Interviewmarathon
24h-Interviewmarathon "Was ist deutsch?"
Berlin, 1. und 2. Mai 2009, ein gläsernes Studio an der Spree: von 12:00 bis 12:00 werden im Stundentakt 24 bekannte und interessante Persönlichkeiten interviewt. Unter dem Titel "Was ist deutsch?" geht es um ein schwieriges Nationalgefühl. Ist die Republik erwachsen geworden - oder eher "60 und kein bisschen weise"? Gibt es "deutsch" vielleicht gar nicht, alles Klischees, und unsere Gesellschaft ist längst viel bunter und vielfältiger, als wir denken? Solche Fragen beantworten in Berlin prominente Zeitgenossen. Organisator des Events ist die gemeinnützige Culture Counts Foundation. Sie will die Chancen kultureller Vielfalt erforschen und in den Medien deutlicher zu machen.
Die Interviews finden im Berliner Radialsystem statt. Die rund 45 Minuten langen Gespräche können live im Studio erlebt, beim Public Viewing auf dem Deck im Radialsystem oder per Livestream auf www.interviewmarathon.de verfolgt werden. Außerdem können Interessierte eigene Fragen an die Interviewgäste live ins Berliner Studio zu schicken.
multicult2.0 überträgt den Interviewmarathon am Freitag Abend von 22 bis 1 Uhr und am Samstag Morgen von 7 bis 10 Uhr.
Freitag 1. Mai, 22 Uhr
Oona Horx-Strathern
geb. 1963 in Dublin, ist sowohl in Wien als auch in London zu Hause. Ihr Buch "A Brief History of the Future" machte sie weltweit als Trendberaterin und Zukunftsforscherin bekannt. Zudem schreibt sie den London Report für den Zukunftsletter, eine Kolumne, in welcher sie über neue Lebensstile und Konsumententrends aus der britischen Metropole berichtet. Mit ihrem Mann Matthias Horx betreibt sie das :zukunfts|institut in Wien und Kelkheim im Taunus.
Freitag 1. Mai, 23 Uhr
Zafer Senoçak
geb. 1961 in Ankara, lebt seit 1970 in Deutschland. Seit 1979 veröffentlicht er Gedichte, Essays und Prosa in deutscher Sprache. In seinen Erzählungen widmet er sich dem Themenschwerpunkt Orient-Okzident sowie interkulturellen Fragen. In überregionalen Zeitungen provozierte er mit Überschriften wie "Der Terror kommt aus dem Herzen des Islam". In seinen Werken setzt er sich mit den Deutschen, der türkischen Kultur und damit auseinander, wie beides miteinander vereinbar ist. Aufenthalte als Writer in Residence führten ihn u.a. in die USA, wo seine Werke zum Kanon der Germanistik und Cultural Studies gehören.
Samstag 2. Mai, 0 Uhr
Sung-Hyung Cho
geb. 1966 in Busan, Südkorea, ist Cutterin und Regisseurin. Sie studierte in Seoul Kommunikationswissenschaft und kam 1990 nach Deutschland, wo sie Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und Philosophie studierte. Seit 20 Jahren lebt sie auf dem Land in Hessen. Für ihren Dokumentarfilm "Full Metal Village" wurde sie mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet. In ihren Filmen spürt sie dem schwierigen Begriff Heimat nach - zuletzt in "Endstation der Sehnsüchte", für den sie drei Frauen begleitet, die nach über 30 Jahren zurückkehren in ein Südkorea, das nicht mehr ihres ist.
Samstag 2. Mai, 7 Uhr
Türkiyemspor
wurde als bekanntester Migrantenverein der Bundesrepublik 2007 durch den ersten Integrationspreis des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) ausgezeichnet. 1978 gegründet, spielten hier hauptsächlich Migranten türkischer Herkunft miteinander Fußball - inzwischen zieht der Verein Sportler verschiedener Herkunft an: in der Mannschaft des Vereins spielen 25 Nationalitäten. Nicht nur durch die vier Mädchenteams, auch durch den Anteil der Frauen im Vorstand hat der Verein eine ganz besondere Farbe bekommen. Damit Türkiyemspor auch in der zweiten Liga antreten kann, ohne aufgrund der geltenden Ausländerregelung auf einen Großteil seiner Spieler verzichten zu müssen, wurde vom DFB der rechtliche Begriff des "Fußballdeutschen" eingeführt.
Samstag 2. Mai, 8 Uhr
Jürgen Fliege
geb. 1947, Pfarrer und Talkshowmoderator. Mit seiner einfühlsamen Art der Gesprächsführung hebt er sich wohlfühlend von den "Brüll-Shows" im Privatfernsehen ab. Er ist das moderne Gesicht einer Spiritualität, in der Gottglauben und Menschsein zusammenfinden. Als Herausgeber von "Fliege. Die Zeitschrift" beschäftigt er sich mit körperlichen und seelischen Heilmethoden und präsentiert Vorbilder der Mitmenschlichkeit. Seine eigene Stiftung hilft Menschen, die in Not gerieten.
Samstag 2. Mai, 9 Uhr
Ramazan Salman
1960 in Istanbul geboren, ist Medizinsoziologe. Er bildet erfolgreiche, gut integrierte Migranten zu Mediatoren aus, die Ausländer und Einwanderer in Moscheen und Gemeinden mit dem Thema Gesundheit erreichen. Und er schult deutsche Ärzte, damit sie besser auf die Bedürfnisse von Migranten eingehen können. Für den Aufbau des Ethnomedizinischen Zentrums in Hannover wurde er 2006 zum Ashoka Fellow und von der Schwab Foundation zum "Social Entrepreneur 2008" ernannt.
