingerSongwriterin hat mit Hilfe von Freunden ein achteckiges, kunstvoll zusammengefaltetes Papieretui kreiert, in dem Silberling und und Booklet aufbewahrt sind. Das Ganze optisch garniert mit blauen, Gabby's blumengeschmückten Rotschopf umflatternden Schmetterlingen, und Sternen aus Glitzersteinen und Trompeten. Eine rundum sinnesfreudige Angelegenheit also, der es aber auch nicht an Tiefgang fehlt. Denn sie hat was zu erzählen, weil in ihrem jungen Leben schon allerhand erlebt - diese sangeskräftige, klassisch geschulte Frau, die von früh an verschiedene Instrumente spielte, jüngstes Mitglied der "National Youth Opera" war und mit Anfang 20 eine heikle Schilddrüsenkrebs-OP nahe der Stimmbänder durchstand. Entsprechend viel Gefühlsintensität, einen Lebens- und Liebesdurst, aber auch eine süße Wehmut, die an Bands wie Beirut denken lässt, versprühen ihre Songpoesien. Die schreibt Gabby Young allein oder mit ihrem Partner, dem Multiinstrumentalisten und Produzenten des Albums, Stephen Ellis. Der allein spielt schon etliche Saiten- und Tasteninstrumente, darunter Banjo und Melodica. Dazu gesellen sich die weiteren "anderen Tiere" mit Perkussion, Tuba oder Klarinette, sowie eine große Schar an Gästen. "The Band Called Out For More" eben...!

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 27. August bis 02. September 2012 | (EAN  0890846001220) 2012 Cumbancha/Exil (Indigo)

The Touré-Raichel Collective - The Tel Aviv Session

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Viele große Projekte beginnen mit einer zufälligen Begegnung. So war es auch beim Gitarristen und Sänger Vieux Farka Touré aus Mali (Sohn des legendären Ali Farka Touré) und dem israelischen Pianisten und Pop-Star Idan Raichel, die sich 2008 auf dem Frankfurter Flughafen über den Weg liefen, wo sie - beide auf Tournee - auf ihre jeweiligen Anschlussflüge warteten. Der berühmte Funke sprang über, die Chemie stimmte und im November 2010 traf man sich in einem kleinen aber feinen Studio in Tel Aviv, um zusammen mit dem israelischen Bassisten Yossi Fine und dem malischen Perkussionisten Souleymane Kane erste Stücke einzuspielen. Diese Aufnahmen bilden den Grundstock ihrer jetzt veröffentlichten gemeinsamen CD. Das Album ist über weite Strecken instrumental, die Kompositionen haben Idan Raichel und Vieux Farka Touré fast alle zusammen geschrieben. Obwohl natürlich viele musikalische Elemente aus dem Nahen Osten einfließen, wird der Sound des Albums über weite Strecken vom Sahel-Blues Westafrikas dominiert - nicht zuletzt eine Verbeugung von Idan Raichel vor einem seiner Idole, Vieuxs Vater Ali Farka Touré.

(Autor: Wolfgang König)

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CD der Woche vom 20. bis 27. August 2012 | (EAN 3521383420683) 2012 La Prod JV/Broken Silence

Orchestre National de Barbès - 15 ans de scène

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Die Band eines Stadtviertels "Nationalorchester" zu nennen, klingt nach einem lustigen Schildbürgerstreich. So geschehen Mitte der Neunziger in Barbès, einem stark afrikanisch geprägten und bevölkerten Flecken in Paris, dessen Strahlkraft bis in den Maghreb und nach Westafrika reicht. So bunt wie dieses Viertel ist in personeller und musikalischer Hinsicht auch das Orchestre National de Barbès (ONB), aktuell aus elf Leuten bestehend; gegründet von dem Algerier Youssef Boukella, der in den Achtzigern mit dem ersten Raï-Fieber in Paris gelandet war. Der mit Rock, Jazz und der Musik seiner Heimat verbandelte Bassist schöpfte aus der Arbeitserfahrung mit Takfarinas und Landsmännern wie dem "Raï-Prinzen" Cheb Mami und dem Jazzer Safy Boutella, als er diese besondere Paris-Combo ins Leben rief. Hervorgegangen aus gemeinsamen Jamsessions, patentierte diese u.a. aus Algeriern, Marokkanern und Franzosen verschiedener Generationen formierte Crew einen ganz eigene, extrem energiegeladene Melange aus nordafrikanischen Stilen wie Chaâbi, Raï oder Gnawa, aus Rock, Funk, Reggae, Ska, Jazz und Latingrooves. Was nach einem wüsten Soundclash klingt, hatte von Anfang einen hohen, sympathischen Wiedererkennungswert und großen Erfolg. Seltenheitswert haben dagegen die Auftritte dieser nach wie vor bestehenden, personell immer wieder mal überholten Band hierzulande. Dass das ONB vor allem für die Konzertbühne gemacht ist, davon konnte man sich schon von seinem 1997 erschienenen Debütalbum, der zeitlos schönen Live-Aufnahme "En concert" überzeugen. Die 18 Tracks des jetzt erschienenen Doppelalbums, die bis zu sieben, gar zwölf Minuten lang sind, lassen einen erneut zu dieser Maghreb-Worldbeat-Band genüsslich und ausgiebig schwofen. Mit den in verschiedenen Ecken der Welt entstandenen Aufnahmen, allesamt Highlights der vorigen vier Alben, feiern die (Wahl)Pariser auch gleichzeitig noch ihre fünfzehn Bühnenjahre. Hoffen wir auf (mindestens!) weitere fünfzehn mit dem einen oder anderen Zwischenstopp der Jungs in Deutschland...

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 13. bis 26. August 2012 | (EAN 4250727800384) 2012 flowfish records

Rosario Smowing - Se Mueve

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Wer glaubt, aus Argentinien käme nur Mate-Tee und Tango, der hat sich geschnitten. Denn Argentinien kann auch anders... Die acht jungen Herren der Band Rosario Smowing haben sich infiziert! Und zwar mit dem Swing-Fever, das schon eine ganze Weile weltweit grassiert. Mitnichten kommt die Formation um Diego Javier Casanova jedoch aus der Metropole Buenos Aires. Aus Rosario, Departamento Santa Fe, stammen sie, wie man auch ihrem Bandnamen entnehmen kann, und dort treiben sie seit der Jahrtausendwende ihr swingendes Unwesen. Mit bislang drei veröffentlichten CDs sind Rosario Smowing in ihrer Heimat Argentinien eine der von Publikum und Medien abgefeierten Live-Bands.

Akustisch wähnt man sich in den Swinging Sixties, doch gerade wenn man sich in den Sound eingegroovt hat, schleicht sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein unerwartetes musikalisches Element in die Gehörgänge. In bewährter Mestizo-Tradition bedienen sie sich unterschiedlichster Elemente, wie Ska, Rockabilly, verschiedene Latin-Styles wie Bolero, Mambo und eine Prise Tango darf natürlich auch nicht fehlen. Der Geist des Tango speist denn auch die sentimentalen, bittersüßen, in die Nacht gehörenden Texte, die hauptsächlich aus der Feder des Frontmanns und Ex-Punk-Sängers Diego Casanova stammen . Nichts destotrotz sind ihre Konzerte alles andere als gepflegte Milongas - die acht Jungs haben bisher noch jeden Ballsaal und jedes Festival zum Kochen gebracht und Stillsitzen ist - auch wenn zu Hause "nur" die CD läuft - absolut unmöglich, es sei denn, man hat ein Herz aus Stein. Auf ihrem dritten Album, das erste bei dem jungen Berliner flowfish-Label, servieren uns die acht Musiker zusammen mit etlichen Gästen ein buntes, viele Gänge umfassendes Menü, dessen Verzehr bestenfalls die ganze Nacht dauert und von dem einen oder anderen Gläschen begleitet wird. Der stimmgewaltige Sänger Diego Casanova singt jedoch nicht nur, sondern holt auch aus seiner Trompete heraus, was geht. Dass er in seiner Jugend höchstwahrscheinlich Los Fabulosos Cadillacs gehört hat, hört man - hat doch seine Stimme, wenn auch sehr eigen und individuell, eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Vicentico. Ansonsten lassen sie sich aber in keinerlei Schublade stecken - und das ist nur einer von vielen Gründen, sich diese Band mal ganz in Ruhe (mit oder ohne einen Mate) zu Gemüte zu führen.

