CD der Woche
Die multicult.fm "CD der Woche" wird montags bis donnerstags im morgen:magazin zwischen 7 und 9 Uhr von unseren MusikredakteurInnen mit einzelnen ausgewählten Songs vorgestellt. Dazu gibt es regelmäßig Fragen, für deren richtige Beantwortung unsere Hörer die CD auch gewinnen können!
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CD der Woche vom 14. bis 20. Mai 2012 | (EAN 8714835090359) 2011 Skycap / Zomba
Mdungu - Gambian Space Program

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Gambian Space Program ist das zweite Album der Amsterdamer Gruppe Mdungu, deren Mitglieder aus den Niederlanden, Luxemburg, Spanien und Gambia kommen und Erfahrungen aus diversen Stilen mitbringen: Jazz, Rock, Flamenco, Grunge, Salsa, Afro-Pop und sogar jüdische Musik, denn Rapper und Saxofonist Job Chajes ist auch Mitglied der Amsterdam Klezmer Band. Gegründet wurde Mdungu 2003 vom Saxofonisten Thijs van Milligen mit einem klaren Konzept: Afro-Funk mit garantierter Tanzbarkeit. Dafür steht die Band bis heute. Gambian Space Program ist das zweite Mdungu-Album. Der Name ist eine kleine Übertreibung, hat aber einen wahren Kern, denn er bezieht sich auf die Blütezeit des Space Shuttle-Programms der USA. Damals legte die NASA in verschiedenen Teilen der Welt Notlande-Plätze für die US-Raumfähren an. Perkussionist und Sänger Ebou Gaye Mada erinnert sich wie viele seiner Landsleute noch heute an das gleißende Neonlicht, das am Stadtrand von Banjul aufflammte, wenn ein Space Shuttle-Start oder eine Landung anstand. Wie sich das Gambian Space Program live anhört, kann das Berliner Publikum beim Mdungu-Konzert am Freitag, dem 18. Mai ab 20.00 im Kesselhaus der Kulturbrauerei erleben.
(Autor: Wolfgang König)
Mdungu im Internet: homepage | facebook | YouTube
CD der Woche vom 07. bis 13. Mai 2012 | (EAN 5060091551268) 2012 Soundway Records / Indigo
Los Míticos del Ritmo

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"Die Mythischen des Rhythmus" - der Name von Quantics siebenköpfiger Studioband versetzt einen, wie auch das verschnörkelt-braune CD-Coverfoto, in vergangene Zeiten. Genauso wie die Musik selbst: zehn gut abgehangene, mit der Ästhetik der 60er kokettierende, tropisch schwüle Cumbias. Gestaltet mit dem für diese ursprünglich kolumbianische, heute in aller Welt kultivierte Musik traditionelle Instrumentarium - vorneweg dem flirrend klingenden, mitreißenden Akkordeon, gespielt vom Mastermind dieser Aufnahme und dieses Projekts. Quantic lernt dieses Instrument seit knapp fünf Jahren, teils bei großen Meistern Kolumbiens und Panamas, und spielt es nun erstmals eine Albumlänge lang. Der seit 2007 im kolumbianischen Cali lebende Musik-Exilant kümmert sich seit langem um die Wiederbelebung des 60er und 70er Soul, hat sein Herz desweiteren an die reichhaltige Musik Kolumbiens verloren und vermag, in vielen seiner Aktivitäten diese verschiedenen Interessen zu bündeln. Diesmal hat die Cumbia die Nase vorn, die Quantic seit langem intensiv am Ursprungsort erforscht. Auf der Basis dieses Wissens vermag er dann auch, mit seinen exzellenten kolumbianischen Musikerkollegen, Popklassiker wie Michael Jackson?s "Don?t Stop" oder Queen?s "Another One Bites The Dust" souverän ins Cumbia-Fach zu überführen. Ein Spaß für jeden Fan von originellen Covers.
(Autorin: Katrin Wilke)
Quantic im Internet: homepage | facebook
CD der Woche vom 30. April bis 06. Mai 2012 | (EAN 876623006534) 2012 Crammed Discs / Indigo
Balkan Beat Box - Give

