Musik, Fußball und Politik am Kap

Ein Reisebericht

Kapstadts Tafelberg
Alvin Dyers (Gitarre) & Band
An der Waterfront: Südafrikas Friedensnobelpreisträger - Albert Luthuli, Desmond Tutu, Frederick De Klerk, Nelson Mandela
Kapstadts neues WM-Stadion im September 2009
Nelson Mandela & sein Alter Ego bei ZA News
Hout Bay
Hout Bay - die südlichste Wurstbude der Welt

von Wolfgang König

Südafrika im deutschen Herbst, das ist ein Land, das auf den Frühling zugeht, der endlich einen langen und für südafrikanische Verhältnisse unangenehm kühlen Winter ablöst. Bei meiner Ankunft in Cape Town scheint auch der kulturelle Winterschlaf der Stadt vorbei zu sein. Nachdem das Mannenberg an der Waterfront, einer der besten Clubs der Stadt, im letzten Jahr schließen musste, hat gerade das Rainbow Experience in der Innenstadt seine Pforten geöffnet. Dahinter verbirgt sich eine Kombination aus Espresso-Bar, Internet-Café, Dokumentation zu Nelson Mandelas Biografie, Verkaufsausstellung für Design, Mode und Schmuck aus Südafrika, Platten- und Buchladen. Außerdem gibt es im Keller einen Club, der ein wenig an das Berliner Quasimodo erinnert. Vor dem Eingang steht ein übergroßer Mandela, geflochten aus Draht. An der Website wird noch gearbeitet, aber demnächst gibt es dort alle Informationen über das Rainbow Experience.

Der Mangel an Verantstaltungsorten ist eines der größten Probleme für Musiker in Südafrika. Daher spielen sie notgedrungen auch an Orten, wo der Musik weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht wird als dem Alkohol, z.B. im bayerischen Restaurant Paulaner Bräuhaus an der Waterfront, wo man an jedem Sonntag nachmittag den exzellenten Gitarristen Alvin Dyers mit seiner Band erleben kann.

Der traditionsreiche Club Green Dolphin, ebenfalls an der Waterfront, ist leider nur noch ein Schatten seiner selbst. Regelmäßige Live-Musik bei freiem Eintritt gibt es nach wie vor im Zanzibar, der rustikalen Bar im Backpacker Carnival Court in der Long Street.

Wer es schicker mag und etwas essen will, der sollte The Marimba im Convention Centre besuchen. Dort gibt es neben Live-Musik auch exzellentes Essen, eine große Auswahl an guten Whiskys und für Raucher eine Cigar Lounge.

Im Jahr 2010 wird Kapstadt einer vom neun Fußball-WM-Spielorten sein. In Greenpoint am Ozean entsteht momentan unter maßgeblicher deutscher Beteiligung das neuen Stadion für 70.000 Zuschauer. Hier wird auch eines der beiden Spiele im Halbfinale stattfinden. Die Bauarbeiten gehen zügig voran, so dass zur WM alles fertig sein wird.

Was in Deutschland nur kurz ein Thema war, die Zweifel am Geschlecht der südafrikanischen Läuferin Caster Semenya, die bei der Leichtathletik-WM in Berlin eine Goldmedaille errang, das beherrscht in Südafrika noch Wochen später die Schlagzeilen, denn der Leichtathletikverband Athletcis South Africa - vor allem dessen Chef Leonard Chuene - hat die Sportlerin im wahrsten Sinne des Wortes vor die Wand laufen lassen, weshalb immer wieder Chuenes Rücktritt gefordert wird, bisher allerdings erfolglos. Dieser Skandal und alles andere, was sich in der südafrikanischen Politik so abspielt, wird seit kurzem auch im Internet satirisch aufs Korn genommen. Der Kapstädter Star-Karikaturist Zapiro (alias Jonathan Shapiro) und der Produzent Thierry Cassuto hatten jahrelang vergeblich versucht, beim öffentlichen Fernsehen der SABC (South African Broadcasting Corporation) eine satirische Puppenshow zu machen. Inzwischen gibt es ZA News als unabhängige Sendung im Netz - absolut respektlos und unbedingt zu empfehlen!

Kurz vor meinem Abflug mache ich noch einen Abstecher nach Hout Bay, einem Fischerstädtchen südlich von Kapstadt, wunderschön gelegen an der Straße, die zum Kap der Guten Hoffnung führt. In Hout Bay wohnt Denis Goldberg, der 1963 im sogenannten Rivonia-Prozess Nelson Mandelas einziger weißer Mitangeklagter war und 22 Jahre im Gefängnis verbrachte. In Hout Bay ist er Vorsitzender der Organisation Sentinel Experience, die sich u.a. für die musikalische Bildung benachteiligter Kinder einsetzt. Dafür gab es auch schon einige Instrumenten-Spenden aus Deutschland, z.B. von den bayerischen Biermösl Blosn. Deutschland ist Denis Goldberg besonders verbunden, denn er war über zehn Jahre mit einer Deutschen verheiratet, von der er auch die Sprache lernte. Im Frühjahr 2010 wird seine Autobiografie bei uns erscheinen. Dafür wird er auch wieder nach Deutschland kommen, radio multicult 2.0 wird darüber berichten.

 

 

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       Mit freundlicher Unterstützung von Place on the Bay