(Autorin: Lena Speckmann aka Maria Mandarina)

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CD der Woche vom 06. bis 12. August 2012 | (EAN 0657036118720) 2012 Six Degrees Records / EXIL

Niyaz - Sumud

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Mit unserer CD der Woche liefern wir den idealen Soundtrack zum derzeitigen Ramadan. Das in der Diaspora - erst in Kalifornien, aktuell in Montreal - tätige Trio Niyaz betreibt auf nunmehr drei Alben seine ganz eigene Wurzelpflege. Diese verrät die Liebe zur Elektronik genauso wie die zur reichhaltigen Mystik und Spiritualität des Sufismus. "Sumud" versammelt türkische, afghanische, palästinensische, kurdische und persische Traditionals, intoniert von der persisch-stämmigen Sängerin Azam Ali, exzellent instrumentiert und arrangiert von ihrem Quasi-Landsmann Loga Ramin Torkian, der noch ein paar weitere Instrumentalisten hinzugeholt hat. Dass das überwiegend traditionelle Material dank subtiler elektronischer Beigaben so gut im Hier und Heute gelandet ist und dabei nichts von seiner altehrwürdigen Eleganz und poetischen Kraft verloren hat, dafür sorgt der nicht zuletzt der international gefragte Elektronik-Tüftler Carmen Rizzo. Die "Standhaftigkeit" im CD-Titel spielt laut Niyaz-Sängerin Azam Ali auf das unbedingte, quasi "biologische" Recht eines jeden, dort in Würde in Freiheit leben zu können, wo er geboren wurde. Dieser Grundgedanke, gespeist aus den vielen Auftritten der Band in Konfliktgebieten, wie z.B. Kurdistan, ist der rote Faden dieses Albums und hallt auf die eine oder andere Weise in dessen insgesamt zehn, teils sphärisch-zurückgelehnteren, teils gut tanzbaren Tracks nach. Diese rufen beim Hören nicht von ungefähr ein süßes Fernweh hervor - nach anderen Orten und anderen Zeiten - bedeutet doch der Bandname zu Deutsch "Sehnsucht".

(Autorin: Katrin Wilke)

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free download: Niyaz - Parishaan
 

CD der Woche(n) vom 23. bis 05. August 2012 | (EAN 4250727800391) / Flowfish Records (Broken Silence)

Rodrigo Santa María y El Paquete Chileno - Élitro

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Mit unserer aktuellen CD der Woche machen wir einen sportlichen Spagat zwischen Chile und Deutschland. Hier, genauer: in Berlin lebt der aus der nordchilenischen Stadt Antofagasta stammende Rodrigo Santa María seit fünf Jahren. Der Gitarrist, Komponist und Sänger hat zusammen mit zwei weiteren Landsleuten, dem ebenfalls in Deutschland ansässigen Jazzbassisten Marco Chacón und dem Perkussionisten Luis Barrueto, ein "chilenisches Paket" - so der Name des Bandprojekts - geschnürt aus solidem Singer/Songwriting, diversen lateinamerikanischen Folklore-Einflüssen und Jazz.

Zum Kern dieses Verbunds versierter, vielseitiger Instrumentalisten, der sich auf seinem ersten Album noch ein paar Gäste hinzugeholt hat, gehört noch der dänisch-maltesische Trompeter Alan Sommer, dessen warmer Flügelhornklang den Zuhörer gleich in den ersten Takten des Albums, im energiegeladenen und doch feinnervig anmutenden Titeltrack aufs Angenehmste in Empfang nimmt. Den schön wie rätselhaft klingenden, spanischen Terminus "Élitro" werden vielleicht nicht mal viele Natives kennen, bezieht er sich doch auf einen speziellen, unscheinbaren, aber wichtigen Körperteil von Käfern: Die Flügeldecke, also die harte Schicht der Flügel, die den Insekten einen offenbar nicht zu unterschätzenden Schutz gewährt. Abgesehen von seinem Klang reizte den Mastermind des Projekts jenes Wort als Metapher für die Allianz von Geborgenheit und Freiheit. Der Schutz der Flügel geht für ihn einher mit einem Schutz der eigenen (Bewegungs)Freiheit. Poetisch-philosophische Gedanken wie diese halten die elf Songs ebenso zusammen wie Reflexionen um die Liebe, die ferne Heimat, leise und doch leidenschaftliche, mal heitere, mal nachdenklichere Liebeserklärungen an das Leben an sich.

Eins der wenigen, nicht aus Santa Marías Feder stammenden Vokalstücke, "Defensa de Violeta Parra", gedenkt der großen Chilenin. Neben Echos von Tango, Flamenco oder Bossa Nova finden sich auch Folklore-Stile wie die Cumbia oder der andinische Huayno in den Liedern. Ganz explizit in "Huayco Trans", einer - in den Worten seines Schöpfers - "fantastischen Geschichte über einen Homosexuellen, der sich in eine Frau verwandelt". Hier teilt sich Rodrigo Santa María mit José Miguel Márquez, einem ebenfalls in Berlin lebenden Mitglied der legendären chilenischen Band Illapu, das Gesangsmikro. Das übernimmt die Französin Constance Scannell in der von ihr verfassten Ballade "Gris est le ciel", dem einzigen nichtspanisch- sondern französischsprachigen Stücks des Albums. Und dieses wird all denen die Ohren und Herzen öffnen, die mit beidem hören und zum Verstehen schöner, musikalisch wohldosierter Liedpoesien auch gut und gerne auf ein Wörterbuch verzichten?

Eine Art Record Release feiert Rodrigo Santa María y El Paquete Chileno zusammen mit den Festivalbesuchern vom "Bardentreffen Nürnberg". Bei diesem renommierten Sommerfestival in Nürnberg wird die Band am kommenden Samstag, am 28.7.2012 auftreten.

(Autorin: Katrin Wilke)

'Rodrigo Santa María y El Paquete Chileno' im Internet: homepage
 

CD der Woche vom 16. bis 22. Juli 2012 | (EAN 5060091551640) / Mais um Discos/Kartel/Indigo

Arnaldo Antunes & Edgard Scandurra & Toumani Diabaté - A Curva Da Cintura

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Ein durchaus ungewöhnliches Trio hat sich da gebildet für die Arbeit an diesem Album. Toumani Diabaté, der wohl weltbekannteste wie auch experimentierfreudigste Kora-Spieler aus Mali trifft auf zwei brasilianische Rockmusiker, den avantgardistischen Sänger und Poet Arnaldo Antunes und den E-Gitarristen Edgard Scandurra. Was musikalisch nicht sehr naheliegend erscheint, ist in 14, in Mali aufgenommenen Songs fast durchweg wohlklingend und unforciert aufgegangen. Introvertiert anmutendes Songwriting, das sich teils mehr gen Rock, auch mal gen Blues oder gar Flamenco-Rumba wie in "Cara" orientiert, teils durch Diabatés charakteristisches Spiel mehr gen Westafrikas Mandinka-Tradition. Man frönt einer Langsamkeit in überwiegend zurückgelehnten, Balladen, die hier und da von einem flotteren Track unterbrochen werden. Antunes düsterer, unaufgeregt, aber auch stets etwas abgründig wirkender Gesang wird mal unterfüttert von einer Slidegitarre, mal vom glasklaren, flirrenden Klang der Kora. Da entstehen Momente einer wundersamen Vertrautheit, die denken lassen an eine langjährige gemeinsame musikalische Erfahrungen der drei Spitzenmusiker ähnlichen Alters.

Dabei trafen die beiden aus São Paulo stammenden Brasilianer erstmals 2010 beim Festival "Back2Black" in Rio auf den malischen Kollegen. Der war so begeistert von ihrer erstmaligen Zusammenarbeit damals, dass er die zwei daraufhin zum gemeinsamen Aufnehmen nach Bamako einlud. Mit von der Partie beim Einspielen der gemeinsam oder von einzelnen Beteiligten geschaffenen Kompositionen und afrikanischen Traditionals waren desweiteren unter anderem Diabaté-Sohn Sidiki, der in den schnelleren Stücken an der Kora saß, sowie Balafon-Spieler Fode Lassana Diabaté (Mitwirkender beim Afrocubism-Projekt). Bei einem "Rückspiel" kürzlich bei der Londoner Ausgabe von "Back2Black" und weiteren Konzerten in Europa konnte man sich von der Live-Umsetzung dieser offenbar menschlisch wie musikalisch bereichernden Begegnung überzeugen.

(Autorin: Katrin Wilke)

'A Curva Da Cintura' im Internet: homepage | facebook
 

CD der Woche vom 09. bis 15. Juli 2012 | (EAN 4250095881251) 2012 Panshot/Galileo MC

Jewdysee - 5773

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Klassische jüdische Musik wurde nicht zum ersten Mal tanzbodentauglich gemacht. Spätestens seit Watcha Clan und Shantel wird den meisten diese Form jüdischer Musik ein Begriff sein. Allerdings geht die Deutsch-Israelin Maya Saban mit ihrer Band Jewdyssee dabei in einer ganz neuen Qualität vor. Das Album ist kein Sammelsurium an Klezmer-Remixen, es ist ein Album das die sich in den letzten Jahren entwickelte neue "Yiddishkait" mit aller Kraft unterstreicht. Bekannte Klassiker wie "Hava Nagila" oder "Bei mir bist Du schejn" erleben ihre Renaissance in Form von Clubmusik, gespickt mit populären Elementen, wie sie uns von Electro Swing und Global Beats bekannt sind, und das, ohne ihre musikalische Tradition zu vernachlässigen. Wenn man zum Beispiel das Lied "Yankele" in all seiner Traurigkeit bei Künstlern wie Giora Feidman erleben durfte, wird man von der Fröhlichkeit Jewdyssee's stampfender Beats des gleichen Liedes vollkommen überrascht und zum Tanzen aufgefordert. Der Erfolg von Jewdyssee's Debut kommt nicht von ungefähr: Maya Saban ist schon mehrere Jahre in der deutschen Musikszene zuhause. Neben Kooperationen mit großen Namen wie Söhne Mannheims, 3P, Lena Meyer Landrut und sogar Disney hat sie es auch schon zu zwei Solo Alben geschafft. Die Singleauskopplung "Das alles ändert nichts daran" hatte nach einer hohen Chartplatzierung sogar den Weg in Singstar für die Playstation gefunden und bleibt damit ein Evergreen in deutschen Wohnzimmern. Nach dieser relativ chartorientierten Musik war Mayas Intention, jüdische Musik für den Club aufzuarbeiten, nicht nur aus dem Grund heraus geboren, ihre jüdischen Wurzeln musikalisch aufzuarbeiten, sondern auch aus dem Bedürfnis heraus, Berührungsängste zur jüdischen Kultur abzubauen. Jewdyssee ist, wie der Name bereits vermuten lässt, eine Odyssee durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Traditionelle Musik wird mit gegenwärtigen musikalischen Mitteln zu einer noch nie da gewesenen Zukunftsmusik geformt. Ein schönes Zeugnis aus Berlin.