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Vor ein paar Jahren war die in New York gegründete Band Balkan Beat Box am Balkan-Revival mit ihrem ersten Album, welches kein geringerer als Shantel auf seinem eigenen Label veröffentlichte, maßgeblich beteiligt. Mit ihrem dritten Album "Give" veröffentlichten die Jungs, die mittlerweile New York den Rücken gekehrt haben, das globalisierteste Soundkompendium seit ihrer Gründung. Wer den alten, groovigen Balkansound sucht, wird auf diesem Album kaum fündig. Schon mit ihrem letzten Album wanderte ihr musikalischer Fokus mehr in Richtung Hip Hop, Ragga und elektronischer Clubmusik. Mit "Give" sind Ori Kaplan (Ex-Gogol Bordello), Tamir Muskat (Ex-Firewater) und Frontmann Tomer Yosef diesen Weg kompromisslos weiter gegangen. Noch mehr musikalische Einflüsse aus aller Welt ließen die Worldbeat-Bastler in ihren progressiveren Songstrukturen einziehen und vermischten die tanzbodentauglichen Beats mit sozial und politisch engagierten Texten. Sie thematisieren lautstark die Finanzkrise und den arabischen Frühling und rebellieren mit unmissverständlichen Statements voll offener Wut, wie z.B. in den Stücken "Political Fuck", "Enemy In Economy" und "Money". Dass auf dem Cover ein Megaphon in Form einer Kalaschnikow prangt, ist nur konsequent. Es ist aber nicht nur Wut, die ihre Musik beflügelt hat, es steckt auch viel Hoffnung darin, was man am stärksten im Lied "Part Of The Glory" spüren kann, welches von wunderbaren Talenten handelt, die jeder in sich trägt und versucht, erfolgreich in die Tat umzusetzen - und sei es mit einem Video auf Youtube. Am 12. Mai sind Balkan Beat Box in Berlin zu ihrem Konzert im Lido.
(Autorin: André Nell aka Nellski)
Balkan Beat Box im Internet: homepage | myspace | facebook
CD der Woche vom 16. bis 29. April 2012 | (EAN 3149027000529) 2012 Jazz Village (Harmonia Mundi)
Roberto Fonseca - Yo

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Alles andere als eine Nabelschau betreibt der visionäre, virtuose Pianist Roberto Fonseca aus Havanna da auf seinem neuen Album. Auch wenn dessen Titel "Yo" (ich) und der nackte Oberkörper des ernst drein blickenden Kubaners auf dem Cover vielleicht in eine solche, egozentrische Richtung denken lassen. Die Hände sind ausgesteckt und zeigen: Das ist, was ich bin, was ich geben kann und möchte - ganz unverhüllt und bloß. Und der einstige Buena-Vista-Tastenmann, seinerzeit als Nachfolger von Rubén González der mit Abstand jüngste, nicht minder erfahrungsreiche im Bunde dieses erfolgreichen Ensembles, hat musikalisch und auch spirituell erneut viel zu geben. Auch nicht im Alleingang, sondern in kreativer Gesellschaft etlicher Seelenverwandter - neben Landsleuten, vor allem Musikern afrikanischer und arabischer Couleur - ist ein überaus facettenreiches, ja, komplexes Werk entstanden. Der mit afrokubanischen Traditionen, Jazz, Rock und HipHop vertraute Fonseca, der kürzlich seinen 37. Geburtstag beging (nicht zuhause in Havanna, sondern mitten auf seiner Europa-Tour...), war in seinem Tun - als Instrumentalist wie auch als Produzent - von jeher musikalisch weltgewandt. Allerdings schöpft Fonseca auf "Yo" deutlicher denn je aus den vielen, beim weltweiten Reisen gesammelten Erfahrungen, z.B. auch aus der Zusammenarbeit mit dem renommierten Londoner Radio-DJ und Musikproduzenten Gilles Peterson bei dessen "Havana-Cultura"-Projekt. Der hat nun auch bei den Aufnahmen von Fonseca mitgewirkt, genauso wie die Sängerin Fatoumata Diawara und der wie sie aus Mali stammende Ngoni-Spieler und Perkussionist Baba Sissoko, der Kora-Spieler Sekou Kouyate aus Guinea, der franco-algerische Raï-Sänger Faudel oder der Orchestra-Baobab-Sänger Assane Mboup aus dem Senegal. Die 14 Stücke, zwei Remixe inklusive, kreieren und zelebrieren eine eigene, modern wie archaisch klingende Allianz, in der Mutter Afrika, das afrokubanische Kuba sowie weitere afroamerikanische Spuren ganz neu und musikalisch unerhört zusammenkommen. Die Zuckerinsel ist bekanntermaßen reich an großartigen Musikern, doch sind darunter (leider) nicht allzu viele künstlerisch so verwegene, experimentierfreudige Persönlichkeiten, die - trotz des Erfolgs - noch dazu menschlich so natürlich und bescheiden geblieben sind wie Roberto Fonseca. Der ist mit dem Repertoire seines neuen Albums derzeit in Europa unterwegs und auch für ein paar Konzerte in Deutschland, u.a. am 29. April im unweit von Berlin gelegenen Neuhardenberg.
(Autorin: Katrin Wilke)
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CD der Woche vom 09. bis 15. April 2012 | (LC 06358) 2012 Küss Mich Musik
Djab Makay - Go Africa
Der in Mali geborene Djab Makay ist Schriftsteller, Illustrator und Musiker. Mit seinem neuen Album "Go Africa" kleidet er nicht nur die Fragen afrikanischer Migranten in Musik und Worte. Poetisch kreativ stellt er fest "Wir sitzen alle im gleichen Boot" (We are in the same boat) und schichtet diese Erkenntnis zwischen moderne und lebendige Rhythmen, die sich in ihrer klanglichen Vielfalt weit außerhalb der für Mali typischen Bluesstimmung bewegen. Mit "Go Africa" folgt Djab Makay den ausdrucksstarken Fährten, die die erzählenden Sänger, die Griots, überall auf dem afrikanischen Kontinent ausgelegt haben.
(Autor: Gerhard Müller)
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CD der Woche vom 02. bis 08. April 2012 | (EAN 0673790028402) 2012 Chat Chapeau nouveau
!DelaDap - I Know What You Want