(Autor: Nellski)

Jewdysee im Internet: myspace
 

CD der Woche vom 02. bis 08. Juli 2012 | (EAN 8429768011370) 2012 Nubenegra / Megaphon

Mariem Hassan - El Aaiún Egdat

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Sie ist DIE musikalische Stimme der Sahrauis - Mariem Hassan, die Stimme eines Volkes, das seit über drei Jahrzehnten zum überwiegenden Teil gezwungen ist, im Exil zu leben. Geboren wurde sie 1958 als drittes von zehn Geschwistern einer Nomaden-Familie in der damaligen spanischen Kolonie West-Sahara. Mit 18 begann Mariem Hassan ihre Karriere als Mitglied der Gruppe Shahid El Hafed Buyema, mit der sie auch durch Europa tourte. Seit 1998 ist Mariem Hassan solistisch tätig, vor sieben Jahren erschien ihr erstes Solo-Album, das den internationalen Durchbruch zur Folge hatte. Heute lebt Mariem Hassan mit ihrer Familie in der Nähe von Barcelona. Musikalisch sind ihre Lieder mit dem Wüsten-Blues der Touareg verwand. Ihre Songs drehen sich - natürlich - immer wieder um die dramatischen Lebensumstände der Sahrauis, die seit Jahrzehnten einem vom Rest der Welt fast vergessenen Konflikt ausgliefert sind, der inzwischen kaum mehr lösbar scheint. Auf der Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 wurde die West-Sahara Spanien zugesprochen. Nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 zog sich Spanien aus seiner Kolonie zurück, die sofort von den Nachbarländern Marokko und Mauretanien beansprucht wurde, die von Norden und Süden her einmarschierten. Dagegen erhob sich die Befreiungsorganisation der Sahrauis, die schließlich den Abzug der mauretanischen Truppen erreichte. Marokko aber hält bis heute etwa zwei Drittel der West-Sahara besetzt und hat seit 1975 über 100.000 Marokkaner dort angesiedelt. Daraus resultiert das größte Problem für das seit Jahrzehnten von der UNO geplante Referendum über die Unabhängigkeit des Landes: Es muss geklärt werden, wer zur Stimm-Abgabe berechtigt ist, und aus demografischen Gründen läuft die Zeit gegen die Sahrauis, denn diejenigen, die schon 1975 in der West-Sahara lebten, werden weniger, ihre Nachkommen kennen zum großen Teil nichts als die Flüchtlingslager im Exil, während in der West-Sahara selber die zweite Generation von Marokkanern heranwächst, die bereits im Land geboren wurde und es als ihres betrachtet.

(Autor: Wolfgang König)

Mariem Hassan im Internet: WOMAD page
 

CD der Woche vom 25. Juni bis 01. Juli 2012 | (EAN 8435046257507) 2012 Ojo / Galileo

Lara Bello - Primero amarillo Después malva

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Kein "English man in New York" sondern eine "Spanish woman" beschert uns vom Big Apple aus unsere CD der Woche. Hinter dem poetischen Albumtitel - "Erst gelb, dann mauve/malvenfarbig", einer Metapher für die Lebenszyklen und -veränderungen - steckt auch jede Menge musikalischer Poesie. Die aus Granada stammende Sängerin, Komponistin und Tänzerin nahm in New York zusammen mit ihrem musikalischen und privaten Partner, dem kolumbianischen Perkussionisten Samuel Torres, und einer handverlesenen Crew an Mitmusikern dieses zweite Album unter eigenem Namen auf. Die Spanierin ist hörbar gut in der Lage, in ihre musikkulturellen Hintergründe, wie den Flamenco, arabische Musik und Jazz, die neuen, mannigfaltigsten Einflüsse ihrer multikulturellen Wahlheimat einzubinden. Die zehn Songs, nahezu komplett aus der Feder der Interpretin, lassen sich Zeit, ihre Atmosphären und Klanglandschaften zu entfalten, in denen sich Lara Bellos anmutiger Gesang genüsslich ausbreitet. Mit Hilfe etlicher exzellenter Instrumentalisten, darunter auch Gastmusikern wie dem ebenfalls in New York lebenden Harfenisten Edmar Castañeda aus Kolumbien oder dem franko-karibischen Sänger und Multiinstrumentalisten Gerald Toto entstand eine äußerst charmante, wahrlich panamerikanisch anmutende Liedersammlung, für die aus Latinjazz und Jazz geschöpft wird, wie auch aus afroperuanischer und kolumbianischer Musik, aus Tango, Samba oder Flamenco. Lara Bello vermag mit ihren Musikerfreunden eine neue, lebendige Brücke zu schlagen zwischen der Neuen und der Alten Welt, also Spanien. Mit Künstlern wie ihr verlängert sich die sogenannte "Ida y Vuelta" - das historische, nachhaltig prägende Hin & Her zwischen den Musikkulturen beider Territorien aufs Wohlklingendste und Lebendigste in die Gegenwart.

(Autorin: Katrin Wilke)

Lara Bello im Internet: homepage | myspace | facebook
 

CD der Woche vom 18. bis 24. Juni 2012 | (EAN 4029759077022) 2012 Content (Edel)

Salsa Fuerte feat. Ymaria - Salsa Fuerte

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Latin-Sounds aus Deutschland haben inzwischen Tradition. Man denke nur an Gruppen wie Los Dos Y Compañeros oder Bava Rio aus Bayern, Salsa Picante oder die Götz Alsman Band aus NRW und viele andere. Zu den interessantesten Formationen dieser Art gehört momentan Salsa Fuerte, deren Mitglieder in Stuttgart (Saxofonist Klaus Graf und Bassist Veit Hübner), Nürnberg (Drummer Joachim Leyh) und München (Trompeter Claus Reichstaller), aber auch in Amsterdam (Sängerin Yumarya) und New York (Pianist Gregor Hübner und Perkussionist Jerome Goldschmidt) wohnen. Mit diesem Hintergrund haben sie einen ganz eigenen Sound entwickelt. Zumal fast das gesamte Repertoir von den Musikern selbst geschrieben wird, die in der Regel auch noch in anderen Genres aktiv sind. Aufgenommen wurde die neue Scheibe im für seine Sound-Qualität berühmten Bauer-Studio von Ludwigsburg mit dem nicht weniger renommierten Klang-Zauberer Johannes Wohlleben am Mischpult. Noch mehr als auf den ersten beiden Salsa Fuerte-CD steht die Sängerin Yamarya im Mittelpunkt, die aus Curaçao stammt. Nicht zuletzt sie sorgt dafür, dass die Titel von Salsa Fuerte nicht nur musikalischen Tiefgang haben, sondern auch tanzbare Party-Musik sind.

(Autor: Wolfgang König)

Salsafuerte im Internet: homepage | myspace
 

CD der Woche vom 11. bis 17. Juni 2012 | (EAN 8030482000924) 2012 Ponderosa (Vertrieb Edel)

Vinicio Capossela - Marinai, Profeti e Balene

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Nicht zum ersten Mal, doch diesmal besonders ausführlich, sinniert der italienische Barde singend und musizierend übers Meer. Die 19, auf zwei CDs verteilten Moritaten von "Seeleuten, Propheten und Walen" (CD-Titel) sind stilistisch und atmosphärisch so vielfältig wie das Tun des Songpoeten selbst. Der 1965 in Hannover geborene, im norditalienischen Scandiano aufgewachsene, seit langem in Mailand lebende zierliche, stets Hut tragende Mann ist ein Büchernarr vor dem Herrn, schreibt außer Liedern auch Romane, Hörspiele, Theaterstücke oder Drehbücher. Mal nach Tom Waits, rockig-ungestüm, schräg-verzerrt, mal wie majestätisch orchestrierte Klassik, nach Zirkus, mal nach düsterer Nacht oder luftig-heiterem SingerSongwriting, stets jedoch wie aus einer anderen, eher alten Zeit klingen seine in Noten gefassten, diesmal vor allem von Herman Melvilles Büchern sowie Homers "Odysee" inspirierten Schelmengeschichten. Der sympathische Kauz umgibt sich, wie schon auf den früheren, quasi alljährlich erscheinenden Alben, erneut mit unzähligen guten Geistern - Kollegen diverser Ensembles, etwa eines Streichquartetts oder eines womöglich fiktiven "Drunken Sailor Choir". Nicht all diese im Studio Mitwirkenden können auch live mit von der Party sein. Jedoch ist auch bei den extrem amüsanten, überaus lohnenswerten Konzerten des zumeist am Klavier u.a. Tasteninstrumenten sitzenden Italieners immer eine Schar illustrer Instrumentalisten dabei, die für eine reichhaltige, farbenprächtige Ausgestaltung der Stücke sorgt. Theremin, singende Säge und weitere "Exotika" sind in dem großen Klangkosmos dieses Ausnahmemusikers anzutreffen, in dem Sirenen, betrunkene Matrosen und verliebte Oktopusse Tarantella, Rembetiko, Tango, Calypso oder Blues tanzen. Alles ist möglich, muss möglich sein bei Herrn Capossela, diesem zweifellos besonderen Troubadour innerhalb der italienischen Musikszene. Wer ihn kürzlich hier im Berliner "Huxleys Neue Welt" nicht live erleben konnte bei seinem einzigen Deutschlandkonzert, kann sich die dort vorgestellten Lieder nun also nochmal in aller Ruhe zu Gemüte führen.

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 04. bis 10. Juni 2012 | (EAN 0825646605729) 2012 Because (Warner)

Amadou & Mariam - Folila

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Ein schöner, von uns keineswegs gewollter Zufall ist die Gemeinsamkeit zwischen der Lissaboner Sängerin Dona Rosa, unserer vergangenen CD der Woche, und diesem Musikerpaar aus Mali. All drei Künstler sind blind - eine ihre Musik selbst nur bedingt prägende, doch für ihre jeweiligen Berufs- und Lebenswege durchaus bedeutende Tatsache. Sie würden heute wohl nicht weltweiten Popstarstatus genießen - zumindest nicht als Duo - wären sich die Sängerin Mariam Doumbia und der ebenfalls singende Gitarrist Amadou Bagayoko nicht als Jugendliche in der Blindenschule ihrer Heimatstadt Bamako begegnet. Seither bilden sie eine privat wie musikalisch starke Allianz, verschafften sich via Frankreich schließlich auch international Gehör mit ihrem 2005 veröffentlichten Album "Dimanche à Bamako". Beeindruckend, wie die beiden, stets von der eigenen westafrikanischen Mandinka-Tradition ausgehend, mit ihren zumeist in Bambara intonierten Songs unterschiedlichste Musikliebhaber wie auch Musiker aller nur denkbaren Genres ködern. Amadou & Mariam tourten mit Coldplay und U2, traten zur Friedensnobelpreis-Verleihung für Barack Obama auf und ließen ihre Alben von Manu Chao oder Damon Albarn (u.a. Kopf der Band Blur) produzieren. Doch ihre musikalische Weltläufigkeit lässt sich noch steigern, wie auf "Folila" (dt.: Musik) gut zu vernehmen. Gemeinsam mit Kollegen ihres Heimatkontinents sowie aus dem Rest der (westlichen) Welt, darunter Sänger und einstiger Kopf der Band Noir Desir, Betrand Cantat, Funk- und Soulmusiker Amp Fiddler oder Hiphop-Newcomer Theophilus London, nahm das "Traumpaar" (siehe Plattencover!) in Bamako und New York 13 wunderbare Songs auf: Vollmundiger, gut abgehangener Global Pop - im wahrsten, weltumspannendsten Sinne dieses Wortes - eine reichhaltige, Rock und Pop, Afrobeat, Funk, Blues oder HipHop enthaltende Melange. Gegen den ursprünglichen Plan, in beiden Städten jeweils ein Album mit den Musikern vor Ort aufzunehmen, entschied sich das Duo für den organischen Schulterschluss auf einem Album - gut so!

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 28. bis 03. Juni 2012 | (EAN 4006180430923) 2012 Jaro

Dona Rosa - Sou Luz

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Dass uns Musik aus allen nur denkbaren Ecken, Stilrichtungen und Traditionen der Welt mit immer größerer Selbstverständlichkeit zu Ohren kommt, ist mitunter abenteuerlichen, teils märchenhaften "Entdeckergeschichten" zu verdanken. Dona Rosa verdiente sich Jahre lang mit ihren eher elegischen, allein auf der Triangel begleiteten Gesängen in Lissabons Fußgängerzone ihr Geld. Eines Tages befand sich unter den vorbeikommenden Touristen u.a. Passanten André Heller. Der bekannte Wiener Allround-Künstler (u.v.a. Schauspieler, Sänger und Kulturveranstalter) engagierte damals, 1999, die blinde Portugiesin vom Fleck weg für eine Fernsehproduktion namens "Stimmen Gottes. Spirituelle Musik aus aller Welt". Heute, vier Alben später (alle beim Bremer Label Jaro erschienen), klingt die Stimme der kleinen korpulenten Mittfünfzigerin nicht minder eigen und seelenvoll, angenehm ungeschliffen und doch kunstfertig. Für die aus einer armen Lissaboner Familie stammende Sängerin war jene Zufallsbegegnung vor allem ein existenziell folgenreicher Glücksfall, der im Laufe der Zeit auch neue künstlerische Perspektiven eröffnete, wie in den zwölf Liedern des neuen Albums hörbar. Längst ist sie von einer Schar einfühlsamer Instrumentalisten umgeben, vorneweg den Brüdern Raul und José Abreu - langjähriger Gitarrist und Komponist der eine, wichtigster Liedtexter von Dona Rosas Repertoire der andere. Bisweilen möchte man meinen, die auf den Straßen entfachte und an die dortige Ungezwungenheit gewöhnte Sangeskunst von Dona Rosa ließe sich gar nicht in "gepflegte", der portugiesischen wie auch anderen südländischen Liedkulturen verbundene Instrumentierungen einbinden, "gefangen nehmen". Und doch gelingt dies in diesen neuen Liedern, die mal zurückgelehnt, mal heiter und für Dona Rosas Verhältnisse geradezu flott daherkommen. Mit viel Poesie wird der thematische rote Faden dieses Albums gestrickt: Das innere, andere Licht, das wohl eher den Nichtsehenden vorenthalten bleibt, das Sehen können mit geschlossenen Augen. Nach einem von Dona Rosa neuarrangierten Traditional, in alter Manier intoniert mit nichts als Triangelbegleitung, nimmt uns die Sängerin im letzten Stück des Albums für fünf Minuten mit in ihr Leben. Spricht, musikalisch umrahmt, mit gelassen-klarer Stimme vom Erblinden als Kind - ausgerechnet beim "Blinde Kuh"-Spielen, wie die Mutter meinte - und von ihren späteren Alltagserfahrungen und Wahrnehmungen als Blinde. Ein kleiner, feiner Luxus für die Künstlerin wie für ihr Publikum, dass dieses Konzeptalbum seine Live-"Taufe" ausgerechnet beim zweiten, vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband organisierten Louis Braille Festival der Begegnung am 2. Juni im Berliner Tempodrom erleben wird.

(Autorin: Katrin Wilke)

Dona Rosa im Internet: myspace
 

CD der Woche vom 21. bis 27. Mai 2012 | (EAN 730003308925) 2012 Strut

Ebo Taylor - Appia Kwa Bridge

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Als Künstler mit Mitte siebzig noch mal international durchstarten? Die Senioren vom kubanischen Buena Vista Social Club haben es in den 90ern vorgemacht, blieben allerdings auf der Bühner vom Alter her mehr oder weniger unter sich. Ebo Taylor, Gitarrist und Sänger aus Ghana, hat mit der Afrobeat Academy aus Berlin für seine internationalen Tourneen eine Band, deren Mitglieder seine Kinder sein könnten, was im Falle des Keyboarders Henry Taylor sogar zutrifft. Und wer sieht, wie Ebo Taylor über die Bühne fegt, kann sich nur wünschen, selber mit 76 noch genau so fit zu sein. Ebo Taylor stammt aus der Universitätsstadt Cape Coast am zentralen Abschnitt der ghanaischen Atlantikküste. In den frühen 1960er Jahren studierte er Musik in London, wo er mit seinem Kommilitonen Fela Kuti aus Nigeria die Black Star Band leitete. Wieder zurück in Ghana war Ebo Taylor als Komponist, Arrangeur, Produzent und musikalischer Direktor für dieverse Highlife- und Afrobeat-Stars tätig, z.B. für Pat Thomas, C.K. Mann oder die Uhuru Band. Das brachte ihm den Beinamen ?Quincy Jones der ghanaischen Musik? ein. In den 90ern wurde es stiller um Ebo Taylor, denn das ghanaische Publikum stand mehr auf Hiphop und House als auf solide handgemachte Musik. Um zu überleben, nahm er einen Job an der Universität von Accra an, wo er Musik unterrichtete und die Studentenband leitete. Der Wendepunkt kam 2008, als Ade Bantu und die Afrobeat Academy aus Berlin in Accra auftraten und Ebo zum Konzert einluden, weil sie einige seiner Stücke spielten. Daraus entstand die Idee, in Berlin eine Platte mit ihm zu produzieren. Das Album "Love And Death" erschien 2010 und war bei uns auch CD der Woche. Jetzt ist der Nachfolger "Appia Kwa Bridge" in die Läden gekommen, wieder mit Afrobeat - allerdings mit einem stärkeren Highlife-Einfluss. Denn für Ebo Taylor ist Afrobeat nicht das Eigentum von Fela Kuti und seinen Kindern, sondern ein Stil, der viele Varianten hat. Aussprache-Hinweis: Bei Appiah liegt die Betonung auf dem i.