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Wenn es um urbanen Balkan-Sound geht, sind !DelaDap Pioniere der ersten Stunde. Nicht umsonst erschien diese international besetzte Wiener Formation 2003 zeitgleich mit Shantels inzwischen legendärer erster Bucovina-Club-Compilation auf der Bildfläche, und ähnlich wie sein Frankfurter DJ-Kollege versteht sich auch der aus Tschechien stammende Produzent Stani Vana als Trendsetter in Sachen musikalischen Brückenschlägen zwischen Ost und West, Tradition und Moderne, Lokalem und Globalem. Charismatische Frontfrau von "I know what you want", dem vierten Studioalbum von !DelaDap, ist einmal mehr die ungarische Sängerin Melinda Stojka. Das Konzept der Verbindung von traditioneller Roma-Musik mit elektronischen Club-Sounds und vielfältigen, oft überraschenden, aber stets stilsicher eingewobenen musikalischen Elementen hat auch im zehnten Jahr des Bestehens der Band nichts von seiner Frische, Dynamik und Innovationskraft eingebüßt. Der diesmal starke Swing-Akzent wirkt, ungeachtet des aktuellen Revivals dieses Genres, auch deswegen so unwiderstehlich zeitgemäß, weil er zugleich eine organische Weiterentwicklung früherer künstlerischer Statements darstellt. Wie es sich für ein Konzeptalbum gehört, auf dem kein Song wie der andere klingt, versammelt der in der Szene bestens vernetzte Vana wieder eine illustre Gästeschar, u.a. Marko Markovic, Russkaja-Sänger Georgiji Makazaria und Ex-Ojos-de-Brujo-DJ Panko Gabas. Und spätestens mit der Teilnahme am österreichischen Vorentscheid zum diesjährigen Eurovision Song Contest hat dieses zwar Dancefloor-, aber alles andere als Mainstream-orientierte Projekt auch seine Chart-Tauglichkeit unter Beweis gestellt.
(Autor: Clemens Grün)
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CD der Woche vom 26. März bis 1. April 2012 | (EAN 657036118522) 2012 Six Degrees/Exil Indigo
Céu - Caravana Sereia Bloom

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Rätselhaft schön, ein wenig hippiesk oder nach Zirkus klingt der Name der dritten CD von Céu. Und tatsächlich schnuppert die Sängerin aus São Paulo, die mit vollem Namen Maria do Céu Whitaker Poças heißt und am 17. April 32 wird, in ihren 13 neuen Liedern hier und da auch Zirkusluft. Z.B. in "Palhaço", einem alten Samba über einen traurigen Clown, der nicht mehr auftreten möchte. In diesem naturbelassenen Song wird Céus sirenhaft-sanfter Gesang nur von einer Akustikgitarre und subtilen Elektro-Sounds umspielt. Abgesehen von diesem und einem weiteren Klassiker, "You won't regret it", einem Rocksteady-Track von Lloyd Robinson und Glen Brown, wurden alle übrigen zehn Lieder von Céu oder einigen ihrer Musikerfreunde komponiert. Die Paulista, die vor wenigen Jahren Mutter wurde, frönt genüsslich einer Langsamheit, einer tranquilidade, fernab des üblichen brasilianischen Temperaments bzw. des Klischees von tropischer Ausgelassenheit. Mit ihrem sehr eigenen, gedankenvollen SingerSongwriting, angereichert mit retro-rockigen und -souligen, psychedelischen Klängen, mit Samba und Dub, fährt die junge Musikerin seit ein paar Jahren überaus erfolgreich. Caetano Veloso etwa hält die Kollegin für die "Zukunft der brasilianischen Musik". Und wie schon auf dem 2009 erschienenen Vorgänger "Vagarosa" nimmt einen die Frau mit dem buchstäblich himmlischen Namen (Céu heißt Himmel) auch diesmal wieder mit auf eine verführerische Klangreise, die mit vielen kleinen-feinen Überraschungen, mit unterschiedlichsten Stimmungen und Atmosphären aufwartet. Alles sehr einfühlsam und wohldosiert ausgetüftelt, arrangiert und in die Tat umgesetzt mit einer Handvoll vertrauter Musiker. Darunter auch der Multiinstrumentalist und Elektronik-Bastler Gui Amabis, Céus musikalischer wie privater Partner und Vater ihrer Tochter Rosa, mit dem sie das Album auch gemeinsam produziert hat. Innerhalb ihrer aktuellen Europatour ist die Brasilianerin auch für einige Termine in Deutschland, z.B. am 27. März im Berliner Lido.
(Autorin: Katrin Wilke)
• free download: Céu - retroviser
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CD der Woche vom 19. bis 25. März 2012 | (EAN 4006180430725) 2012 JARO
Red Baraat - Chaal Baby