(Autor: Wolfgang König)

Ebo Taylor im Internet: myspace
 

CD der Woche vom 14. bis 20. Mai 2012 | (EAN 8714835090359) 2011 Skycap / Zomba

Mdungu - Gambian Space Program

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Gambian Space Program ist das zweite Album der Amsterdamer Gruppe Mdungu, deren Mitglieder aus den Niederlanden, Luxemburg, Spanien und Gambia kommen und Erfahrungen aus diversen Stilen mitbringen: Jazz, Rock, Flamenco, Grunge, Salsa, Afro-Pop und sogar jüdische Musik, denn Rapper und Saxofonist Job Chajes ist auch Mitglied der Amsterdam Klezmer Band. Gegründet wurde Mdungu 2003 vom Saxofonisten Thijs van Milligen mit einem klaren Konzept: Afro-Funk mit garantierter Tanzbarkeit. Dafür steht die Band bis heute. Gambian Space Program ist das zweite Mdungu-Album. Der Name ist eine kleine Übertreibung, hat aber einen wahren Kern, denn er bezieht sich auf die Blütezeit des Space Shuttle-Programms der USA. Damals legte die NASA in verschiedenen Teilen der Welt Notlande-Plätze für die US-Raumfähren an. Perkussionist und Sänger Ebou Gaye Mada erinnert sich wie viele seiner Landsleute noch heute an das gleißende Neonlicht, das am Stadtrand von Banjul aufflammte, wenn ein Space Shuttle-Start oder eine Landung anstand. Wie sich das Gambian Space Program live anhört, kann das Berliner Publikum beim Mdungu-Konzert am Freitag, dem 18. Mai ab 20.00 im Kesselhaus der Kulturbrauerei erleben.

(Autor: Wolfgang König)

Mdungu im Internet: homepage | facebook | YouTube
 

CD der Woche vom 07. bis 13. Mai 2012 | (EAN 5060091551268) 2012 Soundway Records / Indigo

Los Míticos del Ritmo

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"Die Mythischen des Rhythmus" - der Name von Quantics siebenköpfiger Studioband versetzt einen, wie auch das verschnörkelt-braune CD-Coverfoto, in vergangene Zeiten. Genauso wie die Musik selbst: zehn gut abgehangene, mit der Ästhetik der 60er kokettierende, tropisch schwüle Cumbias. Gestaltet mit dem für diese ursprünglich kolumbianische, heute in aller Welt kultivierte Musik traditionelle Instrumentarium - vorneweg dem flirrend klingenden, mitreißenden Akkordeon, gespielt vom Mastermind dieser Aufnahme und dieses Projekts. Quantic lernt dieses Instrument seit knapp fünf Jahren, teils bei großen Meistern Kolumbiens und Panamas, und spielt es nun erstmals eine Albumlänge lang. Der seit 2007 im kolumbianischen Cali lebende Musik-Exilant kümmert sich seit langem um die Wiederbelebung des 60er und 70er Soul, hat sein Herz desweiteren an die reichhaltige Musik Kolumbiens verloren und vermag, in vielen seiner Aktivitäten diese verschiedenen Interessen zu bündeln. Diesmal hat die Cumbia die Nase vorn, die Quantic seit langem intensiv am Ursprungsort erforscht. Auf der Basis dieses Wissens vermag er dann auch, mit seinen exzellenten kolumbianischen Musikerkollegen, Popklassiker wie Michael Jackson?s "Don?t Stop" oder Queen?s "Another One Bites The Dust" souverän ins Cumbia-Fach zu überführen. Ein Spaß für jeden Fan von originellen Covers.

(Autorin: Katrin Wilke)

Quantic im Internet: homepage | facebook
 

CD der Woche vom 30. April bis 06. Mai 2012 | (EAN 876623006534) 2012 Crammed Discs / Indigo

Balkan Beat Box - Give

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Vor ein paar Jahren war die in New York gegründete Band Balkan Beat Box am Balkan-Revival mit ihrem ersten Album, welches kein geringerer als Shantel auf seinem eigenen Label veröffentlichte, maßgeblich beteiligt. Mit ihrem dritten Album "Give" veröffentlichten die Jungs, die mittlerweile New York den Rücken gekehrt haben, das globalisierteste Soundkompendium seit ihrer Gründung. Wer den alten, groovigen Balkansound sucht, wird auf diesem Album kaum fündig. Schon mit ihrem letzten Album wanderte ihr musikalischer Fokus mehr in Richtung Hip Hop, Ragga und elektronischer Clubmusik. Mit "Give" sind Ori Kaplan (Ex-Gogol Bordello), Tamir Muskat (Ex-Firewater) und Frontmann Tomer Yosef diesen Weg kompromisslos weiter gegangen. Noch mehr musikalische Einflüsse aus aller Welt ließen die Worldbeat-Bastler in ihren progressiveren Songstrukturen einziehen und vermischten die tanzbodentauglichen Beats mit sozial und politisch engagierten Texten. Sie thematisieren lautstark die Finanzkrise und den arabischen Frühling und rebellieren mit unmissverständlichen Statements voll offener Wut, wie z.B. in den Stücken "Political Fuck", "Enemy In Economy" und "Money". Dass auf dem Cover ein Megaphon in Form einer Kalaschnikow prangt, ist nur konsequent. Es ist aber nicht nur Wut, die ihre Musik beflügelt hat, es steckt auch viel Hoffnung darin, was man am stärksten im Lied "Part Of The Glory" spüren kann, welches von wunderbaren Talenten handelt, die jeder in sich trägt und versucht, erfolgreich in die Tat umzusetzen - und sei es mit einem Video auf Youtube. Am 12. Mai sind Balkan Beat Box in Berlin zu ihrem Konzert im Lido.

(Autor: Nellski)

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CD der Woche vom 16. bis 29. April 2012 | (EAN 3149027000529) 2012 Jazz Village (Harmonia Mundi)

Roberto Fonseca - Yo

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Alles andere als eine Nabelschau betreibt der visionäre, virtuose Pianist Roberto Fonseca aus Havanna da auf seinem neuen Album. Auch wenn dessen Titel "Yo" (ich) und der nackte Oberkörper des ernst drein blickenden Kubaners auf dem Cover vielleicht in eine solche, egozentrische Richtung denken lassen. Die Hände sind ausgesteckt und zeigen: Das ist, was ich bin, was ich geben kann und möchte - ganz unverhüllt und bloß. Und der einstige Buena-Vista-Tastenmann, seinerzeit als Nachfolger von Rubén González der mit Abstand jüngste, nicht minder erfahrungsreiche im Bunde dieses erfolgreichen Ensembles, hat musikalisch und auch spirituell erneut viel zu geben. Auch nicht im Alleingang, sondern in kreativer Gesellschaft etlicher Seelenverwandter - neben Landsleuten, vor allem Musikern afrikanischer und arabischer Couleur - ist ein überaus facettenreiches, ja, komplexes Werk entstanden. Der mit afrokubanischen Traditionen, Jazz, Rock und HipHop vertraute Fonseca, der kürzlich seinen 37. Geburtstag beging (nicht zuhause in Havanna, sondern mitten auf seiner Europa-Tour...), war in seinem Tun - als Instrumentalist wie auch als Produzent - von jeher musikalisch weltgewandt. Allerdings schöpft Fonseca auf "Yo" deutlicher denn je aus den vielen, beim weltweiten Reisen gesammelten Erfahrungen, z.B. auch aus der Zusammenarbeit mit dem renommierten Londoner Radio-DJ und Musikproduzenten Gilles Peterson bei dessen "Havana-Cultura"-Projekt. Der hat nun auch bei den Aufnahmen von Fonseca mitgewirkt, genauso wie die Sängerin Fatoumata Diawara und der wie sie aus Mali stammende Ngoni-Spieler und Perkussionist Baba Sissoko, der Kora-Spieler Sekou Kouyate aus Guinea, der franco-algerische Raï-Sänger Faudel oder der Orchestra-Baobab-Sänger Assane Mboup aus dem Senegal. Die 14 Stücke, zwei Remixe inklusive, kreieren und zelebrieren eine eigene, modern wie archaisch klingende Allianz, in der Mutter Afrika, das afrokubanische Kuba sowie weitere afroamerikanische Spuren ganz neu und musikalisch unerhört zusammenkommen. Die Zuckerinsel ist bekanntermaßen reich an großartigen Musikern, doch sind darunter (leider) nicht allzu viele künstlerisch so verwegene, experimentierfreudige Persönlichkeiten, die - trotz des Erfolgs - noch dazu menschlich so natürlich und bescheiden geblieben sind wie Roberto Fonseca. Der ist mit dem Repertoire seines neuen Albums derzeit in Europa unterwegs und auch für ein paar Konzerte in Deutschland, u.a. am 29. April im unweit von Berlin gelegenen Neuhardenberg.

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 09. bis 15. April 2012 | (LC 06358) 2012 Küss Mich Musik

Djab Makay - Go Africa

Der in Mali geborene Djab Makay ist Schriftsteller, Illustrator und Musiker. Mit seinem neuen Album "Go Africa" kleidet er nicht nur die Fragen afrikanischer Migranten in Musik und Worte. Poetisch kreativ stellt er fest "Wir sitzen alle im gleichen Boot" (We are in the same boat) und schichtet diese Erkenntnis zwischen moderne und lebendige Rhythmen, die sich in ihrer klanglichen Vielfalt weit außerhalb der für Mali typischen Bluesstimmung bewegen. Mit "Go Africa" folgt Djab Makay den ausdrucksstarken Fährten, die die erzählenden Sänger, die Griots, überall auf dem afrikanischen Kontinent ausgelegt haben.

 

 

(Autor: Gerhard Müller)

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CD der Woche vom 02. bis 08. April 2012 | (EAN 0673790028402) 2012 Chat Chapeau nouveau

!DelaDap - I Know What You Want

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Wenn es um urbanen Balkan-Sound geht, sind !DelaDap Pioniere der ersten Stunde. Nicht umsonst erschien diese international besetzte Wiener Formation 2003 zeitgleich mit Shantels inzwischen legendärer erster Bucovina-Club-Compilation auf der Bildfläche, und ähnlich wie sein Frankfurter DJ-Kollege versteht sich auch der aus Tschechien stammende Produzent Stani Vana als Trendsetter in Sachen musikalischen Brückenschlägen zwischen Ost und West, Tradition und Moderne, Lokalem und Globalem. Charismatische Frontfrau von "I know what you want", dem vierten Studioalbum von !DelaDap, ist einmal mehr die ungarische Sängerin Melinda Stojka. Das Konzept der Verbindung von traditioneller Roma-Musik mit elektronischen Club-Sounds und vielfältigen, oft überraschenden, aber stets stilsicher eingewobenen musikalischen Elementen hat auch im zehnten Jahr des Bestehens der Band nichts von seiner Frische, Dynamik und Innovationskraft eingebüßt. Der diesmal starke Swing-Akzent wirkt, ungeachtet des aktuellen Revivals dieses Genres, auch deswegen so unwiderstehlich zeitgemäß, weil er zugleich eine organische Weiterentwicklung früherer künstlerischer Statements darstellt. Wie es sich für ein Konzeptalbum gehört, auf dem kein Song wie der andere klingt, versammelt der in der Szene bestens vernetzte Vana wieder eine illustre Gästeschar, u.a. Marko Markovic, Russkaja-Sänger Georgiji Makazaria und Ex-Ojos-de-Brujo-DJ Panko Gabas. Und spätestens mit der Teilnahme am österreichischen Vorentscheid zum diesjährigen Eurovision Song Contest hat dieses zwar Dancefloor-, aber alles andere als Mainstream-orientierte Projekt auch seine Chart-Tauglichkeit unter Beweis gestellt.

(Autor: Clemens Grün)

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CD der Woche vom 26. März bis 1. April 2012 | (EAN 657036118522) 2012 Six Degrees/Exil Indigo

Céu - Caravana Sereia Bloom

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Rätselhaft schön, ein wenig hippiesk oder nach Zirkus klingt der Name der dritten CD von Céu. Und tatsächlich schnuppert die Sängerin aus São Paulo, die mit vollem Namen Maria do Céu Whitaker Poças heißt und am 17. April 32 wird, in ihren 13 neuen Liedern hier und da auch Zirkusluft. Z.B. in "Palhaço", einem alten Samba über einen traurigen Clown, der nicht mehr auftreten möchte. In diesem naturbelassenen Song wird Céus sirenhaft-sanfter Gesang nur von einer Akustikgitarre und subtilen Elektro-Sounds umspielt. Abgesehen von diesem und einem weiteren Klassiker, "You won't regret it", einem Rocksteady-Track von Lloyd Robinson und Glen Brown, wurden alle übrigen zehn Lieder von Céu oder einigen ihrer Musikerfreunde komponiert. Die Paulista, die vor wenigen Jahren Mutter wurde, frönt genüsslich einer Langsamheit, einer tranquilidade, fernab des üblichen brasilianischen Temperaments bzw. des Klischees von tropischer Ausgelassenheit. Mit ihrem sehr eigenen, gedankenvollen SingerSongwriting, angereichert mit retro-rockigen und -souligen, psychedelischen Klängen, mit Samba und Dub, fährt die junge Musikerin seit ein paar Jahren überaus erfolgreich. Caetano Veloso etwa hält die Kollegin für die "Zukunft der brasilianischen Musik". Und wie schon auf dem 2009 erschienenen Vorgänger "Vagarosa" nimmt einen die Frau mit dem buchstäblich himmlischen Namen (Céu heißt Himmel) auch diesmal wieder mit auf eine verführerische Klangreise, die mit vielen kleinen-feinen Überraschungen, mit unterschiedlichsten Stimmungen und Atmosphären aufwartet. Alles sehr einfühlsam und wohldosiert ausgetüftelt, arrangiert und in die Tat umgesetzt mit einer Handvoll vertrauter Musiker. Darunter auch der Multiinstrumentalist und Elektronik-Bastler Gui Amabis, Céus musikalischer wie privater Partner und Vater ihrer Tochter Rosa, mit dem sie das Album auch gemeinsam produziert hat. Innerhalb ihrer aktuellen Europatour ist die Brasilianerin auch für einige Termine in Deutschland, z.B. am 27. März im Berliner Lido.

(Autorin: Katrin Wilke)

? free download: Céu - retroviser

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CD der Woche vom 19. bis 25. März 2012 | (EAN 4006180430725) 2012 JARO

Red Baraat - Chaal Baby

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Immer wieder mal erweist sich das Bremer Label JARO als wahres Trüffelschwein im ständig weiterwuchernden Wildwuchs der Musik. Zuletzt etwa beim Ans-Licht-Bringen der Wahl-Pariser Sängerin Aldona aus Polen und nun mit dieser "Bhangra Funk Dhol'n'Brass"-Band aus New York. Nichts, was es musikalisch nicht gäbe am Big Apple. Red Baraat, dieses aus teils indischstämmigen US-Amerikanern bestehende Nonett, zelebriert unter Federführung des Dhol-Trommlers Sunny Jain seit 2008 von Brooklyn aus seine urbane, moderne Variante traditioneller, perkussionslastiger Musik aus dem Punjab. Darüber hinaus spielt man (buchstäblich!) mit Pauken und Trompeten Bollywood-Klassiker sowie Eigenkompositionen - ursprünglich zu Hochzeitspartys und mittlerweile auch längst auf der Konzertbühne. So war die Band im 2011er Sommer in den USA der ultimative Festivalkracher. "Baraat" bedeutet auf Hindi "Hochzeitsumzug" - traditionell in Nordindien wichtiger Bestandteil des Feierns - der von einer Dholi- und/oder Marschkapelle geleitet wird. Spätestens für seine eigene Hochzeit hatte Jain keine Lust mehr aufs übliche Diaspora-Line Up: eine Dhol-Trommel oder einen DJ. So rekrutierte er aus Familien- und Freundesumkreis eine 30-köpfige Umzugskapelle. Red Baraat war geboren und avancierte im Handumdrehen zur gefragtesten Baraat-Band. Und schon bei den ersten Takten der insgesamt elf Tracks (darunter zwei Liveaufnahmen) ist klar: Ob Inder oder nicht, ob heiratswillig oder nicht: man muss einfach schwofen zu diesen teils instrumental, teils mit hintergründigen Gesangsspuren oder gerappten Parts gestalteten Kompositionen. Und die tönen weit über Bhangra & Co. hinaus gen Funk, Jazz und Latin, angetrieben von diverser Perkussion, von Saxofonen, Trompeten, Posaune und Sousaphon. Und wer nach dieser CD-der-Woche-Woche noch nicht genug und womöglich kein Exemplar dieses wundervollen Albums gewonnen hat: Diese Band tourt mit ihrer live ohnehin viel freier atmenden Musik im fortgeschrittenen Frühling durch unsere Breiten (z.B. 22. Mai Bi Nuu, Berlin).

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 12. bis 18. März 2012 | (EAN 4260162630101) 2012 Buyu-Records

Kojato - All about Jazz

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Der Sänger und Percussionist Kojo Ebenezer Samuels, Jahrgang 1943, verließ in den 60er- Jahren sein Heimatland Liberia und landete über den Umweg der USA in Deutschland. Das von dem Braunschweiger Electro-Bossa-Spezialisten Oliver Belz (The Bahama Soul Club) und dem Keyboarder André Neundorf produzierte Album "All About Jazz" verbindet den Afrobeat Fela Kutis mit aktuellen Clubs-Sounds. Eine typische, glattgebügelte Lounge-Scheibe ist das Album, bei aller professionellen Lässigkeit, aber keineswegs, sondern überaus stimmungsvoll, tanzbar, abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail produziert. Hier klingt der Soul der 60er durch, dort der Funk der 70er. Django Reinhardts Gypsy Swing, Duke Ellingtons Klavierläufe, James Browns R'n'B, Latin, Ska, und Afro-Jazz werden von den locker groovenden, mit deutschen Jazzmusikern besetzten "Afro Latin Cougaritas" in zehn Tracks und einem Remix mit beeindruckender Spielfreude und Sinn für den stilvollen Brückenschlag integriert. Kojos prägnante Soulstimme erinnert an den im letzten Jahr verstorbenen Gil Scott-Heron. Ganz programmatisch beginnt er sein Album mit den Worten: "Musik ist die Tür zur Flucht aus einer verrückten Welt." Als Fluchthelfer leistet der Jazz ihm hier wertvolle Dienste, doch die Mission dieses mit seinen bald 70 Jahren weithin unbekannten Talents ist, ihn in all seinen Spielarten auszuloten.