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Immer wieder mal erweist sich das Bremer Label JARO als wahres Trüffelschwein im ständig weiterwuchernden Wildwuchs der Musik. Zuletzt etwa beim Ans-Licht-Bringen der Wahl-Pariser Sängerin Aldona aus Polen und nun mit dieser "Bhangra Funk Dhol'n'Brass"-Band aus New York. Nichts, was es musikalisch nicht gäbe am Big Apple. Red Baraat, dieses aus teils indischstämmigen US-Amerikanern bestehende Nonett, zelebriert unter Federführung des Dhol-Trommlers Sunny Jain seit 2008 von Brooklyn aus seine urbane, moderne Variante traditioneller, perkussionslastiger Musik aus dem Punjab. Darüber hinaus spielt man (buchstäblich!) mit Pauken und Trompeten Bollywood-Klassiker sowie Eigenkompositionen - ursprünglich zu Hochzeitspartys und mittlerweile auch längst auf der Konzertbühne. So war die Band im 2011er Sommer in den USA der ultimative Festivalkracher. "Baraat" bedeutet auf Hindi "Hochzeitsumzug" - traditionell in Nordindien wichtiger Bestandteil des Feierns - der von einer Dholi- und/oder Marschkapelle geleitet wird. Spätestens für seine eigene Hochzeit hatte Jain keine Lust mehr aufs übliche Diaspora-Line Up: eine Dhol-Trommel oder einen DJ. So rekrutierte er aus Familien- und Freundesumkreis eine 30-köpfige Umzugskapelle. Red Baraat war geboren und avancierte im Handumdrehen zur gefragtesten Baraat-Band. Und schon bei den ersten Takten der insgesamt elf Tracks (darunter zwei Liveaufnahmen) ist klar: Ob Inder oder nicht, ob heiratswillig oder nicht: man muss einfach schwofen zu diesen teils instrumental, teils mit hintergründigen Gesangsspuren oder gerappten Parts gestalteten Kompositionen. Und die tönen weit über Bhangra & Co. hinaus gen Funk, Jazz und Latin, angetrieben von diverser Perkussion, von Saxofonen, Trompeten, Posaune und Sousaphon. Und wer nach dieser CD-der-Woche-Woche noch nicht genug und womöglich kein Exemplar dieses wundervollen Albums gewonnen hat: Diese Band tourt mit ihrer live ohnehin viel freier atmenden Musik im fortgeschrittenen Frühling durch unsere Breiten (z.B. 22. Mai Bi Nuu, Berlin).
(Autorin: Katrin Wilke)
Red Baraat im Netz: homepage | myspace
CD der Woche vom 12. bis 18. März 2012 | (EAN 4260162630101) 2012 Buyu-Records
Kojato - All about Jazz