(Autoren: Dirk Zschoche & Clemens Grün)

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CD der Woche vom 5. bis 11. März 2012 | (EAN 790248031521) 2012 Putumyao / Exil / Indigo

Brazilian Beat

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Brasilien ist praktisch ein Kontinent für sich - sowohl von der Größe als auch von seiner kulturellen Vielfalt her, einschließlich der musikalischen. Das Album "Brazilian Beat" präsentiert einen interessanten Einblick in die aktuelle Musikszene der größten Nation Lateinamerikas, von Newcomern wie Bruna Caram bis zu immer noch aktiven Veteranen wie Marcos Valle oder Leo Gandelman. Künstler aus den brasilianischen Metropoloen Rio de Janeiro und São Paulo sind ebenso vertreten wie Kolegen aus der Diaspora in Rom, Paris oder New York. Und fast immer gibt es originelle Symbiosen von Samba-Tradition und elektronischen Beats. Ein extrem hörenswertes Kompedium der brasilianischen Musik des frühen 21. Jahrhunderts.

 

(Autor: Wolfgang König)
 

CD der Woche vom 27. Februar bis 4. März 2012 | (EAN 707787911221) 2012 In-Akustik

Hugh Masekela - Jabulani

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Der Flügelhorn-Virtuose und Sänger Hugh Masekela ist seit dem Tod seiner Ex-Gattin Miriam Makeba zweifellos der international renommierteste Vertreter der südafrikanischen Musikszene. Sein neues Album ist eine Aufforderung zum Glücklichsein, denn ''Jabulani'' heißt in der Sprache der Zulus schlicht und einfach:''Sei glücklich!'' Die meisten Songs der Platte sind traditionelle, modern arrangierte Hochzeitlieder aus Südafrika. Dort sind Hochzeiten nach wie vor Höhepunkte nicht nur im Leben von Personen, sondern von ganzen Gemeinschaften. Zu Hugh Masekelas frühesten Kindheits-Erinnerungen gehört die Hochzeit seiner Groß-Kusine Lilly, als er 4 Jahre alt war. Einen Monat lang feierte die ganze Nachbarschaft das Ereignis mit Essen und Trinken, mit Liedern und Tänzen. Bis heute zahlen junge Männer den Eltern der Braut Lobola, den Brautpreis, auf dem Dorf immer noch zumeist in Form von Vieh. Hugh Masekela sieht die neue CD' 'Jabulani'' auch als Teil von dem, was er ''heritage restoration'' nennt, Bewahrung des kulturellen Erbes von Südafrika, das zu verschwinden droht, wenn es nicht bewusst am Leben erhalten und erneuert wird.

(Autor: Wolfgang König)

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CD der Woche vom 20. bis 26. Februar 2012 | (EAN 4260269560028) 2012 Munka Munka-Records

BudZillus - Auf Gedeih & Verderb

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"Auf Gedeih und Verderb" ist bereits das zweite Studioalbum von Budzillus. Seit ihrer Gründung als Hochzeitskapelle vor sieben Jahren ist die fünfköpfige Combo um die Sänger Kristian Zepplin und Kommodore Kondorosi aber vor allem als energetische Live-Band mit einer eine Vorliebe für selbstgebaute Instrumente und skurrile Bühnenoutfits aufgefallen. Nach einschlägigen Straßenmusikerfahrungen und zahlreichen Auftritten, unter anderem als inoffizielle Hausband der legendären Bar 25, haben Budzillus inzwischen auch musikalisch ihren eigenen Stil kreiert, der sich im Grenzbereich zwischen Swing, Surf, Balkan und Orient verorten lässt. Ihre auf Deutsch und Englisch gesungenen Kommentare zu Globalisierung und Bankenkrise, unter anderem in einer erstaunlich tagesaktuellen Schiffsuntergangsballade, sind so ironisch wie vieldeutig. Einerseits repräsentieren Budzillus gestresste Großstadt-Bohemians, deren "Aktien schlecht stehen", andererseits schlägt im lyrischen Ich ("Ich steck lieber tief im Dispo, als im Berufsverkehr.") ein echtes Punkerherz.

(Autor: Clemens Grün)

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CD der Woche vom 13. bis 19. Februar 2012 | (EAN 886788126824) 2012 Maik Maier

Giulia y Los Tellarini - L'Arrabbiata

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Neuigkeiten aus der musikalischen "Mestizo"-Metropole Barcelona! Ans Licht gebracht von einer Band, die allerdings eher abseits dieser lustig-derben, politisch korrekten, in Manu Chaos Geiste agierenden Szenerie zu suchen ist. Dabei charakterisieren Giulia und ihre derzeit sechs Tellarini durchaus auch einige dieser typischen "Mestizo"-Merkmale: Die zwölf neuen Songs ihres zweiten Albums offenbaren einen stilistisch bunten, teils party-tauglichen Mix aus Swing, Chanson, Singer Songwriting, Flamenco, Bossa Nova und vielem anderen mehr. In den fast durchweg aus der Feder der singenden Frontfrau stammenden Liedpoesien sucht man jedoch vergebens nach den üblichen politischen oder sozialkritischen Weltverbesserernachrichten. Giulia Tellarini, die seit längerem in Barcelona lebende Italienerin mit u.a. französischem Background, "begnügt" sich mit den Geschichten, die sie in ihrem Viertel umgeben, die ihr im Alltag begegnen. Sie verstünde ja schon sich selbst, ihre eigenen Widersprüche nicht, wie solle sie dann die auf dieser Welt beschreiben.. So äußerte sich lachend die Akkordeon spielende Sängerin im Interview mit Radio multicult.fm. Das gesamte Gespräch ist zu hören in der Sendung Senti-Mental (Die Originalsendung vom 12. Februar wird am 14. Februar um 20 Uhr wiederholt.). Und wer jetzt immer noch nicht weiß, von wem hier die Rede ist, dem ist vielleicht noch der Song "Barcelona" aus Woody Allens Film "Vicky Christina Barcelona" im Ohr. Diese charmante, sympathisch eigenwillige Liebeserklärung an die katalanische Metropole, intoniert von Giulia mit ihrem so markanten, wie luftigen Stimmchen, prägte den Soundtrack dieses Films maßgeblich. Und auch den weiteren Weg von Giulia y Los Tellarini, dieser viele Nationalitäten umfassenden, damals noch eher informell und im Untergrund aktiven Band. Dass es ein Leben gibt nach dieser Erfolgsgeschichte in Verbindung mit dem New Yorker Regisseur, das beweist das neue Album "L'Arrabiata". Dessen Titel spielt an auf eine Wut, die - neben der Liebe, claro! - in mehr oder weniger fröhlicher Form mitschwingt in der Musik, sowie auf die bekannte, genauso scharfe wie leckere Soße dieses Namens. In diesem Sinne: Guten Appetit! Oder besser in den musikalischen Verkehrssprachen der polyglotten, durch einen Berlin-Aufenthalt auch des Deutschen mächtigen Giulia Tellarini: ¡Buen provecho! Bon appétit! Buon appetito! Enjoy your meal!

(Autor: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 06. bis 12. Februar 2012 | (EAN 808433000822) 2012 Media Luna

Addys Mercedes - Addys

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Auf dem nach ihr benannten, dritten Album erzählt Addys, jenseits bekannter Latino-Klischees, persönliche Geschichten. Rockgitarren ersetzen kubanische Percussion, Addys' warme Stimme schlägt die Brücke zwischen kubanischer Tradition und Indiepop. Addys Mercedes ist Europas renommierteste kubanische Sängerin & Songwriterin. Mit ihren Produzenten Cae Davis & Pomez di Lorenzo (Sasha, Dick Brave, 3 Echonominierungen) gelingt es Addys, unbeschwerte Popsongs mit der Wärme ihrer kubanischen Heimat zu verbinden. Addys' Talent blieb auch Künstlern wie Eric Clapton, Bob Geldof, Ringo Starr, Compay Segundo und Ibrahim Ferrer (Buena Vista Social Club) nicht verborgen, mit denen Addys und ihre Band durch 16 Länder tourte.

(Autor: Gerhard Müller)

 

 

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CD der Woche vom 30. Januar bis 05. Februar 2012 | (EAN 821895987425) 2012 Asphalt Tango

Zdob si Zdub - Basta Mafia!

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Von ihren bescheidenen Anfängen in den 90ern als moldawische Volksmusik-Ska-Punk-Band haben sie es mittlerweile zwei Mal geschafft, mit ihrer frischen und ideenreichen Musik am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Zdob si Zdub ist ein harter moldawischer Cocktail aus verschiedenen Kulturen und spiegelt die mannigfachen Ausdrucksweisen des multikulturellen Erbes am östlichen Rad Europas. Ihre Musik ist ein Cocktail aus Hip-Hop, Soul, Funk und Balkanbeats, sehr impulsiv, schnell und voller Power. Die Texte sind launig, spöttisch, und voller Protest. Man singt über das, was man lebt: Arbeit, Liebe, Kindheit, Natur, und Geschichte.

(Autor: Gerhard Müller)

 

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CD der Woche vom 23. bis 29. Januar 2012 | (EAN 821895987425) 2012 Connector Records

Los Dos y Compañeros - Salsa Guerrilleros

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Zur Salsa gehört der spanischer Gesang wie der Chilli zur Soße. Aber was wird daraus wenn sich Salsa und Merengue mit bayrischem Dialekt mischen? Gerade diese außergewöhnliche Kombination macht Los Dos Y Compañeros zu einem ganz besonderen musikalischen Erlebnis. Die zwölfköpfige deutsche Salsaband verbindet die Mundart ihrer Heimat mit dem Satzgesang und stilechten Latin- Arrangements. Kubanischen Klänge schmücken die "g'standenen Manna" aus Amberg und Umgebung mit Geschichten aus ihrem oberpfälzischen Alltag. Ein Orchester, das sowohl bei Fans, als auch bei Experten, keinerlei Wünsche offen lässt.

(Autor: Gerhard Müller)

 

Los Dos y Compañeros im Netz:
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CD der Woche vom 16. bis 22. Januar 2012 | (EAN 4250095800481) 2011 Galileo Music Communic.

Matuto - Matuto

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Country meets Country - auf unserer CD der Woche. Aber nicht, dass Johnny Cash gegen sich selber Tennis spielen würde. Nein, zwei ländliche Musiktraditionen - eine aus dem nordamerikanischen Osten, die andere aus dem brasilianischen Nordosten - finden in New York zusammen, verkuppelt von der dort ansässigen, im Kern fünf- bis sechsköpfigen Band Matuto. Bluegrass und andere Spielarten der ursprünglich von den Apalachen stammenden Country-Musik geben sich einen recht neuartig klingenden, fröhlichen Schlagabtausch mit dem Forró der "Cowboys" aus Pernambuco. In diesem Bundesstaat Brasiliens ist diese gut tanzbare "música nordestina" zuhause, zur der nicht nur in ganz Brasilien, sondern längst auch in vielen anderen Ecken der Welt geschwoft wird. Der Bandname, auch Titel des Debütalbums, steht im brasilianischen Portugiesisch für jemanden vom Dorf, einen Provinzler. Dabei hat diese klangliche, rhythmische und sprachliche Allianz so gar nichts Hinterwäldlerisches: Die erdige Zabumba-Trommel Brasiliens und Akkordeon, mal ganz waschecht "nordestino" gespielt, mal nach Cajun klingend, paaren sich ganz vortrefflich mit Bluegrass-Fiddle, Flöte, Hammond oder dem Cavaquinho, der kleinen Samba-Gitarre. Der italo-amerikanische Akkordeonist Rob Curto sammelte während eines langen Brasilien-Aufenthaltes viele, für dieses Projekt wichtige Erfahrungen, versteht sich darüber hinaus auch auf Rock, Blues, Funk und Swing. Der zweite Kreativkopf des personell recht offenen Unternehmens, der singende und unter anderem Gitarre spielende Clay Ross aus South Carolina nähert sich stärker vom Bluegrass aus der Sache, ist darüber hinaus mit diversen Worldmusic- und Jazz-Traditionen vertraut. Alleine mit den beiden kommt allerhand an Einflüssen zusammen. Ganz zu schweigen von den vielen weiteren beteiligten Instrumentalisten und Sängern - Nordamerikaner sowie in den USA beheimatete Brasilianer - die sich je nach Atmosphäre und Laune ins musikalisch bunte Geschehen mischen. Das vorliegende Songdutzend enthält Instrumentals sowie auf Portugiesisch oder Englisch intonierte Stücke, Traditionals, eigene und originale Forró-Kompositionen, wie "Retrato de um Forró" von Luiz Gonzaga, dem "Übervater" dieses Genres. Eine gelungene, quasi panamerikanische Begegnung auf Augenhöhe, oder noch schöner: eine Art spätes Familientreffen voller Vertrautheit zwischen dem Norden und dem Süden des Kontinents.

(Autorin: Katrin Wilke)

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CD der Woche vom 09. bis 15. Januar 2012 | (EAN 4250095800498) 2012 Galileo Music Communic.

Dotschy Reinhardt - Pani Sindhu

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Sie gehört zum gleichen Sinti-Clan wie der legendäre belgische Gitarrist Django Reinhardt und der deutsche Geiger Schnuckenack Reinhardt - die 1975 in Ravensburg zur Welt gekommene Berliner Sängerin und Gitarristin Dotschy Reinhardt. Und sie fühlt sich diesem Erbe auch verpflichtet, was nicht bedeutet, den Stil der berühmten Verwandten einfach zu kopieren. Stattdessen entwickelt sie ihn kreativ weiter. Mit ihrer dritte CD "Pani Sindhu" begibt sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und denen ihres Volkes, das vor ungefähr tausend Jahren den Norden Indiens in Richtung Westen verließ und seit dem 15. Jahrhundert auch in Deutschland lebt. Für dieses Projekt hat Dotschy Reinhardt eine ganz besondere Band zusammengestellt, mit Musikern, mit denen sie schon seit Jahren arbeitet wie dem Sinti-Gitarristen Lancy Falta und seinem russischen Kollegen Alexej Wagner oder Christian von der Goltz am Flügel und dem elektrischen Wurlitzer-Piano, aber auch mit indischen Musikern, die Sitar, Santur und Tablas spielen und mit der typisch indischen Vokal-Percussion zu hören sind. Das Ergebnis ist eine ausgesprochen innovative Mischung aus Sinti-Tradition, Jazz und indischer Musik mit Tetxten in Dotschy Reinhardts Muttersprache Romanes.

(Autor: Wolfgang König)

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CD der Woche vom 02. bis 08. Januar 2012 | (EAN 5099973140528) 2011 EMI

Marisa Monte - O que você quer saber de verdade

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Die Sängerin und Multiinstrumentalistin aus Rio, die genau in der Mitte dieses blutjungen Jahres, am 1. Juli, ihren 45. Geburtstag feiern wird, zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den ganz Großen der MPB, der "Música Popular Brasileira". Die schöne, dunkelhaarige Frau, die mit vollem Namen Marisa de Azevedo Monte heißt, verfügt über eine betörende, geradezu sirenengleiche, zudem operngeschulte Mezzosopran-Stimme. Die Künstlerin, die sich neben ihrer solistischen Arbeit in etlichen anderen Musikprojekten betätigt, etwa als Plattenproduzentin von Rios renommierter Sambaschule Portela, lässt sich gerne Zeit beim Erarbeiten ihrer Studioalben. Diesmal ließ sie ihre zahllosen Fans weltweit gut fünf Jahre zappeln seit ihrer letzten Arbeit unter eigenem Namen. Das waren damals, 2006, sogar gleich zwei CDs auf einen Streich, auf denen sie mit allerhand innovativen Experimenten aufwartete. Nicht so auf ihrer neuen, nunmehr siebenten CD "O que você quer saber de verdade" (Was du wirklich wissen willst), die - anders, als die kribbelbunte CD-Gestaltung denken lässt - so ganz ohne musikalische Turbulenzen und nennenswerte Überraschungen auskommt, sondern vielmehr eine Marisa Monte präsentiert, wie sie ihre Fans seit langem kennen und lieben. In 45 gänzlich unaufgeregten, entspannten Minuten erwarten den Zuhörer 13 sensibel und elegant arrangierte, mal mit Tango oder altem Jazz flirtende, mal gen Rock oder Folklore, z.B. Forró geneigte, meist um die Liebe kreisende Balladen. Und in nahezu jedem Song schart die mit Vorliebe Ukulele spielende Monte etliche Kollegen um sich, die eine sehr facettenreiche, einfühlsame Instrumentierung beisteuern. Mal sinfonisch klingende Streicher, mal Hammond Orgel oder Moog, ein Akkordeon, Flügelhorn oder ein Ronroco, den Verwandten der kleinen lateinamerikanischen Charango-Gitarre, gespielt vom Superproduzenten Gustavo Santaolalla. Der Argentinier gehört zu den vielen guten Geistern, mehrheitlich brasilianischen Mitwirkenden, auf Marisa Montes neuem Album. Das Gros der Stücke verfasste die Carioca mit anderen Musikerfreunden, vorneweg mit Carlinhos Brown und Arnaldo Antunes - ihren zwei alten Kumpels des gemeinsamen Projekts "Tribalistas". Aber auch ein paar Kompositionen anderer Musiker, z.B. des großen Jorge Ben, intoniert die Sängerin, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Dadi ihr Album auch selber produziert hat.

(Autorin: Katrin Wilke)

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