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Der Sänger und Percussionist Kojo Ebenezer Samuels, Jahrgang 1943, verließ in den 60er- Jahren sein Heimatland Liberia und landete über den Umweg der USA in Deutschland. Das von dem Braunschweiger Electro-Bossa-Spezialisten Oliver Belz (The Bahama Soul Club) und dem Keyboarder André Neundorf produzierte Album "All About Jazz" verbindet den Afrobeat Fela Kutis mit aktuellen Clubs-Sounds. Eine typische, glattgebügelte Lounge-Scheibe ist das Album, bei aller professionellen Lässigkeit, aber keineswegs, sondern überaus stimmungsvoll, tanzbar, abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail produziert. Hier klingt der Soul der 60er durch, dort der Funk der 70er. Django Reinhardts Gypsy Swing, Duke Ellingtons Klavierläufe, James Browns R'n'B, Latin, Ska, und Afro-Jazz werden von den locker groovenden, mit deutschen Jazzmusikern besetzten "Afro Latin Cougaritas" in zehn Tracks und einem Remix mit beeindruckender Spielfreude und Sinn für den stilvollen Brückenschlag integriert. Kojos prägnante Soulstimme erinnert an den im letzten Jahr verstorbenen Gil Scott-Heron. Ganz programmatisch beginnt er sein Album mit den Worten: "Musik ist die Tür zur Flucht aus einer verrückten Welt." Als Fluchthelfer leistet der Jazz ihm hier wertvolle Dienste, doch die Mission dieses mit seinen bald 70 Jahren weithin unbekannten Talents ist, ihn in all seinen Spielarten auszuloten.
(Autoren: Dirk Zschoche & Clemens Grün)
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CD der Woche vom 5. bis 11. März 2012 | (EAN 790248031521) 2012 Putumyao / Exil / Indigo
Brazilian Beat

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Brasilien ist praktisch ein Kontinent für sich - sowohl von der Größe als auch von seiner kulturellen Vielfalt her, einschließlich der musikalischen. Das Album "Brazilian Beat" präsentiert einen interessanten Einblick in die aktuelle Musikszene der größten Nation Lateinamerikas, von Newcomern wie Bruna Caram bis zu immer noch aktiven Veteranen wie Marcos Valle oder Leo Gandelman. Künstler aus den brasilianischen Metropoloen Rio de Janeiro und São Paulo sind ebenso vertreten wie Kolegen aus der Diaspora in Rom, Paris oder New York. Und fast immer gibt es originelle Symbiosen von Samba-Tradition und elektronischen Beats. Ein extrem hörenswertes Kompedium der brasilianischen Musik des frühen 21. Jahrhunderts.
(Autor: Wolfgang König)
CD der Woche vom 27. Februar bis 4. März 2012 | (EAN 707787911221) 2012 In-Akustik
Hugh Masekela - Jabulani

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Der Flügelhorn-Virtuose und Sänger Hugh Masekela ist seit dem Tod seiner Ex-Gattin Miriam Makeba zweifellos der international renommierteste Vertreter der südafrikanischen Musikszene. Sein neues Album ist eine Aufforderung zum Glücklichsein, denn ''Jabulani'' heißt in der Sprache der Zulus schlicht und einfach:''Sei glücklich!'' Die meisten Songs der Platte sind traditionelle, modern arrangierte Hochzeitlieder aus Südafrika. Dort sind Hochzeiten nach wie vor Höhepunkte nicht nur im Leben von Personen, sondern von ganzen Gemeinschaften. Zu Hugh Masekelas frühesten Kindheits-Erinnerungen gehört die Hochzeit seiner Groß-Kusine Lilly, als er 4 Jahre alt war. Einen Monat lang feierte die ganze Nachbarschaft das Ereignis mit Essen und Trinken, mit Liedern und Tänzen. Bis heute zahlen junge Männer den Eltern der Braut Lobola, den Brautpreis, auf dem Dorf immer noch zumeist in Form von Vieh. Hugh Masekela sieht die neue CD' 'Jabulani'' auch als Teil von dem, was er ''heritage restoration'' nennt, Bewahrung des kulturellen Erbes von Südafrika, das zu verschwinden droht, wenn es nicht bewusst am Leben erhalten und erneuert wird.
(Autor: Wolfgang König)
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CD der Woche vom 20. bis 26. Februar 2012 | (EAN 4260269560028) 2012 Munka Munka-Records
BudZillus - Auf Gedeih & Verderb

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"Auf Gedeih und Verderb" ist bereits das zweite Studioalbum von Budzillus. Seit ihrer Gründung als Hochzeitskapelle vor sieben Jahren ist die fünfköpfige Combo um die Sänger Kristian Zepplin und Kommodore Kondorosi aber vor allem als energetische Live-Band mit einer eine Vorliebe für selbstgebaute Instrumente und skurrile Bühnenoutfits aufgefallen. Nach einschlägigen Straßenmusikerfahrungen und zahlreichen Auftritten, unter anderem als inoffizielle Hausband der legendären Bar 25, haben Budzillus inzwischen auch musikalisch ihren eigenen Stil kreiert, der sich im Grenzbereich zwischen Swing, Surf, Balkan und Orient verorten lässt. Ihre auf Deutsch und Englisch gesungenen Kommentare zu Globalisierung und Bankenkrise, unter anderem in einer erstaunlich tagesaktuellen Schiffsuntergangsballade, sind so ironisch wie vieldeutig. Einerseits repräsentieren Budzillus gestresste Großstadt-Bohemians, deren "Aktien schlecht stehen", andererseits schlägt im lyrischen Ich ("Ich steck lieber tief im Dispo, als im Berufsverkehr.") ein echtes Punkerherz.
(Autor: Clemens Grün)
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CD der Woche vom 13. bis 19. Februar 2012 | (EAN 886788126824) 2012 Maik Maier
Giulia y Los Tellarini - L'Arrabbiata

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Neuigkeiten aus der musikalischen "Mestizo"-Metropole Barcelona! Ans Licht gebracht von einer Band, die allerdings eher abseits dieser lustig-derben, politisch korrekten, in Manu Chaos Geiste agierenden Szenerie zu suchen ist. Dabei charakterisieren Giulia und ihre derzeit sechs Tellarini durchaus auch einige dieser typischen "Mestizo"-Merkmale: Die zwölf neuen Songs ihres zweiten Albums offenbaren einen stilistisch bunten, teils party-tauglichen Mix aus Swing, Chanson, Singer Songwriting, Flamenco, Bossa Nova und vielem anderen mehr. In den fast durchweg aus der Feder der singenden Frontfrau stammenden Liedpoesien sucht man jedoch vergebens nach den üblichen politischen oder sozialkritischen Weltverbesserernachrichten. Giulia Tellarini, die seit längerem in Barcelona lebende Italienerin mit u.a. französischem Background, "begnügt" sich mit den Geschichten, die sie in ihrem Viertel umgeben, die ihr im Alltag begegnen. Sie verstünde ja schon sich selbst, ihre eigenen Widersprüche nicht, wie solle sie dann die auf dieser Welt beschreiben.. So äußerte sich lachend die Akkordeon spielende Sängerin im Interview mit Radio multicult.fm. Das gesamte Gespräch ist zu hören in der Sendung Senti-Mental (Die Originalsendung vom 12. Februar wird am 14. Februar um 20 Uhr wiederholt.). Und wer jetzt immer noch nicht weiß, von wem hier die Rede ist, dem ist vielleicht noch der Song "Barcelona" aus Woody Allens Film "Vicky Christina Barcelona" im Ohr. Diese charmante, sympathisch eigenwillige Liebeserklärung an die katalanische Metropole, intoniert von Giulia mit ihrem so markanten, wie luftigen Stimmchen, prägte den Soundtrack dieses Films maßgeblich. Und auch den weiteren Weg von Giulia y Los Tellarini, dieser viele Nationalitäten umfassenden, damals noch eher informell und im Untergrund aktiven Band. Dass es ein Leben gibt nach dieser Erfolgsgeschichte in Verbindung mit dem New Yorker Regisseur, das beweist das neue Album "L'Arrabiata". Dessen Titel spielt an auf eine Wut, die - neben der Liebe, claro! - in mehr oder weniger fröhlicher Form mitschwingt in der Musik, sowie auf die bekannte, genauso scharfe wie leckere Soße dieses Namens. In diesem Sinne: Guten Appetit! Oder besser in den musikalischen Verkehrssprachen der polyglotten, durch einen Berlin-Aufenthalt auch des Deutschen mächtigen Giulia Tellarini: ¡Buen provecho! Bon appétit! Buon appetito! Enjoy your meal!
(Autor: Katrin Wilke)
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CD der Woche vom 06. bis 12. Februar 2012 | (EAN 808433000822) 2012 Media Luna
Addys Mercedes - Addys

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Auf dem nach ihr benannten, dritten Album erzählt Addys, jenseits bekannter Latino-Klischees, persönliche Geschichten. Rockgitarren ersetzen kubanische Percussion, Addys' warme Stimme schlägt die Brücke zwischen kubanischer Tradition und Indiepop. Addys Mercedes ist Europas renommierteste kubanische Sängerin & Songwriterin. Mit ihren Produzenten Cae Davis & Pomez di Lorenzo (Sasha, Dick Brave, 3 Echonominierungen) gelingt es Addys, unbeschwerte Popsongs mit der Wärme ihrer kubanischen Heimat zu verbinden. Addys' Talent blieb auch Künstlern wie Eric Clapton, Bob Geldof, Ringo Starr, Compay Segundo und Ibrahim Ferrer (Buena Vista Social Club) nicht verborgen, mit denen Addys und ihre Band durch 16 Länder tourte.
(Autor: Gerhard Müller)
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CD der Woche vom 30. Januar bis 05. Februar 2012 | (EAN 821895987425) 2012 Asphalt Tango
Zdob si Zdub - Basta Mafia!

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Von ihren bescheidenen Anfängen in den 90ern als moldawische Volksmusik-Ska-Punk-Band haben sie es mittlerweile zwei Mal geschafft, mit ihrer frischen und ideenreichen Musik am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Zdob si Zdub ist ein harter moldawischer Cocktail aus verschiedenen Kulturen und spiegelt die mannigfachen Ausdrucksweisen des multikulturellen Erbes am östlichen Rad Europas. Ihre Musik ist ein Cocktail aus Hip-Hop, Soul, Funk und Balkanbeats, sehr impulsiv, schnell und voller Power. Die Texte sind launig, spöttisch, und voller Protest. Man singt über das, was man lebt: Arbeit, Liebe, Kindheit, Natur, und Geschichte.
(Autor: Gerhard Müller)
Zdob si Zdub im Netz:
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CD der Woche vom 23. bis 29. Januar 2012 | (EAN 821895987425) 2012 Connector Records
Los Dos y Compañeros - Salsa Guerrilleros

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Zur Salsa gehört der spanischer Gesang wie der Chilli zur Soße. Aber was wird daraus wenn sich Salsa und Merengue mit bayrischem Dialekt mischen? Gerade diese außergewöhnliche Kombination macht Los Dos Y Compañeros zu einem ganz besonderen musikalischen Erlebnis. Die zwölfköpfige deutsche Salsaband verbindet die Mundart ihrer Heimat mit dem Satzgesang und stilechten Latin- Arrangements. Kubanischen Klänge schmücken die "g'standenen Manna" aus Amberg und Umgebung mit Geschichten aus ihrem oberpfälzischen Alltag. Ein Orchester, das sowohl bei Fans, als auch bei Experten, keinerlei Wünsche offen lässt.
(Autor: Gerhard Müller)
Los Dos y Compañeros im Netz:
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CD der Woche vom 16. bis 22. Januar 2012 | (EAN 4250095800481) 2011 Galileo Music Communic.
Matuto - Matuto

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Country meets Country - auf unserer CD der Woche. Aber nicht, dass Johnny Cash gegen sich selber Tennis spielen würde. Nein, zwei ländliche Musiktraditionen - eine aus dem nordamerikanischen Osten, die andere aus dem brasilianischen Nordosten - finden in New York zusammen, verkuppelt von der dort ansässigen, im Kern fünf- bis sechsköpfigen Band Matuto. Bluegrass und andere Spielarten der ursprünglich von den Apalachen stammenden Country-Musik geben sich einen recht neuartig klingenden, fröhlichen Schlagabtausch mit dem Forró der "Cowboys" aus Pernambuco. In diesem Bundesstaat Brasiliens ist diese gut tanzbare "música nordestina" zuhause, zur der nicht nur in ganz Brasilien, sondern längst auch in vielen anderen Ecken der Welt geschwoft wird. Der Bandname, auch Titel des Debütalbums, steht im brasilianischen Portugiesisch für jemanden vom Dorf, einen Provinzler. Dabei hat diese klangliche, rhythmische und sprachliche Allianz so gar nichts Hinterwäldlerisches: Die erdige Zabumba-Trommel Brasiliens und Akkordeon, mal ganz waschecht "nordestino" gespielt, mal nach Cajun klingend, paaren sich ganz vortrefflich mit Bluegrass-Fiddle, Flöte, Hammond oder dem Cavaquinho, der kleinen Samba-Gitarre. Der italo-amerikanische Akkordeonist Rob Curto sammelte während eines langen Brasilien-Aufenthaltes viele, für dieses Projekt wichtige Erfahrungen, versteht sich darüber hinaus auch auf Rock, Blues, Funk und Swing. Der zweite Kreativkopf des personell recht offenen Unternehmens, der singende und unter anderem Gitarre spielende Clay Ross aus South Carolina nähert sich stärker vom Bluegrass aus der Sache, ist darüber hinaus mit diversen Worldmusic- und Jazz-Traditionen vertraut. Alleine mit den beiden kommt allerhand an Einflüssen zusammen. Ganz zu schweigen von den vielen weiteren beteiligten Instrumentalisten und Sängern - Nordamerikaner sowie in den USA beheimatete Brasilianer - die sich je nach Atmosphäre und Laune ins musikalisch bunte Geschehen mischen. Das vorliegende Songdutzend enthält Instrumentals sowie auf Portugiesisch oder Englisch intonierte Stücke, Traditionals, eigene und originale Forró-Kompositionen, wie "Retrato de um Forró" von Luiz Gonzaga, dem "Übervater" dieses Genres. Eine gelungene, quasi panamerikanische Begegnung auf Augenhöhe, oder noch schöner: eine Art spätes Familientreffen voller Vertrautheit zwischen dem Norden und dem Süden des Kontinents.
(Autorin: Katrin Wilke)
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CD der Woche vom 09. bis 15. Januar 2012 | (EAN 4250095800498) 2012 Galileo Music Communic.
Dotschy Reinhardt - Pani Sindhu

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Sie gehört zum gleichen Sinti-Clan wie der legendäre belgische Gitarrist Django Reinhardt und der deutsche Geiger Schnuckenack Reinhardt - die 1975 in Ravensburg zur Welt gekommene Berliner Sängerin und Gitarristin Dotschy Reinhardt. Und sie fühlt sich diesem Erbe auch verpflichtet, was nicht bedeutet, den Stil der berühmten Verwandten einfach zu kopieren. Stattdessen entwickelt sie ihn kreativ weiter. Mit ihrer dritte CD "Pani Sindhu" begibt sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und denen ihres Volkes, das vor ungefähr tausend Jahren den Norden Indiens in Richtung Westen verließ und seit dem 15. Jahrhundert auch in Deutschland lebt. Für dieses Projekt hat Dotschy Reinhardt eine ganz besondere Band zusammengestellt, mit Musikern, mit denen sie schon seit Jahren arbeitet wie dem Sinti-Gitarristen Lancy Falta und seinem russischen Kollegen Alexej Wagner oder Christian von der Goltz am Flügel und dem elektrischen Wurlitzer-Piano, aber auch mit indischen Musikern, die Sitar, Santur und Tablas spielen und mit der typisch indischen Vokal-Percussion zu hören sind. Das Ergebnis ist eine ausgesprochen innovative Mischung aus Sinti-Tradition, Jazz und indischer Musik mit Tetxten in Dotschy Reinhardts Muttersprache Romanes.
(Autor: Wolfgang König)
Dotschy Reinhardt im Netz: homepage | myspace | facebook
CD der Woche vom 02. bis 08. Januar 2012 | (EAN 5099973140528) 2011 EMI
Marisa Monte - O que você quer saber de verdade

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Die Sängerin und Multiinstrumentalistin aus Rio, die genau in der Mitte dieses blutjungen Jahres, am 1. Juli, ihren 45. Geburtstag feiern wird, zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den ganz Großen der MPB, der "Música Popular Brasileira". Die schöne, dunkelhaarige Frau, die mit vollem Namen Marisa de Azevedo Monte heißt, verfügt über eine betörende, geradezu sirenengleiche, zudem operngeschulte Mezzosopran-Stimme. Die Künstlerin, die sich neben ihrer solistischen Arbeit in etlichen anderen Musikprojekten betätigt, etwa als Plattenproduzentin von Rios renommierter Sambaschule Portela, lässt sich gerne Zeit beim Erarbeiten ihrer Studioalben. Diesmal ließ sie ihre zahllosen Fans weltweit gut fünf Jahre zappeln seit ihrer letzten Arbeit unter eigenem Namen. Das waren damals, 2006, sogar gleich zwei CDs auf einen Streich, auf denen sie mit allerhand innovativen Experimenten aufwartete. Nicht so auf ihrer neuen, nunmehr siebenten CD "O que você quer saber de verdade" (Was du wirklich wissen willst), die - anders, als die kribbelbunte CD-Gestaltung denken lässt - so ganz ohne musikalische Turbulenzen und nennenswerte Überraschungen auskommt, sondern vielmehr eine Marisa Monte präsentiert, wie sie ihre Fans seit langem kennen und lieben. In 45 gänzlich unaufgeregten, entspannten Minuten erwarten den Zuhörer 13 sensibel und elegant arrangierte, mal mit Tango oder altem Jazz flirtende, mal gen Rock oder Folklore, z.B. Forró geneigte, meist um die Liebe kreisende Balladen. Und in nahezu jedem Song schart die mit Vorliebe Ukulele spielende Monte etliche Kollegen um sich, die eine sehr facettenreiche, einfühlsame Instrumentierung beisteuern. Mal sinfonisch klingende Streicher, mal Hammond Orgel oder Moog, ein Akkordeon, Flügelhorn oder ein Ronroco, den Verwandten der kleinen lateinamerikanischen Charango-Gitarre, gespielt vom Superproduzenten Gustavo Santaolalla. Der Argentinier gehört zu den vielen guten Geistern, mehrheitlich brasilianischen Mitwirkenden, auf Marisa Montes neuem Album. Das Gros der Stücke verfasste die Carioca mit anderen Musikerfreunden, vorneweg mit Carlinhos Brown und Arnaldo Antunes - ihren zwei alten Kumpels des gemeinsamen Projekts "Tribalistas". Aber auch ein paar Kompositionen anderer Musiker, z.B. des großen Jorge Ben, intoniert die Sängerin, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Dadi ihr Album auch selber produziert hat.
(Autorin: Katrin Wilke)
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